Kurzgeschichten – die Stiefkinder im Verlagsgeschäft? – von Karin Braun

Als wir vor drei Jahren die Edition Narrenflug gründeten, machten wir uns natürlich Gedanken über die Art von Büchern, die wir verlegen wollten. Ganz schnell waren wir uns einig, dass es eine bunte Mischung werden sollte. Wir wollten uns nicht auf ein Genre versteifen und auch nicht auf eine Form, und wir wollten unbedingt Kurzgeschichten dabei haben. Kaum ausgesprochen, dachte ich: Die werden wir doch nie los! Es gab sicher keinen Buchhändler, keine Buchhändlerin in unserem Bekanntenkreis, die nicht darüber klagte, dass Kurzgeschichten „nicht gingen“. Auch befreundete Autoren klagten, dass ihre Verleger immer nur Romane wollten und, wenn sie sich doch erstmal zur Veröffentlichung einer Sammlung Kurzgeschichten breitschlagen ließen, gerne so taten, als würden sie den Autoren und Autorinnen eine Gnade erweisen.

Doch es blieb dabei, wir wollten Kurzgeschichten herausbringen, und gleich unser erstes Buch war eine Anthologie. „Narrenflieger“ hatte kein übergeordnetes Thema, und es kam eine herrlich bunte Mischung zustande, zu der unter anderen Ingvar Ambjørnsen, Mick Fitzgerald, Andreas Niedermann und Sólrún Michelsen Beiträge beisteuerten. Da es gut von den Lesern und Leserinnen aufgenommen wurde, stand außer Frage, dass wir weitermachen würden. Es folgten die „Weibsbilder“, eine Anthologie mit Geschichten von Frauen über Frauen. Auch diese Sammlung fand ihre Leserinnen und Leser. 2014 und 2015 hatten wir also jeweils einen Band Kurzgeschichten im Programm und auch für 2016 war eine Anthologie geplant, die einen besonderen Hintergrund hat.

Vierertreffen, Erzählungen, Hg. von Gabriele Haefs und Karin Braun, Edition Narrenflug 2016Eris von Lethe, Irrsinnige Begegnungen, Erzählungen, Edition Narrenflug 2016Als wir die Autoren und Autorinnen um Geschichten für die nächsten Sammlungen baten, waren immer wunderbare dabei, die zu lang für eine Kurzgeschichte und zu kurz für einen Roman waren. Was macht man nun mit Geschichten, die in kein gängiges Format passen? Richtig, man schafft eines, in dem sie ihren angemessenen Platz finden.
Der Zufall wollte es, dass die Geschichten von Brian McNeill, Christine Cochrane, Micheál Ó Conghaile und Rita Kelly nicht nur von der Länge her, sondern auch sonst besonders gut passten. Also jeweils ein schottischer und ein irischer Autor und eine schottische und irische Autorin. So entstand „Vierertreffen Schottland – Irland“ und erschien kurz vor Weihnachten. Das Erscheinen von „Vierertreffen Schottland – Irland“ war eigentlich früher geplant. Doch manchmal kommt etwas des Weges, das einfach zu verlockend ist, um dem aus dem Wege zu gehen, was auf eine Geschichtensammlung mit dem Titel „Irrsinnige Begegnungen“ im hohen Maße zutrifft. Weder Viktor noch ich sind gut darin, Versuchungen zu widerstehen. Daher erschienen 2016 gleich zwei Bücher mit Kurzgeschichten in der Edition Narrenflug.

In den drei Jahren unserer Tätigkeit hat sich nicht bestätigt, dass sich Kurzgeschichten besser oder schlechter als andere Bücher verkaufen, und warum sollte es auch so sein? Viele meiner Lieblingsautoren und -autorinnen habe ich über Kurzgeschichten entdeckt. Was ist schöner, als unterwegs zu lesen? Oder abends vor dem Einschlafen?

KaBra, Hart an der Kante – 7 Kurzgeschichten und 1 Erzählung, Edition Narrenflug 2017Uns wird es auch weiterhin ein Anliegen sein, diesem Genre Raum und Gehör zu verschaffen. So haben wir denn 2017 würdig mit „Hart an der Kante – 7 Kurzgeschichten & 1 Erzählung“ von KaBra begrüßt.

Text und Abbildungen: Karin Braun

 

Alle genannten Bücher sind nur noch antiquarisch oder bei Amazon erhältlich, weil die Edition Narrenflug Ende 2018 eingestellt wurde.

Ein Gastbeitrag zum Thema „Buchherstellung“, Evelyn Kuttig

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.