Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig https://www.schwarzaufweiss-internet.de Grafikdesign und Projektmanagement Wed, 26 Feb 2020 19:45:29 +0000 de-DE hourly 1 https://www.schwarzaufweiss-internet.de/wp-content/uploads/2016/05/cropped-favicon-32x32.jpg Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig https://www.schwarzaufweiss-internet.de 32 32 Lest die Klassiker VIII: Joseph Lauff https://www.schwarzaufweiss-internet.de/lest-die-klassiker-viii-joseph-lauff https://www.schwarzaufweiss-internet.de/lest-die-klassiker-viii-joseph-lauff#respond Wed, 26 Feb 2020 19:45:29 +0000 https://www.schwarzaufweiss-internet.de/?p=6177 […]]]> Bei Erwähnung des Namens Joseph Lauff machen die meisten heute ein verdutztes Gesicht, oder, um im Lauff’schen Jargon zu bleiben, ein „Gesicht, als ob sie die Maultrommel spielten“. Dabei war der fast vergessene Dichter Joseph Lauff zu seinen Lebzeiten nicht nur ein erfolgreicher Romanautor und Dramatiker, sondern gar der Lieblingsschriftsteller Seiner Majestät Kaiser Wilhelms II – und wer wollte sich erfrechen, am Allerhöchsten Geschmack zu zweifeln?

Joseph Lauff, 3. von links – Foto von Gabriele Haefs aus dem Privatbesitz in Kalkar

Der nachmals geadelte Joseph von Lauff wurde dem schlichten Namen Joseph Lauff 1855 in Köln geboren, stammte jedoch nicht aus kölscher, sondern aus preußischer Familie, die nach der Annexion des Rheinlandes dorthin versetzt worden war. Seine Jugend verbrachte er im Städtchen Kalkar am Niederrhein, noch heute berühmt wegen des schönsten deutschen Holzschnitzaltares sowie eines kunstgeschichtlich nicht ganz so bedeutenden Schnellen Brüters. Und damit war Lauff fürs Leben geprägt, oder geschädigt, wir werden’s noch sehen.

Die Jahre von 1878 bis 1898 verbrachte er als preußischer Offizier und dichtete nur so nebenbei. 1898 wurde er auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. Dramaturg am Hoftheater zu Wiesbaden, Wilhelms liebstem Ferienort. 1913 wurde der Major a. D. geadelt, 1933 verstarb der noch immer kaisertreue Joseph von Lauff in Cochem an der Mosel, nachdem er die Jahre seit 1919 in seinem Heimatort Kalkar verbracht hatte. In Kalkar, mit dem ihn eine Hassliebe verbindet, die sein Werk viel tiefer geprägt hat als seine Freundschaft zu unserem Kaiser, seinem allerhöchsten Dienstherrn.

Soviel zur Biographie des Künstlers. Ein Offizier als Dichter, noch dazu auf Höchsten Befehl, scheint interessant genug. Lesen wir dann noch, dass der deutsche Kronprinz, dem der Sinn nach moderner Kunst stand und der in Berlin Max Reinhardt und Gerhart Hauptmann heimisch machen wollte, am Widerstand seines Herrn Papas scheiterte – der zog nun einmal Joseph Lauff vor –, dann müssen wir einfach einen Blick auf dessen Werk werfen.

Bekanntlich lassen sich Weltbild und Werk eines Dichters nicht voneinander trennen – und hier haben wir das Lauff’sche Weltbild in seinen eigenen Worten:

„Die Welt ist verworren und des Menschen Sinn ist auf Unbesonnenes und Verkehrtes gerichtet. Man wähnt so oft, überirdische, himmlische Schalmeien zu hören, und dennoch ist es der Lockruf des Satans, der mit seinem verbuhlten Rauschpfeiflein hofieret.“

