Petitionen für das Bewahren der Honigbiene und einer gesunden Umwelt – mit Hintergrundinformationen

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Gründe, die für eine Beteiligung sprechen:
Mitwirkend gesunde Nahrung ohne hohen Einsatz von Flora und Fauna schädigenden Pestiziden sichern /
Eintreten für den Umwelt-, Natur- und Artenschutz in der Landwirtschaft /
Bewahrung vor Hunger /

Honigbienen-pixabayVorweg: Gleich umweltgerecht aktiv werden

Eine Broschüre mit Nisthilfen für Wildbienen gibt es beim BUND seit 2013 als Download. Sie zeigt einfache und effektive Maßnahmen auf, mit denen wir die Wildbienen vor dem Aussterben bewahren können. Saatgut mit blühenden Wildpflanzen für Balkon und Garten wird ebenfalls angeboten.

Weltweit wird seit Jahren massenweises Bienensterben beobachtet. Es ist nachweislich neben wenigen Kälteperioden hauptsächlich auf den Einsatz bestimmter Chemikalien vor allem in der Landwirtschaft zurückzuführen. Große Chemie-Konzerne (BASF, Monsanto, Syngenta …) produzieren bienengefährdende Pestizide, die als „Pflanzenschutz“ verkauft werden. Darüber hinaus lassen gentechnisch manipulierte Pflanzen Bienen verhungern. Doch platterdings gäbe es ohne Bienen keine Landwirtschaft. – Weil Profit über alles geht, wehren sich die Konzerne mit ihrer Lobbyarbeit gegen Umsatzeinbußen, klagen gegen Verbote und fordern Sonderzulassungen von Pestiziden. Was käme auf uns zu, wenn die Freihandelsabkommen TTIP und Co. an der Öffentlichkeit vorbei durchgewunken werden würden?

Die „Übersicht über Mitglieder der SKLM der DFG, die von möglichen Interessenkonflikten betroffen und/oder an Bundesforschungsinstituten tätig sind“ gab 2008 der Biotech e.V., Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, auf Seite 29 im Kapitel „Bewertung und Empfehlung“ der Broschüre „Schlecht beraten: Gentechnik-Lobbyisten dominieren Expertengremium – Konflikte beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)“ bekannt. Daran hat sich vermutlich bis heute kaum etwas geändert.

„Glyphosat: Auswirkungen auf die Natur“ veröffentlichte im Juni 2013 die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, aktualisierte diesen Beitrag im Juni 2014. Glyphosat kam 1974 auf den Markt und wird weltweit am meisten zur Ertragssteigerung in der Landwirtschaft eingesetzt. Es besteht also auf Herstellerseite ein Interesse, die in etlichen Studien seit den 90er Jahren ermittelten Gesundheitsgefahren herunterzuspielen.

2014 machte sich u.a. die Netzwerk-Expertin Sabine Piarry auf ihrem Blog mit Entsetzen Gedanken zu den in der Entwicklung und Erprobungsphase befindlichen Roboterbienen, eine Reaktion auf das Bienensterben und das Wissen darum, dass die Bestäubung von Pflanzen lebenswichtig ist.

—> Seit März 2015 sammele ich Informationen in dieser etwas unkonventionell geordnetetn Chronologie …

Roundup®, mit hohem Anteil an Glyphosat, wird weltweit unbedarft auch privat genutzt. Der aufrüttelnde Dokumentarfilm „Roundup, der Prozess“ von Marie-Monique Robin über das internationale Monsanto-Tribunal vom Oktober 2016 in Den Haag ist leider aus der Mediathek bei ARTE entfernt worden (17. Januar 2018). Von der ARD wurde er am 17.10.2017 gesendet: „Roter Faden des Dokumentarfilms ist der Prozess vom Oktober 2016 vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag: Beim Monsanto International Tribunal klagte eine Bürgerinitiative den Saatgut-Multi in dessen Abwesenheit auf Ökozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Ergebnis des Prozesses ist ein hieb- und stichfestes Rechtsgutachten, das möglicherweise dazu führen wird, dass ,Ökozid‘ als Tatbestand im internationalen Recht Anerkennung findet.
Vor dem Hintergrund der in der Europäischen Union anstehenden Entscheidung über ein Glyphosat-Verbot geht die Autorin des Films, Marie-Monique Robin, dem Skandal auf den Grund.“

Anke Sparmann trägt in ihrem Beitrag  „Tatort: Wiese – Pestizide und das Ende unserer Insekten“ in der GEO Nr. 03/2017 aufrüttelnde Ergebnisse aus jahrelangen vergleichenden Forschungen von Entomologen und Ökologen über die Wirkweise von Neoniconitoiden, insbesondere dem weltweit meistverkauften Glyphosat. zusammen. Einleitung: „In Gärten und auf Feldern vollzieht sich ein Massensterben: Die Bestäuber verenden, Bienen, Käfer und Schmetterlinge, auf die unsere Nahrungspflanzen angewiesen sind. Als Täter unter schwerem Verdacht: Pestizide namens Neonicotinoide. Warum wurden sie überhaupt zugelassen? Warum sind sie nicht längst verboten? Ein Bericht über die Mühen, Unheil zu verhindern.

AKTUELLE Aktionen und Infos 2019

… Januar 2019 – Volksbegehren in Bayern

Noch bis zum 13. Februar werden in Bayern in den Rathäusern Unterschriften für das Volksbegehren „Artenvielfalt“ gesammelt. Der Trägerkreis dieser Aktion, ödp, LBV und Bündnis 90 die Grünen, wird unterstützt von über 140 Initiativen, Parteien, NGO’s, Firmen usw. Die Website beinhaltet einen Gesetzentwurf zum Herunterladen.
BR24 berichtete am 11. Februar unter der Überschrift „Volksbegehren Artenvielfalt: 900.000 Unterschriften gesammelt“ darüber, dass bis zum 13. Februar knapp eine Million Unterschriften zu sammeln wären, „damit das Volksbegehren erfolgreich ist“. Ich wünsche dem Trägerkreis München unbedingt diesen Erfolg! … Und es ist geschafft, am 12. Februar meldet BR24 den Erfolg, dass mehr als 1 Million sich eingetragen haben!

… Februar 2019 – Reform EU-Zulassungsverfahren für Pestizide

Die EU-Bürgerinitiative mit über einer Million Unterschriften der Petition „Stop Glyphosat“ hat erbracht, dass Studien für Pestizid-Zulassungen zukünftig transparent sein sollen. Die Protestwelle kam im November 2017 ins Rollen (s. unten), „am selben Tag, als die EU-Kommission auch die Verlängerung des umstrittenen Herbizids für weitere fünf Jahre verabschiedete …“, schrieb DER STANDARD am 12. Februar – zum Weiterlesen

Der Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Attac wird am 26. Februar nach jahrelanger Auseinandersetzung vom Bundesfinanzhof die Gemeinnützigkeit aberkannt, was ein breites Medienecho findet. Eine Auswahl vom 28.02.:
LobbyControl – „Attac-Urteil zu Gemeinnützigkeit: Schlechte Nachrichten für die Demokratie“
Süddeutsche – „Was sich die CDU vom Attac-Urteil erhofft“
nämlich genau das: Tagesspiegel – „Staatssekretär stellt Gemeinnützigkeit der Umwelthilfe in Frage“

… März 2019

Da der Umweltausschuss des EU-Parlaments für eine Reform der Subventionen für Landwirte gestimmt hat und nun zweckgebunden jährlich 15 Milliarden Euro für den Naturschutz in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollen, plädiert der NABU: „Jetzt muss der mächtige EU-Agrarausschuss diesen Richtungswechsel bei seiner Abstimmung Anfang April bestätigen und nicht verwässern – dafür braucht die Natur Ihre Stimme!“ Er forderte dazu auf, dass alle EU-BürgerInnen an ihre zuständigen EU-Abgeordneten schreiben sollten, „wofür Ihre 114 Euro ausgegeben werden sollen“, nämlich zum Schutz der Insekten.

Am 18.03. bloggt Campact: „Attac-Urteil trifft jetzt Campact“ … Es folgt der zur Unterschrift auffordernde Appell ”Zivilgesellschaft ist gemeinnützig!“, wo detailliert auf Gemeinnützigkeit eingegangen wird, auch Vergleiche bei der Aberkennung mit China, Russland, Türkei und Ungarn nicht gescheut werden.

Gegen die erneute EU-Zulassung des Pestizids Thiacloprid stellt SumOfUs wieder eine Petition ins Netz, denn Thiacloprid ist nicht nur für Bienen gefährlich, sondern auch für Menschen …“.

Der Bund wünscht sich von der Bundesregierung bis 2021 einen Ausstiegsplan für Glyphosat in Deutschland, und initiiert Gleichdenkende zum Senden der Nachricht unter der Überschrift „Lassen Sie es brummen!“ an die Ministerinnen Klöckner (Landwirtschaft) und Schulze (Umwelt). Begründung: „Das Insektensterben ist dramatisch und geht immer weiter: Laut einer aktuellen Studie verschwinden jedes Jahr zwei Prozent der Insekten weltweit. In 100 Jahren könnten sie ausgestorben sein.“

Die ZEIT berichtet über einen Prozess in San Francisco, in dem die sechs Geschworenen übereinstimmend zum Beschluss kamen, dass Glyphosat Krebs erzeugt. Vermutet wird, dass es zu einer Klagewelle kommen kann, weil nach dem Produkthaftungsrecht in den USA „schon ein Anfangsverdacht genügt, um in den USA gegen ein Unternehmen klagen zu können“.

