Buchmarketing für Kleinstverlage: Social Media und Lesungen – von Karin Braun

Für Kleinstverlage und unbekannte AutorInnen ist der Absatz der Bücher, das Erreichen von LeserInnen, in der Regel das größte Problem. Ausgefeilte Profi-Werbekampagnen kosten sehr viel Geld und rechnen sich nicht bei kleineren Auflagen. Was bleibt also? Die sozialen Netzwerke, RezensentInnen und Lesungen. Zur Durchführung einer besonders wirksamen Autorenlesung findet ihr hier eine Anregung.

Social Media

Die Werbung über die sozialen Netzwerke ist zwar nicht besonders teuer, dafür aber unglaublich arbeitsintensiv. Viele AutorInnen klagen darüber, allzu viel Zeit bei Facebook, Twitter und Google+ verbringen zu müssen, um das Interesse an ihren Werken zu wecken und wach zu halten. Ihnen fehlt dann ebendiese dringend benötigte Zeit, um neue Bücher zu schreiben.

Als nächstes wären da RezensentInnen. Die passenden Kontakte lassen sich eher langsam aufbauen. Literaturblogs gibt es en masse, doch muss mensch schon einiges an Zeit investieren, um die richtigen Blogs zu finden. Es bringt ja nur wenig, jemand das Rezensions-Exemplar eines Fantasieromans zu schicken, wenn der Betreiber oder die Betreiberjn des Blogs nur Krimis bespricht. Allerdings lohnt es sich, Zeit und Mühe in den Aufbau einer Liste mit interessierten RezensentInnen zu investieren.

Lesungen

Für unbekannte AutorInnen sind Lesungen ein sehr guter Weg, um sich einen Leserkreis zu erschließen. Der Vorteil ist, dass das Publikum sowohl einen Eindruck von dem Autor oder der Autorin bekommt als auch einen Eindruck vom Inhalt des Buches und dieses sogleich vor Ort erwerben kann.

Der Einsatz für diese Werbemaßnahme: Zeit für die Lesung und die Werbung in den sozialen Netzwerken und anderswo sowie Kosten für die An- und Abreise. Ein Buch in Verbindung mit einer Veranstaltung zu bewerben, ist in der Regel kostenfrei. Jede Stadt hat ihre Veranstaltungsmagazine und auch die ansässige Tageszeitung hat einen Veranstaltungskalender. Alternative Veranstaltungszentren, Lokale und Lesekreise lassen sich bezüglich der Räumlichkeit ansprechen und bewerben in der Regel ihrerseits die Veranstaltungen.

SessionFitzgeraldAls Beispiel, warum Lesungen LiteratInnen zur öffentlichen Wahrnehmung und damit zum Erfolg verhelfen, sei hier die für den irischen Autor Mick Fitzgerald kreierte Form vorgestellt. In seiner Heimat Irland ist er relativ gut bekannt. Allerdings eher als Schauspieler und Musiker, obwohl er schon sehr lange schreibt. 2010 erschien in Deutschland seine Kurzgeschichtensammlung „Session“ (Songdog Verlag, Wien). Damit das Buch zur Kenntnis genommen wird, hatten Mr. Fitzgerald und seine Hamburger Übersetzerin, Gabriele Haefs, eine wunderbare Idee: sie kombinierten Geschichten und Musik. Mick Fitzgerald ist des Deutschen nicht mächtig, also liest Gabriele Haefs einige der Geschichten, erklärt sprachliche Eigenheiten, gibt Hintergrundinformationen zum Leben in Irland und übersetzt die amüsanten Zwischenmoderationen, die Mick zu seinen Songs, die er ebenfalls selber schreibt, macht. Dieses Konzept hat ihm mittlerweile eine recht ansehnliche Leserschaft in Deutschland verschafft.

Lesungen sind also eine wichtige Komponente in Sachen Buchmarketing. Wenn dazu noch, in adäquatem Maß, die Pflege der sozialen Netzwerke und einige wohlwollende RezensentInnen kommen, ist schon mal ein großer Schritt getan. Sicher ist dies keine Methode für den schnellen Erfolg, und schnelle Erfolge haben sich oft genug als Pyrrhussiege erwiesen. Deshalb ist es sehr viel besser, mit einem Quäntchen Geduld auf Nachhaltigkeit zu setzen.

SESSION Irish Stories von Mick Fitzgerald (Autor, Schauspieler und Musiker)  gibt es seit 2010 in englischer und deutscher Sprache beim Wiener Songdog Verlag.
Text und Abbildung: Karin Braun

Ein Gastbeitrag zum Thema „Buchherstellung“. Evelyn Kuttig

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Ein Gedanke zu „Buchmarketing für Kleinstverlage: Social Media und Lesungen – von Karin Braun

  1. Gabriele Haefs hat dem viel zu früh am 16. Mai 2016 verstorbenen Mick Fitzgerald im Magazin „Folker“ ein schönes Denkmal errichtet. Beinahe hätte ich diesen liebenswerten Menschen in Hamburg auf einer Veranstaltung persönlich kennenlernen dürfen. Ich bedaure sehr, dass es nicht mehr dazu kam.

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