Fürwahr, wer wollte dies bestreiten! Lauffs Personen geraten allemal in die Fallstricke dieser verworrenen Welt, und in Romanen mit verheißungsvollen Titeln wie „Kärre Kärrekiek“, „Die Tanzmamsell“ oder „Die Tragikomödie im Hause der Gebrüder Spier“; in dramatischen Gedichten wie „Die Sauhatz“ oder „Die Brixiade“ haben sie nichts anderes im Sinn als zu sündigen, zu büßen, danach munter weiter zu sündigen, ihr Tun mit gebührenden Mengen von Schampus und Rotspon zu begießen – und alles mit gleicher Inbrunst. Denn, so eine Lauff’sche Hauptperson: „Wein erfreut des Menschen Herz!“ Und so ist es nur folgerichtig, wenn bei Beerdigungen die Kapelle spielt „Nun trinkt sie keinen Rotspon mehr!“, worauf sich die Trauergemeinde eilends ins Wirtshaus begibt. Doch der vom preußischen Genügsamkeitsethos geprägte Lauff konnte diese ungehemmte Lebensfreude nicht gutheißen, entsprang sie doch dem verbuhlten Rauschpfeiflein des Satans. Er war mehr für Disziplin, eherne Selbstkontrolle, Vaterlandsliebe um jeden Preis, protestantisches Arbeitsethos – aber das Schicksal hatte ihn an den dicksten katholischen Niederrhein verschlagen. Und wenn ihm jemand widersprach, dann hatte er gleich die Antwort zur Hand: „Mein Herr, Sie stellen Behauptungen auf, die mit Kielkröpfen umhertaumeln!“ Sein Leben lang fand er keinen Ausweg aus seinem preußisch-rheinischen Zwiespalt. Doch das heiße Ringen um den Weg aus dem Dilemma ist eines deutschen Dichters nur würdig, und uns kann das eigentlich egal sein. Viel wichtiger für die Übersetzerin heutzutage ist das Vokabular des Dichters, und sich daran zu bereichern, ist eine wahre Freude – ich hoffe, auch für die LeserInnen der damit angereicherten Übersetzungen. Aber wer würde sich nicht erfreuen an einem solchen Balzritual: „Er umkullerte sie mit dem Zeremoniell eines kalkuttischen Bronzeputers, und hätte er einen Nasenklunker besessen, kein Zweifel: dieser wäre karminrot geworden, hätte in allen Farben eines durchleuchteten Prismas geschillert.“ Die Lauff’schen Helden – und Heldinnen! – kennen eben kein Zaudern. Gehen sie erst ans Werk, dann „mit der Entschlossenheit einer richtig gehenden Standuhr“. Natürlich irren sich gerade diese tatkräftigen Menschen bisweilen, denn die Welt ist schließlich gar so verworren:

„Er dachte: gleich kommt die tigerische Wut über mich – aber sie kam nicht!“

Heutige Dichter würden einen solchen Satz als Aphorismus oder „abgeschlossenen Roman“ veröffentlichen. Bei Joseph Lauff, bei dem solche Perlen nur so aus dem Ärmel purzeln und fast auf jeder Romanseite landen, suchen die irrenden Helden ihr Heil in der Meditation: „Auch der Schulmeister nickte und knackte die vorgeschobene Nuss auf, aber nur in effigie, denn das Knacken rührte von seinen Fingergelenken her, die er kräftig ineinandergeflochten hatte und drückte.“ Zur Beruhigung unbedingt empfohlen!

Mehr über Joseph Lauff in einem längeren Artikel in der soeben erschienen Nr. 16 der Zeitschrift Anachronia.

Die „Lauff-Stube” im Hotel „Brixiade & Triton“, benannt nach Joseph Lauff
Einige der vielen Zeichnungen  von Joseph Lauff in der „Lauff-Stube“

Ein schönes Reiseziel ist das Hotel „Brixiade & Triton“ in Cochem an der Mosel. Dort hat der Dichter gern gezecht, und zur Erinnerung an ihn gibt es dort einen nach ihm benannten Saal, der mit seinen Zeichnungen geschmückt ist, und überhaupt überall im Haus Erinnerungen an den illustren Gast!

Ein Beitrag von Gabriele Haefs zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

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Meine Abenteuer beim Übersetzen, 26: Wenn Verleger gute Ratschläge geben https://www.schwarzaufweiss-internet.de/meine-abenteuer-beim-uebersetzen-26-wenn-verleger-gute-ratschlaege-geben https://www.schwarzaufweiss-internet.de/meine-abenteuer-beim-uebersetzen-26-wenn-verleger-gute-ratschlaege-geben#respond Mon, 27 Jan 2020 21:20:56 +0000 https://www.schwarzaufweiss-internet.de/?p=6118 […]]]> Magdalene Thoresen, 1819–1903, dänisch-norwegische Autorin
Magdalene Thoresen – Wikimedia © By National Library of Norway