Hingegen wurde die Zulassung von Glyphosat vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bis zum Jahresende verlängert, obwohl die Bundesregierung den Verzicht auf dieses Herbizid anstrebt, denn ab 2020 sollen strengere Auflagen für den Schutz der Artenvielfalt gelten, so ebenfalls die ZEIT.

… April 2019

Über das  im Januar gestartete Volksbegehren in Bayern unter dem Motto „Rettet die Bienen“ berichtet Spiegel Online am 3. April mit weiterführenden Links: „,Wir nehmen den Text des Volksbegehrens eins zu eins ‘, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Allerdings hätten auch die Initiatoren des Volksbegehrens eingeräumt, dass einige fachliche Fragen ihres Gesetzentwurfs nachgebessert werden könnten. Dies sei rechtlich möglich und werde erfolgen.“

Omnibus für Direkte Demokratie teilt am 15. April 2019, dass „der Gesetzentwurf des Volksbegehrens und das Begleitgesetz … am 8. Mai vom Landtag beraten werden und noch vor der Sommerpause des Landtags verabschiedet werden (sollen)“.

Hingegen berichtet der mit mehreren Petitionen zusammen mit Martin Häusling und Dr. Maximilian Fries sehr aktive EU-Abgeordnete Sven Giegold von den Grünen ebenfalls am 3. April über die Abstimmung im Agrarausschuss der EU: „Fast unbemerkt haben im Agrarausschuss gestern Christdemokraten, Sozialdemokraten & Liberalen die EU-Agrarreform abgenickt. Sie verlängert Artensterben, Tierquälerei und Klimakrise!“ … Am 9. April fügt er an: „Das ist unser Erfolg! Nach unserer Klage beim EuGH veröffentlicht BAYER jetzt alle Glyphosat-Studien. Ein Meilenstein für #Transparenz im Sinne von Umwelt und Gesundheit!

Ein Jahr nach der Fusion von Bayer und Monsanto stimmte auf der Hauptversammlung eine Mehrheit von 55,5 Prozent der Aktionäre gegen und nur 44,5 Prozent für die Entlastung des Vorstands für das Geschäftsjahr 2018. Für die Entlastung des Aufsichtsrats stimmten 66 Prozent, dagegen 33 Prozent und 1 Prozent enthielt sich. Die verlustreichen Glyphosat-Prozesse in den USA hatten zu einem hohen Wertverlust der Aktien geführt.
SumOfUs überreichte passenderweise die über 180.000 Unterschriften umfassende Petition „Bayer-Chef Werner Baumann: Treten Sie zurück!“. Dabei war Paul François, ein französischer Landwirt, der 2004 beim Gebrauch eines Monsanto-Pestizids eine Vergiftung erlitten hatte und sich vor Gericht für eine Entschädigung durchsetzen konnte, wie das Handelsblatt im April berichtete.

Imkermeister Thomas Radetzki startete die Bundestagspetition „Pestizidkontrolle Jetzt!“, die fristgerecht von mehr als 50.000 Menschen unterzeichnet wurde, worüber das Umweltinstitut mit vertiefenden Informationen berichtet.

Die EU-Abgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling brachten die an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gerichtete Campact-Petition „Bienensterben: starken Bienenschutz in der EU durchsetzen!“ auf den Weg. Sie argumentierten, dass „bei Frau Klöckner der Schutz von Profiten einer zerstörerischen Agrarindustrie stets vor dem Schutz Umwelt“ steht. Auch diese Petition wird von sehr vielen unterstützt.

Seit dem 29. April macht „eine neue NABU-Studie die engen Verflechtungen zwischen Agrarpolitik, Agrarwirtschaft und Bauernverband sichtbar. Denn seit Jahren wird in der Landwirtschaft gegen das Gemeinwohl entschieden.“ „Ziel der Studie war es, Transparenz in das enge Beziehungsgeflecht zwischen Agrarpolitik, Agrarwirtschaft und Bauernverband zu bringen. Denn seit Jahren werden Entscheidungen gegen das Gemeinwohl getroffen, bei der Düngeverordnung genauso wie bei der Verteilung der milliardenschweren Agrarsubventionen. Daher muss transparent sein, wo in Parlamenten und Wirtschaft Agrarfunktionäre mitreden und welchen Einfluss sie nehmen können.“
Die beauftragten Wissenschaftler vom Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität Bremen kommen zu dem Schluss, dass „die Verflechtungen des Bauernverbandes mit Politik und Wirtschaft … so eng (sind), dass Umwelt und Natur, Tierwohl, Gewässer- und Klimaschutz bei politischen Entscheidungen häufig auf der Strecke bleiben.“ Ein Download der Studie steht zur Verfügung.

…  Mai 2019 – Gutes!

In Bayern übernehmen Staatsregierung und Landtag nach einigen Überzeugungsarbeiten bei den Bauern ohne jede Änderung uneingeschränkt das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am gleichen Tag, den 7. Mai: Staatsregierung und Landtag „setzen (damit) eine umfassende Änderung des bayerischen Naturschutzgesetzes in Gang. Außerdem bringt Söder sein ,Zweites Gesetz zugunsten der Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern‘ in den Landtag ein …“ Zu Wort kommen in diesem Artikel auch die ÖDP-Politikerin Agnes Becker, der Landtagsgrüne Ludwig Hartmann und Norbert Schäffer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Nun initiiert proBiene, das Freie Institut für ökologische Bienenhaltung, mit großem Unterstützerkreis in Baden-Württemberg das Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“.  Die Initiative startete am 19. Mai in Stuttgart und gewann bis Anfang Juni 18.000 Unterstützerinnen – deutlich mehr als 10.000 Unterschriften, die zur Anmeldung beim Innenministerium erforderlich waren.

Außer der Reihe – eine Entdeckung im Netz: „Die Kritischen BAYER-Aktionäre nutzen die jährlichen Aktionärsversammlungen, um Vorstand und Aufsichtsrat für ihre rücksichtslose Geschäftspolitik zur Verantwortung zu ziehen. Mit ihren Gegenanträgen und Redebeiträgen erreichen sie öffentliches Interesse für sonst verschwiegene Themen jenseits von Bilanz und Dividende.“ „20 Betroffene und Initiativen haben in der Bayer-Hauptversammlung am 27. April (2012) zu den Kehrseiten der BAYER-Geschäftspolitik gesprochen“, unter ihnen Holger Netzel, seit 40 Jahren Imker, zum Bienensterben durch Neonicotinoide.

…  Juli 2019 – wichtige Aktion!

Bund informierte mich in einer Mail über zwei gegensätzliche Nachrichten an einem Tag und über die daraus resultierende Aktion …

Einerseits: „Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ist jetzt … (in Bayern, E.K.) Gesetz! Mit großer Mehrheit billigte der Landtag den Gesetzesentwurf. 167 Abgeordnete stimmten mit Ja, 25 mit Nein, fünf enthielten sich. In Bayern müssen Biotope künftig besser vernetzt, Gewässerrandstreifen besser geschützt und die ökologische Landwirtschaft deutlich ausgebaut werden … In Baden-Württemberg läuft bereits ein ähnliches Volksbegehren, in Nordrhein-Westfalen ist eines in Planung.“

Andererseits: „Die EU-Staaten haben … (am 17. Juli, E.K.) in einer Abstimmung den Bienenschutz geschwächt!
Die Kriterien für die Zulassung von Pestiziden wurden in der neuen Bienenleitlinie deutlich gelockert. Klartext: Es wird Herstellern zukünftig leichter gelingen, Pestizide trotz ihrer negativen Auswirkungen auf Insekten zuzulassen. Vor dem Hintergrund des immer weiter voranschreitenden Arten- und Insektensterbens ist das ein umweltpolitischer Skandal!
Auch Deutschland hat für die Abschwächung der Bienenleitlinie gestimmt. Und das, obwohl hinreichend bekannt ist, wie sehr der hohe Einsatz von Pestiziden unseren Bienen und Insekten schadet.
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner darf sich nicht weiter gegen den Insektenschutz stellen. Seit Monaten blockiert sie gute Vorschläge des Bundesumweltministeriums, die die Lage für die Insekten entschärfen würden. Durch ihre Blockadehaltung geht das Aussterben vieler Arten weiter. Kanzlerin Merkel muss ihre Ministerin endlich in die Schranken weisen und das Insektensterben aufhalten.“

Deshalb bitte mitmachen: Diesen Eilappell an die Bundeskanzlerin „Frau Merkel, retten Sie unsere Insekten!“ haben schon über 50.000 Menschen unterzeichnet!

