Zeichnung von Stephanie Hanel aus dem Künstlerinnen-Buch, die eine Skulptur von Simone Leigh auf der High Line in Manhattan zeigt
Teil 3: Das Buch nimmt Gestalt an – Fotos, Zeichenstift und eine kleine Eule
Collage
Und warum erschienen die „Künstlerinnen in New York“ dann erst im August 2023?
Nun, nachdem ich meine erste Version beim Verlag abgegeben hatte, ging ich erst einmal meiner Idee nach, Fotocollagen für die Buchinnenseiten zu erstellen, und suchte in meinem Archiv nach geeigneten Fotos dafür. Und weil ich keine Grafikerin bin, behalf ich mich kurzerhand damit, die Fotos als s/w-Kopien auszudrucken, und fing damit an zu puzzeln. Zum einen sollten wichtige Stationen aus dem Buch vorkommen, zum anderen das Ganze aber auch eine eigene Aussage erhalten. Letztlich ließ ich auch ein paar Fotos zu, die nicht direkt mit dem Inhalt des Buches zu tun haben, aber die Stimmung transportieren sollten. Als ich zufrieden mit dem Ergebnis war, ging es noch für circa einen Monat an die Zeichnungen.
Zuvor hatten Verlegerin Britta Jürgs und ich schon entschieden, dass es zu knapp fürs Frühjahrsprogramm wird. Darüber war ich eigentlich auch gar nicht unglücklich, da ich rein aus Entfernungsgründen lieber zur Frankfurter als zur Leipziger Buchmesse fahre – und bei der ersten Präsentation des Buches wollte ich natürlich dabei sein!
Illustration
Das Zeichnen – für jedes Kapitel eine Abbildung – war ganz ehrlich die größte Freude bei dieser Buchproduktion. Zeit, sich in diese Welt der Linien zu versenken, ist noch kostbarer und seltener als Schreibzeit und vor allem so unglaublich befriedigend, wenn die Linien dann sitzen. Das funktionierte manchmal schon beim ersten oder zweiten Entwurf, meistens aber gingen doch mehrere Blätter Papier dabei drauf, und ganz ab und zu konnte ich mich auch zwischen verschiedenen Bildmotiven, die ich probierte, nicht entscheiden. Die Stunden flogen mir um die Ohren, trotzdem war ich überglücklich, weil sich etwas Optisches manifestierte, das noch einmal die Essenz dessen deutlich machen sollte, womit ich mich in Worten und Gedanken schon so lange beschäftigt hatte. Als es geschafft war, und ich auf meine Zeichnungen sah, bemerkte ich, dass sie manches auch wieder leichter und schwebender und damit fantasieoffener werden ließen. Allmählich konnte ich loslassen …
Eine Jana-Eule
Im Januar 2023 starb Jana Stahl. Der Krebs, der meine liebe Kollegin und Freundin befallen hatte und zunächst erfolgreich bekämpft werden konnte, war wiedergekommen, und diesmal gab es keine Rettung mehr. Eine kleine Eule – ihr Lieblingstier – erinnert im Künstlerinnenbuch an sie und ich war so fassungslos wie alle, die Jana gekannt haben, dass ihr Leben so früh enden musste. Auch hier half das Buch, denn es verband mich auf seine Art mit ihr und ihrer geliebten Buchbranche.
Quellenverzeichnis
Beim Buchprojekt kam nun die Kleinarbeit an die Reihe. Das Durchforsten der Sätze und das Nachbeleuchten, ob nicht doch noch das eine oder andere ergänzt werden sollte. Britta Jürgs wurde zur fachkundigen Lektorin, die noch Querbezüge herstellte zu bereits gewesenen deutschen Ausstellungen und vieles mehr. Und ich machte mich parallel endlich daran, ein Quellenverzeichnis zu erarbeiten. Kontrollierte, was aktuell von den erwähnten Filmbeiträgen noch abrufbar ist und ob es vielleicht in letzter Zeit noch neue Veröffentlichungen zu einzelnen Künstlerinnen gegeben hat, die wir zur weiterführenden Lektüre mit angeben wollen. Die Idee war, das Quellenverzeichnis nicht nur für die notwendige Dokumentation zu haben, sondern auch für Neugierige zum Weiterstöbern.
Buchgestaltung und Cover
Die ‚Kür‘ mit der Festlegung des Schrifttyps und der Buchausstattung war dann auch noch einmal ein wunderbarer Moment für mich. Herstellerin Kerstin Weber machte auf Anhieb einen für mich so perfekten Wurf mit Auswahl und Gestaltung, dass ich mich absolut verstanden fühlte. Wie schön, wenn man einfach „ja“ sagen kann, und: „Sieht großartig aus“! Und das Cover? Das war tatsächlich schon viel früher fertig und entstand auf Grundlage einer Fotografie meines Mannes Richard Zinken, der mindestens so ein großer Fan des darauf abgebildeten „Fearless Girls“ ist wie ich und so auch ein Teil des Buchteams wurde.
Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