Nun habe ich eine Klassikerin übersetzt, Magdalene Thoresen (1819–1903), zu ihrer Zeit eine bekannte Autorin. Bekannter heutzutage ist leider ihr Schwiegersohn, ein gewisser Herr Ibsen, der hemmungslos bei ihr abgeschrieben hat (z.B. die berühmte Schlußszene aus „Nora“, wo Nora türenknallend den Gatten verläßt). Über diese wunderbare Autorin schreibe ich sicher an dieser Stelle demnächst noch mehr, erst mal wollte ich also von Verlegern und deren Erzählungen von Magdalene Thoresen: Signes Geschichte, Der Luknehof, Niels Lochimhaus … CoverRatschlägen erzählen. Genauer gesagt, von einem. Ich fand nämlich antiquarisch eine alte Ausgabe mit drei langen Erzählungen von ihr, 1901 erschienen, wunderschöne Jugendstilausgabe, mit einem Vorwort des Verlegers. So unterschreibt er, ohne Namen, nur mit „Der Verleger“. Er schreibt übers Übersetzen. Da kannte er sich offenbar aus, und das macht neugierig, man lernt ja gern was dazu.

Der Verlag, in dem das Buch erschienen ist, hieß Fr. Wilh. Grunow und war in Leipzig beheimatet. Fr. Wilh., nicht schwer zu entschlüsselnde Abkürzung, doch der Verleger Friedrich Wilhelm Grunow starb bereits 1871. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben wir es hier mit seinem Sohn und Nachfolger Johannes Grunow (1845–1906) zu tun (wir sollten ihn nicht verachten, er hat neben Magdalene Thoresen auch Paul Göhre verlegt!). Und Johannes schreibt folgendes (hier zur Gänze wiedergegeben):
Erzählungen von Magdalene Thoresen: Signes Geschichte u.a., Vorwort„Indem ich hiermit den zweiten Band Erzählungen von Frau Magdalene Thoresen herausgebe, erlaube ich mir ein paar Bemerkungen über das Übersetzen überhaupt. Man huldigt verschiedenen Prinzipien: manche Übersetzer halten es für falsch, sich ängstlich an das Original zu halten, und sie bieten dann eine freie ,Nachdichtung‘. Das mag gewöhnlicher Romanware gegenüber erlaubt erscheinen, und bei solcher ist es gleichgiltig, wie es gemacht wird. Etwas andres aber ist es bei Schriften von solchem Wert und solcher Eigentümlichkeit, wie denen der Frau Thoresen. Hier ist es Pflicht des Herausgebers, mit aller Treue und Hingebung zu versuchen, dem Original nahe zu kommen, ganz einerlei, wie schwer das ist, und wieviel Mühe es macht, die Eigentümlichkeit der oft außerordentlich knappen und nicht leicht verständlichen Ausdrucksweise und der Bilder und Gedanken wiederzugeben. Das ist freilich unbequemer als die ,Nachdichtung‘ andrer Übersetzungen, die der Schwierigkeit der Sache dadurch aus dem Wege geht, daß sie an die Stelle der Kraft und der Schärfe des Originals breite Umschreibungen setzt und die echte Poesie, die über allem liegt, was Frau Thoresen geschrieben hat, in geschmacklose und weichliche Sentimentalität verwandelt. Aber das andre ist das einzig richtige, und man ist es der Verfasserin schuldig. So habe ich es in anderen Übersetzungen angestrebt, die ich verlegt habe, und so habe ich es mit den Übersetzerinnen auch in diesem Bande versucht. Der Verfasserin hoffen wir zu Dank gearbeitet zu haben. Die Leser aber werden nicht oft den Eindruck haben, daß sie es mit einer Übersetzung zu thun haben.“

Was sagt er eigentlich? Das, was alle wissen, man sollte so nah wie möglich am Original bleiben und sich an den Stil der Autorin halten. Praktische Ratschläge, wie das zu bewerkstelligen ist, gibt er leider nicht – und die lernbegierige Übersetzerin ist so schlau als wie zuvor. Zwei seiner Übersetzerinnen bei diesem Buch hatten offenbar das Streben des Verlegers satt und wollten im Buch nicht namentlich genannt werden. Ich stelle mir vor, wie sie stirnrunzelnd und zornbebend ob der ewigen Einmischungen des Verlegers die Nase voll hatten und sagten: „Mach, was du willst, aber ruinier mir nicht meinen guten Namen“ (eine Situation, die alle ÜbersetzerInnen kennen!).