… August 2019 – Klimawandel und Agrarpolitik

Das Umweltinstitut München und der NABU informieren beide am 8. August auf je eigene Art über die auf neuesten Erkenntnissen beruhenden Warnungen des Weltklimarats (IPPC), denen zufolge es weltweit wegen der rasant fortschreitenden Erderhitzung zur zunehmenden Auslöschung von Tier- und Pflanzenarten käme, wenn die Menschheit weiterhin in dem Umfang Wälder roden und die Landwirtschaft in diesem Ausmaß beibehalten würde.
Umweltinstitut: „Weltklimarat fordert Kehrtwende in der Agrarpolitik“
NABU: „Alarmstufe Rot für unsere Art der Landnutzung – IPCC-Sonderbericht warnt vor katastrophalen Folgen“

Der NABU fordert von der Bundesregierung ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um mit „einer ambitionierten Ackerbaustrategie sowie einer Änderung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU“ „den alarmierenden Entwicklungen in der Landwirtschaft (zu) begegnen“: „Ackerbaustrategie gegen Artensterben“

Der Vorsitzende des BUND, Hubert Weigert, schrieb zeitgleich einen offenen Brief und „fordert die Kanzlerin nachdringlich auf, sich für den Schutz der Insekten einzusetzen und von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen“. Der Eilappell aus dem Juli mit bislang über 57.000 Unterschriften kann weiterhin unterzeichnet werden.

… September 2019 Volksbegehren in Baden-Württemberg

Aus der Pressemitteilung von proBiene vom 23. September: Am 24. September beginnt die landesweite Sammlung von mindestens einer Million Unterschriften für das erste Volksbegehren in der Geschichte Baden-Württembergs. „Bis zum 23. März 2020 muss das Trägerbündnis aus Umwelt- und Landwirtschaftsverbänden, Verbraucherorganisationen, sozialen Bewegungen und nachhaltigen Unternehmen die Unterschriften von mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten im Land sammeln. Dann muss der Landtag den Gesetzentwurf des Volksbegehrens, der einen deutlichen Ausbau der Bio-Landwirtschaft und eine verbindliche Pestizidreduktionsstrategie fordert, unverändert annehmen.“

… Oktober 2019 – Klimawandel und Artensterben – Volksbegehren in Baden-Württemberg wird auf Eis gelegt

Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 beschreibt die zusätzlichen Belastungen und Risiken des Klimawandels auf die Ökosysteme, ihre negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt – Biodiversität – von Tieren und Pflanzen, wozu sie aktuelle Studien zitiert, in denen Temperaturanstieg und Populationsverluste von Arten in Relation gesetzt werden:
„Wenn durch die Erderwärmung beispielsweise Pflanzen schon früher im Jahr zu blühen beginnen, aber die Bestäuber (Bienen, Schmetterlinge, usw.) ihren Rhythmus nicht im gleichen Tempo anpassen können, dann finden die aufeinander angewiesen Lebewesen nicht mehr zueinander.“
„Oder wenn sich bestimmte Insekten in einem warmen Frühling schon sehr zeitig entwickeln, kann dies zu einer Nahrungsknappheit bei Zugvögeln führen, die erst später im Jahr – zu ihrer gewohnten Zeit – hierzulande eintreffen. Für Arten, die im Winter besonders weit wegziehen kommt erschwerend hinzu, dass es durch immer mehr Wüsten- und Steppenbildung schwieriger wird, nahrungsreiche Rastplätze auf ihrer Route zu finden.“
GLOBAL 2000 startete die Petition „Genug gewartet: Nehmt die Klimakrise endlich ernst!“, – „Klimawandel und Artensterben stoppen“.

In unserer Natur- und Kulturlandschaft ist seit Jahren ein rapider Rückgang der biologischen Artenvielfalt zu beobachten. Besonders trifft es die Gruppe der Insekten, unter ihnen vor allem die Bestäuber, wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Nun kann eine Ursache des starken Rückgangs klar benannt werden: Pestizide mit Namen Neonicotinoide“, schreibt die Deutsche Umwelthilfe einleitend zu einem Blog-Beitrag und fordert zur Teilnahme an einer Protestmail-Aktion an die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, um sie an die Einhaltung ihrer Versprechen zu erinnern.

SWR-Aktuell-Nachrichten zum Volksbegehren in Baden-Württemberg, für das vorerst bis Dezember keine Unterschriften mehr gesammelt werden sollen:
Bienenfreunde und Landesregierung planen Dialog, Landesegierung beschließt Eckpunkte für ein Gesetz zum Artenschutz 

Auch die taz berichtet am 16. Oktober, dass Pro Biene auf einen Kompromissvorschlag der grün-schwarzen Regierung eingeht. „Denn: Gegen das im Ländle-Begehren geforderte absolute Verbot von Pestiziden waren selbst Ökolandwirt*innen und -winzer*innen auf die Barrikaden gegangen.“

Die „Mobilisierungspause“ vom Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ beinhaltet:

  • Das Volksbegehren läuft weiter, zumal es auch gar nicht ab- oder unterbrochen werden kann
  • Es bleibt dabei, dass bis 17. Januar die Möglichkeit besteht, in allen Rathäusern zu unterschreiben
  • Es wird auch sonst niemand daran gehindert, Listen mitzunehmen oder zu unterschreiben
  • Keine Unterschrift verfällt
  • Es gibt keinen Aufruf zu gemeinsamen Eintragungsaktionen in den Rathäusern
  • Es gibt keine presseöffentlichen Aufrufe mehr zur Sammlung von Unterschriften
  • Aus Websites, Schaukästen und Straßenstoppern etc. werden entsprechende Aufrufe entfernt
  • Infostände oder Straßenaktionen zum Unterschriftensammeln sollten ab sofort nicht mehr durchgeführt werden, sie können aber in Informationsangebote zum Thema Artenschutz umgestaltet werden

„Wir halten den Druck aufrecht: Wenn wir Mitte Dezember erkennen, dass das Eckpunktepapier nicht nach und nach umgesetzt wird, wird der Trägerkreis des Volksbegehrens prüfen, ob wir das Sammeln von Unterschriften mit neuem Schwung fortsetzen. Bis dahin arbeiten wir aktiv mit der Landesregierung zusammen an der Formulierung des Gesetzentwurfs.“

Ausführlich nimmt  auch der BUND am Oberrhein Stellung zur Notwendigkeit vom Artenschutz und gibt Handlungsanleitung für das Volksbegehren mit dem Slogan: „Gutes Brot, regionaler Wein UND Schmetterlinge, auch für unsere Enkel!“

Der Spiegel berichtet von den Demonstrationen der Bauern in 17 Städten, zu denen die Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“ auf ihrer Website eine Begründung und einen Verhaltenskodex aufführt. Die Bauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht und zum Buhmann degradiert. Die Abschlusskundgebung fand in Bonn statt und ist in einem zweistündigen Video dokumentiert, das am 22.10. auf agrarheute, einem Fachmagazin für die Landwirtschaft in D-A-CH, veröffentlicht wurde.

Ende Oktober verzeichnet der Tagesspiegel eine gute Nachricht unter dem Titel „EU gibt keine neue Genehmigung für ,Bienen-Killer‘“. und schreibt weiter: „Die Zulassung des Pestizids Thiacloprid läuft im kommenden April aus. Das entschied ein Fachausschuss in Brüssel“.

… November 2019 – neue Europäische Bürgerinitiative (EBI)

Bienenfreunde und die Landesregierung von Baden-Württemberg beginnen den Dialog. Pressemitteilungen zum Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ – mit vielen Download-Links für Dokumente:
6. November: Bienen-Volksbegehren begrüßt Start des Dialogs zum Artenschutz – und setzt auf konkrete Fortschritte
7. November: Bienen-Volksbegehren: Zwischenstand der Unterschriften belegt den versprochenen Mobilisierungsstopp
13. November: Bienen-Volksbegehren: Gesprächseinladung an Traktor-Staffelfahrer*innen

Unter den Kampagnennamen „Save bees and farmers“, „Bienen, Bauern und Bäuerinnen retten“ bzw.  „Bienen und Bauern retten“ hat sich für den Streit um eine nachhaltige Landwirtschaft ein breites Bündnis an NGO’s zu einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI) zusammengefunden, um die Ökosysteme weiterhin zu schützen und wiederherzustellen, Artenvielfalt zu erhalten und den schon eingeschlagenen Weg des Verbots von Pestiziden beizubehalten. Bezweckt wird vor allem, dass die EU mit den Steuergeldern eine grundsätzlich andere, eben nachhaltige Landwirtschaft fördert und nicht wie bisher die Anwendung chemischer Dünger und Gifte! Dafür werden Unterschriften gesammelt, hier z.B. von GLOBAL 2000 oder von WeMove …. Die Unterschriften landen alle in einem Topf.

Christian Schwägerl schrieb am 27. November auf RiffReporter zu den Bauern-Demonstrationen den Kommentar „Der Rückgang der Bauernhöfe und der Rückgang der Braunkehlchen haben eine gemeinsame Ursache“, der die sich anbahnenden Spaltungen analysiert und zu dem auf die Zukunft bezogenen begründeten und sehr empfehlenswerten Ergebnis kommt: „Warum eine Allianz von Landwirten und Naturschützern überfällig ist“.

