Die Weibsbilder, eine Anthologie – von Karin Braun

Weibsbilder2Im März 2014 lasen Gabriele Haefs, Gudrun Völk und ich in der Kieler Zentralbücherei. Das Thema dieser unter der Ägide des Referates für Gleichstellung stattfindenden Lesung: Weibsbilder! Welche Bilder kursieren über Frauen? Mit welchen Klischees ist das weibliche Geschlecht behaftet?

Wir lasen also, die ZuhörerInnen waren angemessen entzückt und wir drei Vorleserinnen machten uns beschwingt auf in den legendären CLUB 68, um ein wenig zu feiern. Schon auf dem Weg dorthin ratterte es bei mir. Die Geschichten meiner Kolleginnen hatten mich tief berührt und ich mochte mich so gar nicht von dem Thema trennen. In den nächsten E-Mails, die Gabriele und ich wechselten, zeigte sich, dass diese in die gleiche Richtung dachte wie ich, nämlich: Das ist ein schönes Thema für eine Anthologie!

Da wir beide nicht dazu neigen gute Idee auf irgendwann einmal zu verschieben, machten wir uns gleich daran eine Struktur zu erarbeiten. So sollten es Geschichten von Frauen über Frauen sein. Wie schon in unserer Anthologie „Narrenflieger“ (Edition Narrenflug – Hrsg. Gabriele Haefs) wollten wir Klassikerinnen dabei haben. Unsere Wahl fiel auf Franziska zu Reventlow, Marie zu Ebner-Eschenbach und die Norwegerin Dikken Zwilgmeyer. Die Stimmen aus der Vergangenheit waren somit klar. Aber es sollten auch, wie bereits in „Narrenflieger“, Autorinnen dabei sein, die in Deutschland noch nicht veröffentlicht hatten. Hier war zum einem das Internet hilfreich, denn dort fand Gabriele Joanna Sterling, welche die Webseite „The casket of ficional delight“ betreibt. Joanna steuerte „Lady Elfleda“ bei. Die zweite Unbekannte war die in England lebende Schottin Christine Cochrane, deren Geschichte „Shifting Sands“ den dritten Preis eines Kurzgeschichten Wettbewerbs der englischen Zeitschrift „Mslexia“ gewann. Christine Cochrane war, wie der Zufall es wollte, auch noch Deutschlehrerin und hat ihren Text selbst ins Deutsche übersetzt. So gesellte sich also „Treibsand“ zu unseren Weibsbildern.

Aber auch unter den Übersetzerinnen gab es neben den schon fest etablierten, wie Dagmar Mißfeldt und Gabriele Haefs, neue Stimmen. Maike Barth übersetzte aus dem Norwegischen „Häutung“ von Marianne Fastvold und Hannah Kleber ebenfalls aus dem Norwegischen „Leerraum“ von Laila Stein.

Eine Anthologie ist immer eine aufregende Sache. In der Regel, nachdem das Thema steht, spricht man AutorInnen an oder AutorInnen hören von dem Projekt und bekunden Interesse. Dann kann es ein wenig zähflüssig gehen, weil das Thema erst einmal wieder aus den Köpfen verschwindet, und man muss nachhaken und das Projekt in Erinnerung bringen. Hier war es ganz anders. Die Texte flogen uns zahlreich zu; sogar noch als wir bereits am Satz arbeiteten. Einige haben es nicht mehr ins Buch geschafft, was sicher nicht an der Qualität der Geschichten lag, sondern schlicht daran, dass das Buch zu umfangreich geworden wäre. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dann kommen diese Geschichten einfach in die nächste Sammlung.

Die Bücher sind seit Ende 2018 nur noch antiquarisch oder bei Amazon erhältlich, weil die Edition Narrenflug eingestellt wurde.

Text und Abbildung: Karin Braun

Ein Gastbeitrag zum Thema „Buchherstellung“, Evelyn Kuttig

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:

Ein Gedanke zu „Die Weibsbilder, eine Anthologie – von Karin Braun

  1. Weibsbilder lesen Weibsbilder: Gabriele Haefs, Anette Sørensen Habel und Karin Braun
    am Freitag, 24.4.2015, 19:30 Uhr
    im Jussi – Mein skandinavisches Krimibuchcafé
    Lehmweg 35, 20251 Hamburg

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