Nun wollen wir also sehen, was dabei herauskommt, wenn der Verleger dafür sorgt, weichliche Sentimentalität zu vermeiden und die echte Poesie herauszubringen, und schlagen wahllos eine Seite auf. Und lesen, schier ergriffen von so viel echter Poesie:
„Da wandte sich Gudmund von der schweigenden Signe zu dem Pfarrer um, der auch in ratloser Bestürzung stumm dastand. Einen Augenblick sahen sich Vater und Sohn an … wenn sich die Menschen Auge in Auge in festem und tiefem Anschauen gegenüberstehen, da geschieht es, daß die Gemeinschaft der Seelen sich entweder festigt oder löst … durch diesen Blick war der Pfarrer von seinem Sohn gelöst. Gudmund warf sich in den Schlitten und war im nächsten Augenblick verschwunden.“

Rachsüchtig habe ich dann nachgesehen, ob es wirklich ein Pfarrer ist. Denn auf Norwegisch heißt jeder ordinierte Geistliche „prest“, und es ist einer der häufigsten Übersetzungsfehler, das mit „Pfarrer“ zu übersetzen, egal, welches kirchliche Amt der Betreffende ausüben mag, oder auch nicht, aber hier ist es wirklich einer. Und egal, wie weit der kühle, knappe Stil der Frau Thoresen durch des Verlegers Streben verändert wurde – das mit der Gemeinschaft der Seelen ist doch einfach schön!

Ein Beitrag von Gabriele Haefs zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

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Fast ein Märchen – von Christel Hildebrandt https://www.schwarzaufweiss-internet.de/fast-ein-maerchen-von-christel-hildebrandt https://www.schwarzaufweiss-internet.de/fast-ein-maerchen-von-christel-hildebrandt#respond Thu, 19 Dec 2019 11:32:55 +0000 https://www.schwarzaufweiss-internet.de/?p=6102 […]]]> Es war einmal eine Übersetzerin, die erhielt die Information, ein von ihr aus dem Norwegischen übersetztes Buch erhalte einen Preis, einen ganz besonderen Preis, ausgelobt vom Deutschen Ärztinnenverband e.V. für ein Buch, das sich vorbildlich mit dem Thema Gesundheit befasst.

Große Freude, auch noch, als sie las, dass der Preis der Autorin, Gro Dahle, und dem Illustrator, Svein Nyhus, zugedacht war, schließlich sind Angehörige dieses Handwerks ja nicht gewohnt, mit Aufmerksamkeit überschüttet zu werden.

Da jedoch weder Autorin noch Illustrator zur Preisverleihung nach Erfurt reisen konnten, wurde die Übersetzerin vom Verlag dazu eingeladen, sozusagen als Stellvertreterin – auf Anregung der Autorin!

Gesagt, getan, auch wenn es ausgerechnet in der Buchmessenwoche stattfinden sollte, aber schließlich gibt es Züge, die von Frankfurt nach Erfurt fahren, und die Übersetzerin hatte sich schon überlegt, wie sie aus der Pressemitteilung des Verbands oder aus der Laudatio der Autorin zitieren könnte. Darin wurden jeweils die Qualität der Sprache, deren Sensibilität usw. gelobt.

Die Übersetzerin traf die Autorin auf der Messe, und da verkündete diese, dass sie und ihr Mann es äußerst ungerecht fanden, dass die Übersetzerin gar nichts von dem Preis hätte, deshalb hatten sie den Verlag gebeten, ihr doch die Hälfte von dem Preis abzugeben.

Der Preis „Silberne Feder“

Wieder große Freude und gleichzeitig das Grinsen eines kleinen Teufels im Bauch der Übersetzerin: Ja, die Autorin hatte erkannt und bedacht, welchen Anteil eine Übersetzung am Erfolg eines Buches hat …

Es war zwar keine stürmische finstere Nacht und keine Fahrt mit einer schaukelnden Postkutsche, dafür aber eine sich endlos dahinziehende, von Verspätungen gezeichnete Zugfahrt. So gelangten Verlagslektorin und Übersetzerin mit mehr als einer Stunde Verspätung ans Ziel, wo schnell ein Foto geschossen wurde, das der Preisverleihung, weil der Fotograf nach der offiziellen Zeremonie keine Zeit mehr hatte.

v.l.n.r.: Dr. med. Christiane Groß, Juryvorsitzende, Dr. med. Astrid Bühren, Laudatorin, Hon.-Prof. Dr. Maria Linsmann-Dege, die Übersetzerin Christel Hildebrandt, Andrea Naasan, Lektorin im NordSüd-Verlag – Foto © Carsten Fromm

Dann ging es zur echten Preisverleihung, die Übersetzerin las aus dem Buch „Böse Mann“, erschienen im NordSüd-Verlag, unterstützt von einer Kunsthistorikerin, dann wurden endlich die Preise verteilt.