… Dezember 2019 – Forschung zu Glyphosat und ihre Finanzierung

LobbyControl hat einen Durchbruch beim Recherchieren errungen. Es zeigt sich, dass nicht wie von Glyphosat-Herstellern behauptet, Studien vom Gießener Institut für Agribusiness von 2011 und 2015 unabhängig von Chemie-Unternehmen erstellt wurden, sondern im Auftrag von Monsanto mit dem Ziel, ein Glyphosat-Verbot zu verhindern.
„Die Monsanto-finanzierten Forschungsergebnisse wurden über das Institut hinaus noch weiter in die Wissenschaftswelt eingespeist“, auch in Fachzeitschriften verbreitet, u.a. im Journal für Kulturpflanzen, herausgegeben vom Julius-Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, ohne das Institut für Agribusiness zu nennen, sondern als – in der Folge vielzitierte – Studien im Namen der Universität Gießen.
Nun wird in kleinen Schritten um Transparenz gerungen, worauf es positive Reaktionen „vom Julius-Kühn-Institut und der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft als Veranstalter der Deutschen Pflanzenschutz-Tagung“ gibt. „In Zukunft soll deshalb bei Tagungsbeiträgen nach einer Erklärung der Autoren zu Interessenskonflikten gefragt werden. Die Vorlage zur Einreichung solle zudem um die die Forderung nach einer transparenten Offenlegung der Quellen für die Finanzierung der dem Themenvorschlag zugrundeliegenden Studien ergänzt werden.“ LobbyControl erwartet weitere Antworten, so der Stand am 5. Dezember.

Aktionen und Infos Jan. bis Nov. 2018

… Januar 2018 – GroKo-Verhandlungen CDU und SPD

Campact startet den Bienenschutz-Appell „Bienenkiller endlich verbieten“ an die SPD: „Die EU will das Bienensterben beenden und die gefährlichen Neonikotinoid-Ackergifte verbieten. Die Gefahr: CSU-Agrarminister Schmidt sabotiert das – wie schon bei Glyphosat. Deshalb muss die SPD in den Koalitionsverhandlungen das Verbot durchsetzen.“ – Über eine Viertelmillion Menschen haben ihn schon in wenigen Tagen unterzeichnet.

… Februar 2018 – Ob die Vernunft in der Politik siegt?

Ein Interview des Wissenschaftsjournalisten Ralf Kauter mit Randolf Menzel, Leiter des neurobiologischen Instituts der Freien Universität Berlin, veröffentlichte Deutschlandfunk unter dem Titel „Studie zu Neonicotinoiden – ,So eindeutig, dass die Politik nicht mehr entkommen kann‘“. Diese Studie ist von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und zeige, dass von Neonicotinoiden ein Risiko für Insekten ausgeht. Insbesondere die Verwendung von drei Substanzen, Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, die für das Beizen von Samen verwendet werden, sollte deshalb ohne Ausnahmeregelung verboten werden.
„Doch gleichzeitig drängen neue, kaum weniger gefährliche Wirkstoffe auf den Markt: Sulfoxaflor, Cyantraniliprol und Flupyradifuron. Das Umweltinstitut warnt seit Jahren vor den neuen Insektengiften“ und startet die Leserbrief-Aktion „Neue Bienengift im Anflug“, um die Öffentlichkeit auf diesem Weg zu informieren. „In Deutschland ist noch kein Pestizid mit einem der drei neuen Gifte zugelassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verweigert uns (dem Umweltinstitut, E.K.) seit über einem Jahr eine Auskunft darüber, ob überhaupt Anträge auf eine Zulassung von Mitteln mit Flupyradifuron und Cyantraniliprol in Deutschland vorliegen. Schon die Information darüber, ob es einen solchen Antrag gibt, wertet die Behörde als Geschäftsgeheimnis der Herstellerfirmen.“ Ab April sieht das endlich anders aus 🙂

… März 2018

Die EU-Abgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling beziehen sich auf die Veröffentlichung vom Zusammenschluss EURACTIV „Minister streiten nach EU-Warnung über Pestizid-Verbote“ und konstatieren „Die GroKo wackelt beim Verbot von Bienenkillern“. Deshalb bitten sie, ihre am 28. Februar gestartete Petition „Keine Ausreden mehr – Bienenkiller müssen jetzt vom Acker!“ kräftig zu unterstützen. Sie nähert sich der 150.000sten Unterzeichnung.

…  April 2018

Das Verwaltungsgericht in Braunschweig beschließt, dass das BVL über Zulassungsanträge für neue Insektengifte auf Nachfrage informieren muss, dass diese Anträge kein Geschäftsgeheimnis der Herstellerfirmen darstellen.

Am 27. April stimmten 16 von 28 EU-Mitgliedstaaten gegen den Einsatz von drei besonders gefährlichen Neonicotinoiden im Freiland. Es kam eine qualifizierte Abstimmung für ein Verbot zustande. Endlich! Denn, so das Umweltinstitut ferner: „Neonicotinoide … werden häufig als Beizmittel für Saatgut verwendet, aber auch als Spritzmittel eingesetzt. (Sie) können bereits in sehr kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen. Die Gefahren … sind schon lange bekannt und durch zahlreiche Studien wissenschaftlich bestätigt.“ – Sven Giegold und Martin Häusling heben in diesem Zusammenhang die handlungsfähige Vernetzung der europäischen Bürgerinitiativen hervor. Sie folgern zudem: „Wir brauchen ein neues Zulassungsverfahren für Ackergifte, damit es nicht wieder viele Jahre bis zum Verbot dauert, wenn Studien die Gefahr für die Bienen belegen. Die EU-Kommission hat die Reform des Zulassungsverfahrens vorgeschlagen. Jetzt muss es auch beschlossen werden. Da leistet die Chemielobby wie üblich erbitterten Widerstand.“

Es gibt allerdings auch Bedenken aus der Chemiebranche und der konventionellen Landwirtschaft. Die Süddeutsche Zeitung berichtet am 27. April aus Brüssel: „Der Bayer-Konzern sprach von einem schlechten Deal für die europäische Landwirtschaft und die Umwelt. Die Entscheidung werde die Möglichkeiten für Landwirte, gegen Schädlinge vorzugehen, weiter einschränken … Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sprach von einer echten Herausforderung, Alternativen zu entwickeln und neue Produkte schnell zur Zulassung zu bringen. Ohne Pflanzenschutzmittel gehe es nicht, weder in der ökologischen noch in der konventionellen Landwirtschaft.“

…  Mai 2018 – nichts Gutes

Sowohl die EU-Kommission als auch die US-Kartellbehörden haben der Fusion von Bayer und Monsanto zugestimmt. Die US-Justizministerium genehmigte die Übernahme von Monsanto durch Bayer nur mit bisher historisch einmalig hohen Auflagen: „Insgesamt müsse sich Bayer von Geschäftsteilen im Wert von rund neun Milliarden Dollar – darunter fast das gesamte eigene Saatgutgeschäft – trennen, damit bei der Fusion mit Monsanto keine Nachteile für Wettbewerber und Verbraucher entstünden“, so die Welt am 29. Mai.

Glyphosat-Gegner protestierten am 29. Mai vor der Bayer-Hauptversammlung in Bonn gegen die Verwendung alter und neuer Insektengifte (Neonicotinoide). Der Vorstandsvorsitzende verwehrte sich überhaupt dagegen, dass Pestizide der Grund für das Bienensterben wären. Bericht und Video dazu vom Umweltinstitut München.

Das neue Unternehmen wird Bayer Crop Science heißen, berichtet die Welt am 30. Mai unter dem Titel „Die Macht über unsere Ernährung wird neu verteilt“. Tatsächlich, wie immer betont, ohne Nachteile für Verbraucher?

„Dieser Mega-Deal wird unsere Ernährung verändern“, schrieb die Welt schon im März und wies darauf hin, dass „Bayer … damit der größte Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern der Welt (wird)“. Dem Artikel ist zu entnehmen, dass nun die Anwendung der „grünen Gentechnik“ und die Anmeldungen von Patenten auf Pflanzen auch in Europa zunehmen werden.

… Juni/Juli 2018 – Aktionen

Die Köchin und Autorin Sarah Wiener startete zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe auf Campact die Petition „Stoppt das Bienensterben! Wir brauchen eine andre Art von Landwirtschaft!“, die an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gerichtet ist und auf die Überdüngung, den großflächigen Einsatz von Pestiziden und die intensive Flächennutzung verweist. – Am 18. Juli gab es Neuigkeiten zur Petition, und zwar die Mitteilung, dass die Deutsche Umwelthilfe wegen des neuen, unzureichenden und nicht umgesetzten Düngerechts für sauberes Wasser klagen will. Denn Deutschland hat wegen der industriellen Landwirtschaft die zweithöchste Nitratbelastung des Grundwasser in der EU.

Mit der Mitmach-Aktion „Insektengifte? Nicht schon wieder!“ wendete sich das Umweltinstitut München an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Kaum sind drei besonders gefährliche Pestizide im Freiland verboten worden, will die Agrarindustrie neue Gifte auf den Markt bringen, die kaum weniger gefährlich für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind.“

Campact und das Umweltinstitut München veröffentlichten gemeinsam den Appell „Nicht schon wieder Bienenkiller!“. Begründung: „Gerade erst haben wir für ein Verbot der Neonikotinoide gesorgt – da kommt neues Gift, das Bienen tötet. Der Chemie-Gigant Bayer-Monsanto will es auf den Markt bringen. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) können jetzt beweisen, dass sie Bienen-Freundinnen sind: Sie müssen die Zulassung der neuen Pestizide verweigern. Unterzeichnen Sie jetzt den Appell!“

SumOfUs sieht ein Schlupfloch in den EU-Regeln, denn Industrie-Lobbyisten fordern Ausnahmen: „Sogenannte Notfallzulassungen erlauben den Einsatz bienentödlicher Pestizide trotz des Verbots.“ Und davon machen einige EU-Mitgliedstaaten auch ohne Notfall Gebrauch, wie in diesem Appell an die EU-Kommissionweiter ausgeführt wird.

