Stolpersteine in Lüneburg – Broschüre gestaltet und Nuss geknackt

Ich lese die Lüneburger Landeszeitung gelegentlich, und zwar den Aushang am Sande oder wenn ich mir unterwegs eine Pause gönne und sie ausgelegt ist oder in Wartezimmern oder im Internet. Dieser LZ-Artikel  – „Über die Geschichte stolpern“ – vom 13. Oktober 2017 erreichte mich per Google, sonst wäre er mir entgangen.

In Lüneburg wurden die ersten Stolpersteine 2005 verlegt, 2014 die letzten von mittlerweile 47 Steinen. Anlass des Artikels war die im Mai von der Geschichtswerkstatt Lüneburg herausgegebene und von mir gestaltete Broschüre „Stolpersteine in Lüneburg – Gegen das Vergessen“. Nun will ich hier über den flotten Herstellungsprozess erzählen, an dem nach der Übergabe des Manuskripts von der Autorin Käte Gudemann an mich zwecks grafischer Gestaltung viele mit großem Engagement und Fingerspitzengefühl mitgewirkt haben, damit diese inhaltlich und optisch zum Lesen anregende Broschüre über die Schicksale jüdischer Familien, Euthanasie-Opfer und politisch Verfolgter aus Lüneburg während des Holocaust pünktlich gedruckt auf dem Tisch lag.

Landeszeitung Lüneburg, 13.10.2017, Foto: lz/ca – vlnr.: Käte Gudemann und Maren Hansen

Uns stand nur eine kurze Produktionszeit von knapp sechs Wochen (Ende März bis Anfang Mai) zur Verfügung, weil der Drucktermin von öffentlichen Veranstaltungen im Glockenhaus und in der Volskhochschule anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Geschichtswerkstatt im Mai 2017, Herausgeberin der Broschüre, diktiert war. Deshalb herrschte schon einige Aufregung. Und der Wunsch war ein A5-Querformat – ein völlig neues Konzept –, denn bis dahin waren alle Publikationen im A5-Hochformat erschienen.

Ich ging mit Leidenschaft und Herzblut an die Arbeit … Schritt für Schritt nahmen wir im regen Austausch alle Hürden bis hin zu einem den Beweggründen gebührenden ansehnlichen Ergebnis.

Konzept – Gestaltung – Herstellung

Wie kann ich ein schlüssiges und ästhetisches Konzept entwickeln, in dem unterschiedliche Kapitellängen (1, 2 oder 3 Seiten) mit dem Bildmaterial und dem gewünschten Querformat in Übereinstimmung zu bringen sind? – Das war schon eine Nuss, die es zu knacken galt. – Dazu diente mir zunächst die Inhaltsübersicht des Manuskripts. Hier erwies sich an manchen Stellen eine Änderung der Reihenfolge als sinnvoll, ebenso einige Kürzungen mittels typografischer Verfeinerung.

Im nächsten Schritt wählte ich aus über 70 Bildern in den Formaten jpg, tif und pdf  58 Abbildungen aus und bearbeitete sie, prüfte auch die Urheberrechte. – Eine der Abbildungen wurde auf meinen Vorschlag hin kurz vor dem Drucktermin ausgetauscht, wozu Maren wie ein rasender Reporter gleich abends in der Stadt ein Foto in der Großen Bäckerstraße schoss.

Danach machte ich mich nach Absprache mit Käte an die redaktionelle Überarbeitung. Meine Vorschläge wurden mit Käte und Karl-A. Hellmann abgestimmt. – Damit entstand die Grundlage für die Strukturierung des Layouts. Die Inspiration zur Farbgestaltung gab mir das Messing der Stolpersteine. Schließlich richtete ich mein Augenmerk auf den Feinschliff der Broschüre, die anschaulichen Details, die durch den Text führen, wie Überschriften, Textumbruch, Bildunterschriften und messingfarbene Hervorhebungen. – Ich knacke mit Begeisterung solche Nüsse, weil ich sehr gerne um die Ecke denke!

Zum guten Schluss lieferte die Druckerei Wulf pünktlich ein hochwertig gedrucktes, sehr gelungenes Erzeugnis.

Umschlag hinten
Umschlag vorn

Erhard Poßin und ich haben das von der Bürgerstiftung Hansestadt Lüneburg und der Sparkassenstiftung Lüneburg gesponserte Budget für die Broschüre mit unberechneter Arbeitszeit bezuschusst. Erhard spendete die Gestaltung der Übersichtskarte, und mein Anteil waren die redaktionelle Überarbeitung und die Recherchen zu den Urheberrechten.

Die wertschätzende Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich wirkenden Mitgliedern der Geschichtswerkstatt Käte Gudemann (Autorin), Maren Hansen (Erste Vorsitzende) und Karl-A. Hellmann (Korrektorat und Redaktion), meinem Kollegen Erhard Poßin (Grafiker und Illustrator) und Barbara Priwall von der Druckerei Wulf hat beim Hürdenmeistern viel Freude gemacht. – Auf den gut besuchten feierlichen Veranstaltungen im Glockenhaus und in der Volkshochschule erhielt auch die Broschüre viel Anerkennung und etliche wurden gekauft.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn dieser Beitrag Sie anregen würde, unbedingt eines Ihrer Projekte mit mir zusammen verwirklichen zu wollen! Über diesen Link erreichen Sie meine Kontaktdaten. Und hier erfahren Sie mehr über mich und meine Erfahrungen.

Die Geschichtswerkstatt Lüneburg bietet „Stolpersteine in Lüneburg – Gegen das Vergessen“ zum Verkauf für 6 EUR an.

Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, SCHWARZaufweiss Evelyn Kuttig

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:

9 Gedanken zu „Stolpersteine in Lüneburg – Broschüre gestaltet und Nuss geknackt

    1. Danke, lieber Nasser! Du bist für mich ein Meister der beruflichen Vielseitigkeit in Führungspositionen. Deine Anerkennung aus berufenem Munde, einem Diplomaten par excellence, bereitet mir ganz besondere Freude.

    1. Liebe Maren, Du schreibst „deine Broschüre“. Klar, im Herstellungsprozess identifiziere ich mich mit der gestellten Aufgabe 🙂 Wegen der gebotenen Eile lief es einfach super und perfekt, und wir fanden gemeinsam für alle aufgetauchten Fragen Lösungen! – Für dieses Projekt, das dem ehrenden Gedenken an Menschen und dem Erinnern des ihnen zugefügten Unrechts gilt, habe ich gerne „Überstunden“ geleistet, weil Euer Etat ja begrenzt ist.

  1. Liebe Evy,
    ich durfte durch kleine Gespräche mit Dir immer wieder einmal kurz in dieses Projekt hineinlauschen.
    Stolpersteine – ein überaus wichtiges Thema, besonders in dieser unserer Zeit!
    Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wo kann man denn die Broschüre käuflich erwerben? Ist das überhaupt möglich? Ich hoffe schon, da dieses Projekt bestimmt als Pilotprojekt für andere Städte dienen kann.
    Schön, dass Du uns über Deine Arbeit so interessant berichtest.

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