Denn das war die märchenhafte Überraschung: Der Deutsche Ärztinnenverband hatte beschlossen, zwei Preise zu verteilen, zum einen an Autorin und Illustrator, zum anderen an die Übersetzerin, die somit nicht mehr Stellvertreterin war und zunächst einmal sprachlos und überrascht, nichts da mit ironischer Dankesrede, einfach nur froh und dankbar, dass der Ball, den die Autorin ins Rollen gebracht hatte, so elegant ins Tor geschossen worden war.

Und jetzt darf sie mit Fug und Recht behaupten, den Preis des Deutschen Ärztinnenverbandes, die Silberne Feder, zusammen mit Autorin und Illustrator erhalten zu haben.

Diese Feder hat einen Ehrenplatz bei mir bekommen.

Ein Beitrag von Christel Hildebrandt zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

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Gabriele Haefs: Ich schreibe über Weihnachtsbrauchtum https://www.schwarzaufweiss-internet.de/gabriele-haefs-ich-schreibe-ueber-weihnachtsbrauchtum https://www.schwarzaufweiss-internet.de/gabriele-haefs-ich-schreibe-ueber-weihnachtsbrauchtum#respond Sat, 14 Dec 2019 12:28:04 +0000 https://www.schwarzaufweiss-internet.de/?p=6080 […]]]> Und nicht über irgendwelches, sondern über norwegisches. Eigentlich ist das für ein Buch bestimmt, das erst im nächsten Jahr erscheinen wird (darüber dann später mehr). Aber ich habe schon eine Kurzfassung meines Brauchtumstextes in „111 Gründe, Norwegen zu lieben“ veröffentlicht, und seither sind meine Forschungen weitergediehen. Hier also eine Mittelfassung mit den neuesten Entwicklungen. In Norwegen wird bekanntlich zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ ein stimmungsvolles Weihnachtslied gesungen. Später im norwegischen Text verzehrt dann der Hauswichtel seinen Weihnachtsbrei. Das ist wichtig, der Wichtel muss seinen Brei bekommen, will man nicht das Unglück geradezu heraufbeschwören. Die eigentlichen Weihnachtsfeiern – Geschenkeauspacken, Polonaise um den Weihnachtsbaum, Festmahl mit Weihnachtsbier – können erst danach beginnen.

Man sieht es dem Cover nicht an, aber in diesem Buch wird die Lage der Wichtel als neues ländliches Proletariat untersucht! – Foto: © Ena Forlag

Eigentlich haust der Wichtel in der Scheune, wo ihm dann auch der Brei hingestellt wird. Da auch in Norwegen ein Großteil der Bevölkerung scheunenlos in der Stadt wohnt, ist natürlich die Frage: Sind die Wichtel im Zuge der Landflucht mit in die Stadt gewandert, oder gibt es auf den verbleibenden Höfen ganze Wichtelscharen, die sich um den Brei schlagen müssen? Der Dichter Tor Åge Bringsværd hat eine weitere Theorie aufgestellt: Er schildert völlig erschöpfte Wichtel, die gar nicht mehr nachkommen, da in so schnellem Tempo Höfe zusammengelegt oder aufgelassen werden, und die als eine Art neues Landproletariat durch die Lande streifen und Tagelohn suchen. Aber das nur nebenbei, das ist kein erbauliches Weihnachtsthema.

Da also der Umfang der mutmaßlichen Wichtelpopulation in den Städten unbekannt ist, geht man auf Nummer sicher und der Wichtel bekommt seinen Weihnachtsbrei. Selbst gestandene Naturwissenschaftler, die das ganze Jahr hindurch über jede Art von Aberglauben erhaben sind, folgen diesem Brauch. Denn das, so beteuern sie auf die Fragen der erstaunten Gäste aus dem Ausland, sei ja gar kein Aberglaube, sondern Tatsache. Der Wichtel wartet auf seinen Brei, und man weiß nicht, was passiert, wenn er ihn nicht bekommt.