… September 2018 – Studie Bienensterben

SPIEGEL ONLINE am 24. September: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wegen seiner schädigenden Nebenwirkungen verbieten zu lassen, scheiterten bisher wegen fehlender stichhaltiger wissenschaftlicher Belege dafür, dass Glyphosat Krebs verursacht oder Insekten sterben lässt. Doch nun wurde eine nur sechs Seiten umfassende Studie der Biologen Erick V. S. Mottaa, Kasie Raymanna und Nancy A. Morana von der University of Texas in Austin veröffentlicht, die nach dem Ergebnis benannt ist, und zwar auf Deutsch: „Glyphosat stört die Darmflora von Honigbienen“. Der Kontakt mit Glyphosat schwächt das Immunsystem der Bienen und es sterben messbar mehr als ohne Kontakt zu Glyphosat.

Diese Meldung wird in den Neuigkeiten laufender und schon geschlossener Petitionen aufgegriffen:
• zur Petition „Stoppt das Bienensterben! Wir brauchen eine andere Art von Landwirtschaft!“ (bis 3. Oktober: 217.376 Unterschriften) heißt es: Glyphosat einmal mehr als Ursache fürs Bienensterben entlarvt
• zur Petition „Keine Ausreden mehr – Bienenkiller müssen jetzt vom Acker!“ (164.186 Unterschriften) heißt es: Neue wichtige Petition zum Bienensterben: Glyphosat schadet Bienen – das Herbizid muss vom Acker!

Die neue Petition von den EU-Abgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling sowie dem Krebsbiologen Dr. Maximilian Fries, an die Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner, die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsländer und das Europarlament gerichtet, wurde in wenigen Tagen schon knapp 60.000 mal unterschrieben: Bienensterben: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

… Oktober 2018 – Pilz-Medizin u.a.

Eine positive Meldung veröffentlichte wissenschaft.de am 4. Oktober unter der Rubrik „Umwelt + Natur“: Experimente an der Washington State University zeigen, dass Virusinfektionen der Bienen sich möglicherweise durch einen Pilzextrakt eindämmen lassen. Wie die Wissenschaftler „betonen, ist nun allerdings Geduld angesagt, denn bis Imker die Behandlungsmaßnahme durchführen können, gibt es noch eine Hürde zu überwinden: Bisher gibt es nicht genügend Pilzmaterial, um ausreichend Extrakt herzustellen, denn die Pilze lassen sich nicht ganz so einfach züchten wie Champignons.“

Am 10. Oktober schrieb Prof. Dr. Klaus Buchner MdEP (ÖDP) in einer Neuigkeit zur Petition „Gegen Massentierhaltung & für ein EU-weites Qualitäts-Siegel!“, dass sich Bayern mit einem Volksentscheid  „Nein zum Bienensterben!“ gegen die industrielle Landwirtschaft stark machen wolle. volksbegehren-artenvielfalt.de informiert laufend. Ein Newsletter kann dort abonniert werden.

Das Umweltinstitut bezieht sich am 24. Oktober in dem Artikel „Bienensterben: Geheimniskrämerei um Sulfoxaflor“ aus aktuellem Anlass auf den Appell aus dem Juli „Nicht schon wieder Bienenkiller!“ an die Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

…  November 2018 – spannend: Urheberrecht versus Pressefreiheit

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steht seit Juli 2017 in der Kritik. Es werden ihm Unterlassungen bei den Studien zum Krebsrisiko vorgeworfen, weil über Jahre die signifikanten Steigerungen der Krebsraten übergangen wurden. Vorausgegangen war die Veröffentlichung einer Studie der Krebsagentur IARC der WHO im Juli 2015, in der Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend bewertet wird. Diese Studie hatte der MDR veröffentlicht. Das  BfR wehrte sich gerichtlich gegen die damit öffentlich gemachte Kritik und mahnte den MDR unter Berufung auf das Urheberrecht ab, verklagte den Sender wegen Verletzung des Urheberrechts.
Nun kritisiert der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs im Gegensatz zum Landgericht Köln und Oberlandesgericht Köln, dass mithilfe des Urheberrechts das Presserecht unzulässig eingeschränkt wird. Wie Netzpolitik.org in seinem Bericht „Zensurheberrecht: Bundesinstitut gab 80.000 Euro gegen Glyphosat-Berichterstattung“ aus weiter ausführt: „In den kommenden Wochen wird der Gerichtshof über den Fall entscheiden und damit Leitlinien für das Verhältnis zwischen Urheberrecht und Pressefreiheit aufstellen.“

Die Umweltministerin Svenja Schulze legt Plan für Glyphosat-Ausstieg vor. Wie es im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit heißt, soll eine neue Zulassungspraxis für Pflanzenschutzmittel den Ausstieg ergänzen. „Julia Klöckner muss jetzt mitziehen“ heißt es der Neuigkeit zur Petition „Stoppt das Bienensterben! Wir brauchen eine andere Art von Landwirtschaft!“, die, um die Umweltministerin zu unterstützen, immer noch gezeichnet werden kann.

SumofUs eröffnet die Unterschriftensammlung „Keine Chance für Bienenkiller!“, die sich an die EU-Regierungen wendet und fordert: „Schützen Sie die Bienen vor gefährlichen Pestiziden: Stimmen Sie für die konsequente Anwendung der EFSA Leitlinien für die Bewertung potenzieller Risiken für Honigbienen, Hummeln und Solitärbienen durch den Einsatz von Pestiziden!“ Und kurz darauf richtet SumofUs die Petition „Stoppen wir den nächsten Bienenkiller“ an die EU-Kommission, denn laut Rundmail: „Ein neues hochgefährliches Pestizid treibt sein Unwesen: Sulfoxaflor. Das Gift scheint genauso schlimm zu sein wie die erst kürzlich verbotenen Neonikotinoide — doch genau die will Dow Chemical mit dem neuen Bienenkiller ersetzen.“

WeMove.EU fordert dazu auf, EU-Abgeordnete anzuschreiben, weil diese in diesen Tagen über ein Gesetz, das die Geheimhaltung zur Einsichtnahme in Studien der Pestizid-Industrie aufheben würde, debattieren. Zur Aktion: „Schreiben Sie Ihren Abgeordneten“ (mit Suchoptionen Land und PLZ). „Die anstehenden Europawahlen machen machen die Abgeordneten sensibler für die Wünsche von uns Wähler/innen. Der Zeitpunkt ist jetzt günstig“, heißt es in der Rundmail.

Aktionen und Infos Dez. 2016 bis Nov. 2017

… Dezember 2016 – Spendenappell für die Arbeit einer neuen Europäischen Bürgerinitiave am Glyphosat-Showdown 2017

Denn die Glyphosat-Nichtzulassung ist nur noch 12 Monate gültig! Ende November wurde der Antrag für diese Europäische Bürgerinitiave an die EU-Kommission gestellt. Global 2000 führt stellvertretend im Namen aller weiteren Intiativen in einer E-Mail die Vorhaben auf, die eine Wiederzulassung von Glyphosat verhindern sollen:

„Die nächsten Monate werden eine enorme Anstrengung, denn die Chemieindustrie ist mächtig und wird alles daran setzen, ihren Bestseller Glyphosat weiter verkaufen zu dürfen. Doch wir haben im nächsten Jahr noch viel mehr vor:

• Wir wollen nachweisen, dass die europäischen Kontrollbehörden ihre Kontrollfunktion fahrlässig vernachlässigt haben.
• Wir wollen beweisen, dass Glyphosat niemals zugelassen hätte werden dürfen. Denn wir haben zahlreiche Hinweise, dass Hersteller-Studien falsch ausgewertet haben und unabhängige Studien, die die Krebsgefahr des Pestizids beweisen, ignoriert und diskreditiert wurden.
• Hierfür werden wir Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz verlangen. Wir werden Hersteller-Studien durcharbeiten, die bisher wegen ,Geschäftsgeheimnisses‘ nicht einsehbar waren. Wir werden den Schriftverkehr von Kontrollbehörden und Herstellern unter die Lupe nehmen und das Versagen der Kontrolleure aufdecken.

Und wir werden mindestens eine Million Unterschriften für die Europäische Bürgerinitiave sammeln müssen. Dies alles benötigt viel Zeit und kostet auch viel Geld.“

…  Januar 2017

SPIEGEL ONLINE berichtet am 02.01.2017 über eine Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, die zu dem Ergebnis kommt, dass mittlerweile der Honigertrag in Städten größer ist als auf dem Land. Doch die Bienen in Städten erkranken häufiger. Die Studie kommt zu dem Schluss: „Wenn nicht gehandelt würde, drohten Verhältnisse wie in den USA oder in China, wo Bienenvölker kreuz und quer durchs Land gefahren würden und Apfelbäume per Hand bestäubt werden müssen.“

Am 21. Januar setzten sich zum 7. Mal in Berlin zeitgleich zur Grünen Woche landwirtschaftliche Betriebe, Imkereien, Gärtnereien, Umweltverbände, Tier- und Naturschützer und kritische Verbraucher mit einer Demonstration unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!“ für gesundes Essen, bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft, Tierschutz und fairen Handel ein. Es beteiligten sich rund 18.000 Demonstranten, die von einem Konvoi von etwa 130 Traktoren begleitet wurden.

