Meine Abenteuer mit Büchern, 1: Chinesische Transvestiten

Mein Buch „Chinesische Transvestiten“ ist ja auf dem Foto zu sehen, aber eigentlich ist es nicht „mein“ Buch, es ist das Buch aller Beteiligten. Und doch „meins“, als Herausgeberin, und weil ich auch mitgeschrieben habe. „Irische Stories“, sagt der Untertitel, und jede hat etwas mit Musik zu tun.

Wir hätten gern alle Arten von irischer Musik dabeigehabt, von Schunkelschlagermusik bis zu Stockhausenschülern, aber fündig wurden wir bei der traditionellen. Klar doch, hören wir ja am liebsten, und es sind auch Musiker dabei, Mick Fitzgerald, Andy Irvine, Brian McNeill, um nur die bekanntesten zu nennen. Der prominenteste von allen war jedoch kein Musiker: Pádraig Pearse, einer der Anführer des irischen Osteraufstandes von 1916, Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, für eine ganze Woche Präsident der frisch ausgerufenen Republik Irland, nach Niederschlagung des Aufstands standrechtlich erschossen.

Pearse hat viel geschrieben, das ist bekannt, diese Geschichte aber gehört zu seinen fast vergessenen Werken. Ich fand einen Hinweis darauf im „Journal of Music“, jemand meinte, sie sei so aktuell, und er hatte recht. Die Geschichte handelt von einer alten Sängerin, die zu Fuß quer durch Irland nach Dublin geht, weil bei ihr im Dorf alle nur Dubliner Musik hören wollen, aber sie geht davon aus, daß ihr traditioneller Stil in der großen Stadt Anklang finden wird. Das stimmt, aber trotzdem kommt alles ganz anders.

Die Geschichte von Pearse ist also in unserem Buch, und ich war ganz schön stolz. Zum ersten Mal seit fast 90 Jahren etwas von Pearse ins Deutsche übersetzt, zum ersten Mal aus dem Gälischen. Und dann war ich in Rosmuc in Connemara, wo Pearsens kleine Dichterklause jetzt ein Museum ist. Überreichte stolz mein/unser Buch und erzählte das mit den neunzig Jahren. Und die Museumsleute waren total beeindruckt. Leider nicht wegen Pearse (ich hatte natürlich gehofft, sie wären so hin und weg, daß sie gleich ein Dutzend Exemplare für den Museumskiosk bestellen würden), nein, aus einem ganz anderen Grund, der nichts mit dem Buch zu tun hat. Denn der Museumsleiter hatte gerade eine Sendung über den deutschen Autor Heinrich Becker gehört, und ich konnte ihm was über Becker erzählen. Nie von dem gehört? Lange Geschichte, erzähl ich nächstesmal.

Bücher vom Songdog Verlag können nur dort direkt bestellt werden.

Ein Gastbeitrag zum Thema „Buchherstellung“, Evelyn Kuttig

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