Es muss nicht immer Bier sein, ein wahrer Weihnachtswichtel nimmt auch Aquavit! – Illustration: Karl Uchermann

Ein Problem, dem sich offenbar noch niemand so richtig gewidmet hatte, tauchte in Anfragen an die norwegische Botschaft in Berlin auf. Beim urbanen Lebensstil, wo alles so schnell gehen muss, haben da wirklich alle Familien Zeit, für den Wichtel den vorschriftsgemäßen Brei zu kochen? Und wenn sie z.B. in einem Reihenhaus oder einem Block wohnen, wohin stellen sie den Brei, der ja in die Scheune gehört? Da diese Frage in Norwegen total unerforscht war, musste sich ein dazu abkommandierter Botschaftsrat eine Antwort ausdenken. Weihnachtsbrei, Weihnachtsbier, es geht um das Festmuster und ein Fall von Requisitenverschiebung macht sich in der Brauchtumsbeschreibung immer gut, muss er gedacht haben, und so lautete dann die Antwort: Nein, oft reicht die Zeit nicht zum Breikochen, so wenig, wie zum Brauen des althergebrachten Weihnachtsbieres. Deshalb wird der Familienvater ausgesandt, um für den Hauswichtel einen Sixpack Pils zu erstehen. Der Sixpack wird in die Garage gestellt und kann dort vom Wichtel abgeholt oder an Ort und Stelle konsumiert werden.

Was der Wichtel übriglässt, darf der Hausvater dann am nächsten Morgen austrinken.

Ein schöner, zeitgemäßer Brauch, finden Sie nicht? Diese Beschreibung geistert seit zwei Jahren durch die deutschsprachige Presse und wird damit langsam zur modernen Wandersage, aber, leider, glauben Sie kein Wort, es ist alles erfunden. Der wahre norwegische Wichtel bekommt zu Weihnachten Brei oder gar nichts!

Denn wenn er etwas anderes bekommt, geht es immer schief. Das berichtet ein in Norwegen in vielen Varianten verbreitetes Märchen:

Es war einmal ein Hofwichtel, mit dem die Bauersleute sehr zufrieden waren. Der Wichtel hütete die Tiere, vor allem die Pferde wurden vorbildlich versorgt. Wenn der Bauer mit der Arbeit fertig war, brauchte er sich nie mehr um die Pferde zu kümmern – das erledigte ja der Wichtel.

Der Bauer und die Bäuerin schätzten ihren hilfsbereiten Wichtel natürlich sehr und wollten ihm das auch zeigen. An Festtagen stellten sie ihm immer den feinsten Sahnebrei in die Scheune, und zu Heiligabend gab die Bäuerin einen ganz besonders dicken Klecks Butter hinein, so dass der Weihnachtsbrei richtig lecker und fett wurde.

Doch als sich das Weihnachtsfest wieder näherte, kamen Bauer und Bäuerin auf die Idee, dem Wichtel ein ganz besonderes Geschenk zu machen, weil er immer so tüchtig und hilfsbereit war. Die Bäuerin nähte ihm deshalb eine Hose aus allerfeinstem Leder und legte sie abends in der Scheune neben die Breischale.

Am Weihnachtsmorgen wütete ein Schneesturm, aber die Bauersleute fuhren trotzdem zur Kirche, wie der Brauch es verlangte. Bei ihrer Rückkehr spannten sie die Pferde auf dem Hofplatz aus, liefen dann aber eilig ins Trockene – der Wichtel würde schließlich den Rest erledigen

Als der Bauer nachmittags auf den Hofplatz trat, sah er zu seinem Schrecken, dass die Pferde noch immer nass und verfroren dort standen. Rasch brachte er sie in den Stall, nahm ihnen das Zaumzeug ab, rubbelte sie mit Stroh trocken, gab ihnen Futter und Wasser. Danach kletterte er zu dem Wichtel auf den Heuboden und verfluchte ihn auf ganz unweihnachtliche Weise, weil der Wichtel seine Arbeit nicht getan hatte. „Aber das konnte ich doch nicht“, verteidigte sich der Wichtel, „bei dem schrecklichen Schneesturm konnte ich nicht rausgehen. Dann wäre doch die feine Lederhose nassgeworden!“

Geschichtensammlung von der Übersetzerin aus dem Norwegischen Gabriele Haefs

 

 

 