…  Februar 2017

Die kanadische Regierung will das bienengefährliche Pestizid Imidacloprid von Bayer verbieten. Deshalb bittet SumOfUs um Unterstützung mit der Unterzeichnung der Petition „Regierung in Kanada: Verbieten Sie Bayers Bienenkiller!“
Die Welt berichtete schon 2014 über die Umweltgefahr dieses Pestizids: Niederländische „Forscher fanden heraus, dass bei einer Konzentration des Pestizids Imidacloprid von mehr als 20 Billionstel Gramm pro Liter Oberflächenwasser die Anzahl der Vögel jährlich um 3,5 Prozent zurückging.“

Im Juli 2016 (siehe unten) wurde die Entscheidung über eine Wiederzulassung von Glyphosat um 18 Monate verschoben. Deshalb haben sich nun mehr als 20 europäische Umwelt-, Naturschutz- und Gesundheits-Organisationen zusammengeschlossen und eine Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat gegründet, um gemeinsam bis Ende Juni 2017 Unterschriften zu sammeln (dieser Link führt zur Unterschriftensammlung vom BUND).
Das Formular unterscheidet sich von den üblichen Petitionen, denn die EU-Kommission überprüft anhand der Daten, wieviele der TeilnehmerInnen das Mindestalter von 18 Jahren hat und ob die nötige Quote von 1 Million erreicht wird. Diese Daten werden nach Ablauf der Aktion gelöscht.

Juchhu, bis Mitte Juni unterschrieben in weniger als fünf Monaten über 1 Mio Menschen aus allen 28 EU-Mitgliedsstaaten die Petition bei den zahlreich beteiligten Umweltorganisationen. Auch wenn die Europäische Bürgerinitiative (EBI) damit steht, weitere Unterstützung ist möglich und erwünscht!

…  März 2017

2012 bis 2016 sind von Chemiekonzernen finanzierte Studien veröffentlicht worden, die von Behörden unkritisch zur Beurteilung über die Zulassung von Glyphosat herangezogen wurden.
„Nachdem die Krebsforschungsagentur IARC in vier Hersteller-Studien ,ausreichende Beweise für eine krebserregende Wirkung‘ von Glyphosat fand, in denen zuvor das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung, E.K.) keine Hinweise für eine Krebswirkung erkennen konnte, erhielt das BfR den Auftrag, die Bewertungen der IARC zu evaluieren. In der Folge musste das BfR die von der IARC festgestellten statistisch signifikanten Tumorbefunde in allen vier Studien bestätigen. Auch in den übrigen drei Mausstudien der Hersteller musste die Behörde statistisch signifikante und dosisabhängige Zunahmen von Tumoren zugeben, die sie vorher anscheinend ,übersehen‘ hatte. Die Behörde räumte ein, sie habe ,ursprünglich auf die statistischen Auswertungen vertraut, die mit den Studien der Hersteller mitgeliefert wurden’,“ schreibt BUND und stellt die Studie „Glyphosat und Krebs: Gekaufte Wissenschaft“ der Europäischen Bürgerintiative (EBI) „Stop Glyphosat“ zum Download zur Verfügung.
Das Umweltinstitut München bezieht ebenfalls Stellung dazu unter „Neue Untersuchungen belegt Manipulationen bei der Bewertung von Glyphosat“.

Spiegel online berichtete schon 2011 über die Betroffenheit von Europa, Nordamerika, Afrika und Asien: Uno-Bericht – Bienensterben wird zum globalen Problem … Neben den Pestiziden wurden weitere Faktoren mit Wechselwirkungen als Ursachen genannt und weitere noch unbekannte vermutet.

Die Süddeutsche meldet am 24.03.2017, dass die EU-Kommission ein Verbot der umstrittenen Neonicotinoide auf Äckern plane, nicht jedoch innerhalb von Gewächshäusern. Im Arbeitspapier stehe, dass ein „hohes akutes Risiko für Bienen“ von diesen Pflanzenschutzmitteln ausgehe.

…  April 2017

Ein US-Zivilprozess  wegen der krebserregenden Wirkung von Roundup und Glyphosat gegen Monsanto hat exemplarischen Charakter. Denn er fasst 15 Verfahren mit 60 vom Non-Hodgkin-Lymphom betroffenen Klägern aus mehreren US-Bundesstaaten zusammen, die sich auf das diesbezügliche Urteil der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) berufen. BRISANT: Firmeninterne Mails des Herstellers könnten aufzeigen, „wie der Konzern die wissenschaftliche Einschätzung des Unkrautvernichtungsmittels beeinflusste“, so die Süddeutsche Zeitung.

In einem Bericht von Experten der Vereinten Nationen wird „den Pestizidherstellern aggressive und unethische Marketingmethoden sowie eine tiefgreifende Lobbyarbeit vor(geworfen), die umfassende Reformen und eine weltweite Begrenzung des Pestizideinsatzes behindern“. SumOfUs startete deshalb die Petition an die „Regierungschefs weltweit: Verbieten Sie den Einsatz von Neonikotinoiden“.

Der General-Anzeiger schreibt über positive Signale seitens der EU-Kommission, die sich nach der Jahrestagung des Imkerverbandes mit dem Pestizid-Problem befassen will: „Von den drei Präparaten Clothiandin und Imidacloprid aus dem Hause Bayer sowie Thiamethixam von Syngenta gehe ein „hohes Risiko“ für die Tiere aus, heißt es in einem Arbeitspapier der Brüsseler Behörde.
Die Substanzen dürfen seit 2013 ohnehin nicht mehr ohne Auflagen genutzt werden. Sollte der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel, in dem die Experten der Kommission und der EU-Länder sitzen, im Mai einem formellen Vorstoß zustimmen, dürfen die Pestizide ab November 2017 nur noch innerhalb geschlossener Gewächshäuser benutzt werden.“

SumOfUs reagiert mit der Petition „Regierungen der EU-Staaten: Unterstützen Sie ein EU-weites Verbot von Neonikotinoiden“. „Das geplante Verbot ist nicht perfekt — es erlaubt weiterhin den Einsatz von Neonikotinoiden in Gewächshäusern –, aber es ist ein entscheidender Schritt in eine Zukunft ohne Bienenkiller-Pestizide.“

tagesschau.de berichtete über den Proteststurm von Umweltschützern, Entwicklungshilfe-Organisationen und Grünen-Politikern auf die Hauptversammlung der Aktionäre von Bayer in München wegen der Übernahme von Monsanto: „Ihr vergiftet unsere Äcker“. Die Fusion wird noch von verschiedenen Kartellbehörden überprüft. Sie würde zu einer weltweiten Beherrschung sowohl des Saatgut- als auch des Pflanzenschutzmittel-Marktes führen.

…  Mai 2017

Sowohl das Vogelsterben als auch das Insektensterben hat auf dem Agrarsektor dramatische Ausmaße erreicht, teilt das Umweltinstitut München mit: „Fast drei Viertel der einheimischen Vogelarten der Äcker und Wiesen stehen auf der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands, 17 von 24 Arten sind mindestens gefährdet … Bei einigen Insektenarten ist der Bestand um 90 Prozent zurückgegangen, einige Arten sind bereits ganz verschwunden. Das Insekten- und Vogelsterben steht in direktem Zusammenhang mit dem Einsatz von Herbiziden und Insektiziden in der intensiven und industrialisierten Landwirtschaft. Dies räumt auch die Bundesregierung in ihrer Antwort ein und erklärt, dass erheblicher ,Handlungsbedarf zum Schutz der Agrarvögel in Europa‘ bestehe.“

Der Bund erarbeitete zusammen mit der Aurelia-Stiftung wegen des hohen Verlusts an Bienenvölkern und Rückgangs bei den Wildbienen einen Bienenaktionsplan und ruft schon vor der Bundestagswahl zu der E-Mail-Aktion „A Place to Bee“ an alle Parteivorsitzenden auf, damit der Aktionsplan nach der Wahl in den Koalitionsvertrag aufgenommen und in der folgenden Legislaturperiode umgesetzt wird. Diese Aktion ist mit bisher über 83.000 Beteiligungen auch noch im Oktober aktiv!

Die Petition von Matthias Flieder „Kein Gift auf Ökoland“ an das EU-Parlament wendet sich gegen die Zulassung der Verwendung von Pestiziden auf ökologischen Vorrangflächen. Der Schutz von Tieren und Pflanzen wird mit dieser Zulassung ad absurdum geführt.

