Erster Entwurf von Melanie Groger, wie Eichhörnchen Mira aussehen könnte
Teil 2: Eine neue Heimat, eine neue Geschichte und ein weiteres Stipendium
Abschied von Heidelberg
Tja, aber da hatten wir bereits den nächsten Umzug hinter uns, von Heidelberg aus in die Südpfalz, in ein halb fertig renoviertes altes Sandsteinhaus, für das die ganze Familie zusammengelegt hatte. Damit wir keine horrende Miete mehr in Heidelberg bezahlen mussten, mein Mann mehr Platz für seine Arbeit und die Ex-Expats endlich wieder ein beständigeres Dach über dem Kopf hatten. Noch in Heidelberg, erschöpft vom Packen auf der Bettkante sitzend, fiel mir aber urplötzlich ein anderes Schreibprojekt ein. Eine Kindergeschichte, die ihren Ursprung an meinem Geburtstag 2018 nahm, als wir ausgelassen alle zusammen unsere Fantasie spielen ließen. Ich nahm davon mit, dass sich die Geschichte ‚irgendwie‘ um meine tierischen Begleiter im harten Stadtalltag drehen sollte. Um die Eichhörnchen in den Bäumen überall, die Tauben, die Hunde, die einen hohen Status genießen in New York, und was mir sonst noch so einfallen würde. 2021, im Angesicht des neuerlichen Umzugschaos, wurde mir sehr bewusst, noch kein einziges Wort dazu geschrieben zu haben, und im selben Moment brauchte ich dringend Papier und Stift, und los ging’s. Als auf dem Zettel genug stand, um das gute Gefühl zu haben, dass es nun kein Zurück mehr gab, kam er gefaltet in die Tasche und die Südpfalz konnte kommen.
Ankommen in der Südpfalz
In dem kleinen ‚Bergdorf‘ angekommen, mit Notbeleuchtung und den meisten Dingen unter Plastikplanen, stand aber zumindest der Schreibtisch schon. Da viele unserer Bekannten noch nicht einmal wussten, dass wir schon wieder umgezogen waren bzw. wohin, hatte ich einen stillen Winter am neuen Ort. Der auch erst noch erobert werden wollte, aber das hatte doch sicher Zeit bis zum Frühjahr … So saß ich da also und freute mich über meine langsam anwachsende Eichhörnchen-Geschichte. Für die ich schon auch einmal nachts aufstand, wenn ich endlich wusste, wie sie weitergehen könnte. Und so allmählich kam auch die Welt wieder zu uns und wir im Dorf an, das tatsächlich nur etwas mehr als 500 Einwohner hat.
Weiter geht’s mit dem Künstlerinnen-Buch
Während dieser Zeit unterstützte mich das Neustart-Kultur-Stipendium der VG Wort – für das ich sehr dankbar war, denn ich konnte nun während der besten Arbeitszeit an meinen beiden Schreibprojekten sitzen. Normalerweise gehört diese Zeit den verschiedenen bezahlten Schreibjobs. Die indirekt auch nützlich sein können für die weitere Professionalisierung, aber ehrlich gesagt auch ziemlich die Kreativität für eigene Projekte abblocken. Und dankbar bin ich auch heute noch für den Hinweis auf diese Projektförderung von Melanie Groger, mit der ich schon viele Jahre kreativ verbunden bin.
Neben der reinen Schreibzeit erforderte das Buchprojekt vor allem viel Recherche – und auch Leseaufwand. Und die zumeist englischsprachigen Originalveröffentlichungen lasen sich – auch nach den beiden Jahren in New York – immer noch langsamer als deutsche Fachbücher. Nachdem ich viel über die Schreibroutine bei anderen Autor*innen gelesen hatte, konnte ich mich im Jahr 2022 dazu bringen, jeden Tag etwas an meinem Buchprojekt zu arbeiten – egal wie viel oder wenig, ob schreiben, ob recherchieren oder nachdenken. Die Seiten begannen sich endlich zu füllen.
Für jedes Kapitel galt es, diesen einen Moment zu überwinden, an dem noch unklar war, welche die wesentliche Aussage sein sollte, und ob die dann gefundene auch relevant für die Leser*innen sein könnte. Dafür musste ich mir selbst eingestehen, wo ich Zweifel hatte oder es zu einer veränderten Sichtweise kam, wo es Abneigung gab, oder vielleicht auch zu blinde Verehrung. Und immer dann, wenn ich mit mir ins Reine kam, funktionierte auch das Schreiben am entsprechenden Kapitel wieder und die Dinge fügten sich.
Dieses Manuskriptstadium bekam dann auch meine langjährige BücherFrauen-Kollegin Maren Giering-Desler zu lesen, die schon viele meiner Selfpublishing-Bücher lektoriert hatte. Wie immer legte sie gekonnt die Finger in alle Wunden und machte hilfreiche Vorschläge zur Verbesserung.
Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