 

„Nordlicht, Elch und Tannengrün“ enthält eine Version der Wichtellederhosengeschichte

Ein Beitrag von Gabriele Haefs zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

 

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Eimar O’Duffy: King Goshawk und die Vögel, Kröner 2019 – Rezension https://www.schwarzaufweiss-internet.de/eimar-oduffy-king-goshawk-und-die-voegel-kroener-2019-rezension https://www.schwarzaufweiss-internet.de/eimar-oduffy-king-goshawk-und-die-voegel-kroener-2019-rezension#respond Tue, 12 Nov 2019 18:45:11 +0000 https://www.schwarzaufweiss-internet.de/?p=6044 […]]]> Ich erfuhr, dass Gabriele Haefs vor gut zwei Jahren über Eimar O’Duffy und seine sich anbahnende Wiederentdeckung in einer irischen Zeitschrift las und darüber den Kröner Verlag informierte. Denn der Verlag hatte zuvor bereits zwei von Gabriele übersetzte Bücher von Michael Ó Cadhain in seiner Reihe „Moderne Klassiker bei Kröner“ veröffentlicht. Über „Grabgeflüster“ gibt es auf diesem Blog zu lesen, nicht jedoch über „Der Schlüssel“.

Im Oktober wurde ich mit dem frisch erschienenen Roman „King Goshawk und die Vögel“ überrascht, erhielt ihn von der Verlagslektorin Dr. Julia Aparicio Vogl im Auftrag von Gabriele mit dem Zusatz: „Über eine Besprechung würden wir uns freuen.“

Als Leseratte hatte ich natürlich noch ein anderes recht dickes Buch vor der Nase, war aber gleich wegen des Titels, der liebevollen Aufmachung und der interessanten Autorenbeschreibung voller Vorfreude auf die neue Lektüre: „Eimar Ultan O’Duffy (1893–1935) wurde in Dublin geboren und studierte in Dublin und Lancashire. Zunächst Mitstreiter, dann Kritiker der irischen Unabhängigkeitsbewegung, torpedierte er die Pläne für den Osteraufstand von 1916. 1925 ging O’Duffy nach England. Als Mann zwischen den Stühlen starb er 1935 in einem Vorort von London. Bezeichnet wird er als Missing Link zwischen Jonathan Swift (Gullivers Reisen) und Flann O’Brien (Auf Schwimmen-zwei-Vögel).“

Gabriele Haefs hat das Buch aus dem Englischen übersetzt und darüber hinaus zum Text einen segensreichen ausführlichen Anmerkungsapparat geschrieben! – Erstmals erschien „King Goshawk and the Birds“ 1926 bei Macmillan Company in London.

Die Geschichte zog mich sogleich auf ihren ersten Seiten in ihren Bann. Sie ist mitreißend und brachte mich mit ihren satirischen Überzeichnungen oft zum Lachen. – Andererseits stimmt sie sehr nachdenklich:
Es entstand vor meinem inneren Auge zunächst eine märchenhafte Welt, in der ein von einem Philosophen wiederbelebter Held der irischen Mythologie gegen den Tyrannen King Goshawk vorgehen soll, um den Menschen, die – wenn nicht herrschend, Staatsdiener oder Fabrikbesitzer – in der Mehrzahl ausgebeutet, angepasst und schweigend hinnehmend sind, das kostenlose Vergnügen an Vogelgesang wiederzubeschaffen. Um diesen Plot rankt sich in poetisch überspitzter Erzählweise eine wilde Abfolge von Begegnungen, Gesprächen, Kämpfen und Erkenntnissen …

In meinem Kopf ging es rund: Ist es doch ein Science Fiction, den ich lese? Nein, es ist als ob ich eine satirische Gegenwartsbeschreibung von Politik und Wirtschaft vor mir habe. Au weia, der Roman ist doch beinahe 100 Jahre alt. Leben wir immer noch in der Vergangenheit? Nein, wir erleben in einer globalisierten Welt eine nur technisch überholte Fortsetzung der alten Wirtschaftsstrukturen, wo über Privatisierung von Wasser und Patentierung von Pflanzen die Rede ist. Also, schon deshalb ist dieser köstliche Roman brandaktuell!

Ich bin begeistert von Eimar O’Duffy, diesem brillanten Denker und Geschichtenerzähler! Mehr zum Autor und zum Buch im Kröner Verlag.

Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, Evelyn Kuttig

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