…  Juni 2017

Neben anderen weist Global 2000 auf neueste Erkenntnisse zur krebserzeugenden Wirkung von Glyphosat hin, die bisher in acht Studien der Chemie-Industrie „übersehen“ wurden: „Der Zugang zu diesen Daten wurde nur möglich, weil sich EU-ParlamentarierInnen gerichtlich beschränkte Einsicht in diese Studien erstritten, die bisher als ,Geschäftsgeheimnis‘ von der Industrie unter Verschluss gehalten wurden.“ … Das legt die Vermutung nahe, dass das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sich bei seiner Empfehlung zur Zulassung von Glyphosat ohne ausreichende Kontrolle auf die Herstellerangaben verlassen hat. Gemäß WeMove hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ebenfalls „blind auf die Zusammenfassungen der Industrie vertraut“.

Das Handelsblatt berichtet, dass Bayer die kartellrechtliche Prüfung der Übernahme von Monsanto bei der EU-Kommission eingereicht hat und damit rechnet, dass die Transaktion bis zum Jahresende abgeschlossen ist.

…  Juli 2017

Umweltinstut.org veröffentlicht im Namen der Herausgeber Global 2000 und vieler anderer unterstützenden Organisationen eine pdf-Datei zum Download (!): „Glyphosat und Krebs: Systematischer Regelbruch durch die Behörden – Die Tricks von Monsanto und der Beitrag der Behörden, um Glyphosat vor einem Verbot zu retten.“ Aktuelle und umfasende Informationen gibt es zu der im März 2017 eingereichten Klage gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es geht darin um das Recht der Öffentlichkeit auf Informationen über die Zulassungsverfahren der Insektengifte Flupyradifuron und Cyantranilipro, denn bisher wurde die Öffentlichkeit erst informiert wurde, nachdem neu zugelassene Pestizide bereits im Einsatz waren.

Da die EU-Kommission trotz der Einstufung von Glyphosat durch die WHO-Krebsforschungsagentur IARC als „wahrscheinlich krebserregend dieses Unkrautvernichtungsmittel für weitere 10 Jahre zulassen will, startet foodwatch die E-Mail-Aktion „Frau Merkel, sagen Sie Nein zu Glyphosat!“. Die Bundeskanzlerin wird direkt angesprochen, weil die Umweltministerin Barbara Hendricks gegen und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt für eine Zulassung sind.

Eine Petition vom Umweltinstitut München fordert „Schluss mit dem Agrar-Monopoly!“ und richtet sich wegen der beantragten Fusion von Monsanto und Bayer, die eine Konzentration auf dem Markt für Saatgut und Pestizide zur Folge hätte, an die EU-Wettbewerbskommissarin Vestager, die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypris und den Präsidenten des Bundeskartellamts Mundt.

…  September 2017

ARCHE NOAH initiiert einen Appell an die EU-Kommission und die österreichische Regierung gegen eine Genehmigung der Fusion von Bayer und Monsanto. Begründung: „Der deutsche Konzern Bayer will mit der Übernahme von Monsanto zum weltgrößten Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln aufsteigen. Mit Ihrer Unterschrift fordern Sie die Verhinderung der Fusion, einen wirksameren rechtlichen Rahmen für Fusionsprüfungen auf EU-Ebene sowie die Minimierung der negativen Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft.“

Welche drastischen Reduzierungen an Vielfalt und Wettbewerb mit der Genehmigung einer Fusion von Bayer und Monsanto in Kauf genommen werden würden, wird von ARCHE NOAH ausführlich und anschaulich beschrieben.

Umweltinstiut.org meldet unter Bezugnahme auf verschiedene Medien, dass das „deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) … seine Bewertung des Totalherbizids Glyphosat über viele Seiten aus dem Zulassungsantrag von Monsanto abgeschrieben (hat).“ Es stellt sich die Frage, ob die Bundesregierung den Bundestag belogen hat.

…  Oktober 2017 – herausragend in Bewegung

Endlich wird die Ungeheuerlichkeit der Auswirkungen von Glyphosat immer mehr Menschen bewusst und erreicht die Politik. Die Petition „Stoppt die Veränderung der Zulassung von Glyphosat!“ von Sven Giegold und Martin Häusling, beide Mitglieder des Europarlaments, die auf der Petitionsplattform von Campact an die Bundesregierung gerichtet ist und Mitte Oktober veröffentlicht wurde, zeigt das hervorragend: schon am Starttag unterschrieben 5.000, am 18. Oktober waren über 70.000 Unterschriften abgegeben worden, so die Neuigkeit zur Petition mit neuer Glyphosat-Studie, und am 21. Oktober, bei der Mitteilung von „Erfolg im Europaparlament: Umweltausschuss sagt Nein zu Glyphosat!“, sind schon über 181.000 Unterzeichnende dabei.

GLOBAL 2000 startete im September eine Aktion, E-Mails an die österreichischen NationalrätInnen im EU-Unterauschuss mit der Aufforderung, gegen Glyphosat zu stimmen, zu senden. Über 15.000 Nachrichten wurden versandt, und 81.861 ÖsterreicherInnen haben bei der EBI gegen Glyphosat unterschrieben. Am 3. Oktober steht fest, dass Österreich in Brüssel Nein zu Glyphosat sagen wird.

Monsanto und Bayer brachten in den USA das neue Pestizid Dicamba auf den Markt, das nicht gespritzte Pflanzen auf benachbarten Feldern absterben lässt. Farmer protestierten schon vor Monaten und AVAAZ brachte nun eine Petition an den Start, die innerhalb von wenigen Tagen schon über eine Million Menschen unterschrieben.

Auch wenn diese äußerst positive Meldung nun nicht direkt etwas mit den Bienen zu tun hat, so doch mit unserer Nahrung. BUND teilt am 04. Oktober mit: „Vorige Woche hatte bereits der Umweltausschuss des EU-Parlaments dem Vorschlag der EU-Kommission, die Regulierung hormoneller Schadstoffe zu schwächen, eine Absage erteilt. Heute hat auch das Plenum des EU-Parlaments nachgezogen: 389 der 694 Parlamentarier*innen stimmten gegen den Entwurf. Bei 235 „Ja“-Stimmen und 70 Enthaltungen bedeutet dies, dass der Vorschlag der EU-Kommission abgelehnt ist. Dies ist ein guter Tag für den europäischen Verbraucherschutz!“

Umweltinstitut München bloggt am 11.10.2017: „Am Dienstag haben wir Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Präsidenten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel eingereicht. Wir fordern, dass die Skandale um das Wiederzulassungsverfahren von Glyphosat lückenlos aufgeklärt werden. BfR-Präsident Hensel muss seinen Hut nehmen, um den Weg für einen Neuanfang freizumachen.“ GLOBAL 2000 veröffentlicht den ausführlichen Bericht „Copy – Paste: Wie das BfR von Monsanto abgeschrieben hat“, in dem das Plagiatsgutachten von dem von ihnen damit beauftragten Dr. Stefan Weber verlinkt ist. Der Gutachter stellte fest, dass „über .zahlreiche Seiten hinweg‘ Textpassagen ,praktisch wörtlich übernommen‘ worden“ sind.

„Dramatischer Insektenschwund – Das mysteriöse Verstummen beim Summen“ titelt die Welt am 18.10.2017: „Binnen 27 Jahren nahm die jährliche Biomasse der Insekten um 76 Prozent ab.“ Zu diesem Ergebnis kam ein internationales Forscherteam. Eingehender müssten nun die Auswirkungen von Pestiziden und der Fragmentierung von Schutzgebieten, die zu 94 % von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben sind und weit auseinander liegen, untersucht werden.

Über 1,3 Millionen EU-Bürger unterschrieben die EBI. „Die Entscheidungsträger diskutieren jetzt darüber, dass wir mehr Transparenz brauchen und mehr Unabhängigkeit von Monsanto … Wenige Tage vor der Entscheidung gegen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung wurde Monsanto der Zutritt zum EU-Parlament untersagt. Der Grund: Der Konzern hatte sich geweigert, an einer Anhörung teilzunehmen,“ mailt WeMove.EU am 27.10.2017 mit Verweis auf einen Beitrag von the Guardian.

Hatte die Petition der EU-Parlamentarier Sven Giegold und Martin Häusling „Stoppt die Veränderung der Zulassung von Glyphosat!“ am 21. Oktober noch 181.000 Unterzeichnende, sind es nach weiteren 10 Tagen schon beinahe 284.000. Die neueste Nachricht zur Petition ist eine Meldung von nordbayern.de, nach der im Berchtesgadener Land eine Molkerei ihren rund 1.800 Milchproduzenten die Nutzung von Glyphosat ab sofort verbietet und das Verbot extern überwachen lassen will. Wow! Yippee!

Am 9. November plant die EU-Kommission, Glyphosat nur noch für 5 Jahre zuzulassen. „Angeblich will die deutsche Bundesregierung um 3 Jahre verlängern. Beide Vorschläge haben eines gemeinsam: Es geht nicht um ein Auslaufen der Zulassung sondern um eine Verlängerung. Nur eben verkürzt. Die Idee ist offensichtlich: Bei einer kürzeren Frist haben die kritischen Mitgliedsländer etwas erreicht und die Pro-Glyphosat-Staaten müssen das Gift nicht vom Acker holen“ (ebda., am 27.10.).

Und noch einmal Yippee! Denn Sven Giegold teilt in einer Neuigkeit zur Petition mit, dass die Mehrheit der nationalen Regierungen in Brüssel wieder gegen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung stimmte.

…  November 2017

27. November 2017 Was für eine Schmach! „Großer Ärger wegen Deutschlands Ja zur Glyphosat-Zulassung“ schreibt die Welt: „Die EU-Mitgliedstaaten stimmten dafür, die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters um fünf Jahre zu verlängern. 18 der 28 EU-Länder votierten für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission, neun Staaten votierten dagegen, einer enthielt sich. Deutschland stimmte für die Zulassungsverlängerung, anstatt sich wie bisher zu enthalten.“
Dafür zeichnet Landwirtschaftsminister Christian Schmidt verantwortlich, der entgegen der Absprache mit Umweltministerin Barbara Hendricks nicht bei der Enthaltung Deutschlands blieb. Seine fragwürdige Begründung (s. Welt, ebda): „die EU-Kommission (hätte) ,sich ohnehin für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat ‘ … Deutschland habe ,wichtige Bedingungen durchsetzen‘ können, sagte er der „Rheinischen Post“.

Der EU-Abgeordnete Sven Giegold resümiert verärgert auf Change.org unter „Glyphosat-Zulassung: Zustimmung der Bundesregierung ist Schlag ins Geischt von Verbrauchern + Umwelt“: „Der Sonderausschuss im Parlament zur Aufklärung der fragwürdigen Entscheidungsvorgänge bei Glyphosat muss jetzt erst recht kommen.“

Einen Tag später, am 28.11., gibt es ein breites Presseecho auf die Eigenmächtigkeit von Christian Schmidt und kommt eine Protestwelle ins Rollen –einige Beispiele:
Eil-Appell auf Campact: Der Monsanto-Minister muss gehen!
Petition auf change.org: Stoppen wir Glyphosat jetzt in Deutschland – so wie in Frankreich auch
Mail-Aktion an Angela Merkel vom Bund: Schluss mit Glyphosat, Frau Dr. Merkel

Bienenkörbe
Bienenkörbe

Chronologie seit März 2015 … Oktober 2016

Thiacloprid ist ein Nervengift, das z.B. in dem Schädlingsbekämpfungsmittel Lizetan von Bayer enthalten ist. Die deutsche Zulassungsbehörde hat das Pestizid als „bienenungefährlich“ eingestuft. Die Studie zeigt jedoch: Auch wenn das Nervengift nicht unmittelbar tödlich auf Bienen wirkt, wird trotzdem ihr Orientierungssinn so geschädigt, dass sie nicht mehr zum Bienenstock zurück finden und dadurch letztlich sterben. Außerdem können geschädigte Bienen nicht mehr miteinander kommunizieren.“ Weil BUND daraufhin eine Petition ins Leben rief, wurde der Verein wegen „geschäftsschädigender Behauptungen“ von Bayer verklagt. Gute Nachricht im März 2015: Bund gewinnt Rechtsstreit gegen Bayer.

Es kommt noch besser: Die die Entscheidungsträger in der EU beratende Expertengruppe von 13 Wissenschaftlern, das Wissenschaftsnetzwerk Easac, veröffentlichte am 8. April 2015 eine Studie (Link im Spiegel-Artikel vom 09.04.2015), in der Pestizide als Ursache für das Bienensterben bestätigt werden. Es sind insbesondere Neonicotinoid-Insektizide, die sich in Blättern, Blüten (Nektar und Pollen), Wurzeln und Stämmen von Pflanzen ablagern und Bienen und andere Insekten, in der Folge auch Vögel schädigen, wie eine weitere Forschergruppe schon im Juni 2014 publik machte. Campact übergab am 7. Mai 2015 über 220.000 Unterschriften für ein Verbot des Pestizids Glyphosat mit der Forderung „Glyphosatz muss vom Tisch“ an den niedersächsischen Agrarminister Christian Meyer (Grüne).

„Nachdem zunächst toom angekündigt hatte, Glyphosat auszulisten, ziehen auch OBI, Bauhaus, Globus und einige kleinere Anbieter nach,“ verkündet im Juni 2015 das Umweltinstitut München e.V., das in einem offenen Brief 26 Baumärkte und Internethändler aufforderte, Glyphosat aus dem Sortiment zu nehmen.

Aus einem ZEIT-Artikel vom 6. August 2015: „Laut einem in der vergangenen Woche vorgelegten Bericht der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC, die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, ist Glyphosat wahrscheinlich krebserregend. Das Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) kam bislang hingegen zu dem Schluss, dass Glyphosat – sofern sachgemäß dosiert – kein erhöhtes Risiko darstellt.“ Deshalb rufen das Umweltinstitut München und foodwatch gemeinsam dazu auf, sich direkt mit einer Mail an den Chef der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) Bernhard Url mit der Aufforderung zu wenden, sich gegen eine Neuzulassung von Glyphosat in Europa einzusetzen. Hier geht es zum Mitmachen!

„In Großbritannien dürfen wieder Bienenkiller-Pesitzide versprüht werden — trotz eines EU weiten Verbots. Besonders pikant: Überzeugen ließ sich die britische Regierung von Bayer und Syngenta — beide Firmen nahmen an einem entscheidenden Treffen über die Erlaubnis der sogenannten Neonikotinoide teil“, teilt SumOfUs Mitte August mit und veröffentlicht eine Petition, die sich an die EU-Kommission wegen der Befürchtung der Aufhebung des 2013 für zwei Jahre erteilten, also bald neu zu verhandelnden Verbots wendet.

Es wird weiter diskutiert und gestritten. „Die EU-Kommission hat ihre Entscheidung, ob Glyphosat in der EU weiter zugelassen wird, um ein halbes Jahr verschieben müssen“, heißt es am 17. September 2015 im Windkraft-Journal. In dem Artikel wird die Kampagne von Campact „Glyphosat muss vom Tisch!“ beworben (Unterschriften im Januar 2016: rund 360.000). Die ZEIT schreibt am 21. September 2015: „Kleingeredet oder irrelevant? Experten streiten um die Auslegung von Studien zum Krebsrisiko von Glyphosat. EU-Bauern dürfen das Pestizid weitere sechs Monate einsetzen.“

Das Umweltinstitut München weist auf eine Aktion vom 2. Dezember 2015 hin: „In einem offenen Brief kritisieren 96 WissenschaftlerInnen aus 25 Ländern die Risikobewertung des Wirkstoffes Glyphosat durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).“

Bäuerinnen und Bauern, die gegen Pestizide, Gentechnik und Tierfabriken sind, riefen zur Protestkundgebung „Wir haben Agrarindustrie satt!“ in Berlin am 16. Januar 2016 auf. Rund 25.000 Menschen nahmen teil. Selbstverständlich kamen auch Berufsimker zu Wort, z.B. Christoph Koch zu „Bienenschutz – Bienensterben“.

Die Europäische Kommission hat gerade eine neue Gefahr für die Bienen zugelassen: das Insektizid Flupyradifurone von Bayer“, so leitet SumOfUs diese sogleich aufgelegte Petition „Bayer öffnet wieder den Giftschrank“ ein, die 50.000 Unterschriften erzielen sollte und innerhalb kürzester Zeit, bis zum 21.01.2016, über 65.000 UnterzeichnerInnen fand. Mich auch.

Seit Anfang Februar 2016 sind schon auf Initiative von Avaaz beinahe 300.000 Kommentare zum Verschwinden der Bienen „unter einem Regen von Pestiziden“ an die Umweltschutzbehörde der USA gesandt worden, um deren Handeln zu unterstützen. Denn nach einer Studie der US-Regierung sind die Bienen bedrohenden Pestizide (Nervengift Neonikotinoide) „sogar in 29 Prozente der Babynahrung gefunden“ worden.

Spiegel Online veröffentlicht am 26. Februar 2016 den Artikel „Uno-Bericht: Bestäuber-Sterben bedroht Nahrungssmittelsicherheit“. In dieser ersten weltweiten Bestandsaufnahme vom Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES) der Uno wird festgestellt, dass „immer mehr Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber-Tiere vom Aussterben bedroht“ sind, und gefolgert, welche Auswirkungen sich daraus auf die landwirtschaftliche Produktion auf der ganzen Welt ergeben.

Bienenstock mit Weiselzelle (oben) für die Aufzucht einer Bienenkönigin
Bienenstock mit Weiselzelle (oben) für die Aufzucht einer Bienenkönigin

ERSTER ERFOLG Anfang März 2016

Die Glypohast-Zulassung wurde in Brüssel nicht verlängert, weil Frankreich, Italien und die Niederlande dagegen stimmten. Deutschland enthielt sich, denn Agrarminister Christian Schmidt (CSU) war dafür und die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dagegen.
„Mitte Mai soll erneut über ein Verbot des Ackergifts abgestimmt werden.“ Deshalb bittet Campact um Spenden für eine Aktionstour, bei der Lokaltermine von Argarminister Christian Schmit und Umweltministerin Barbara Hendricks mit Campact-Aktiven vor Ort demonstrativ begleitet werden sollen. Schon 5 € helfen.

„Unterzeichnen Sie jetzt unseren Appell gegen die Bienenkiller!“, ruft Campact erneut auf. Denn „Neonikotinoide sind für Bienen tödlich. Letztes Jahr noch hat Agrarminister Schmidt die Pestizide deswegen verboten. Jetzt gibt er dem Druck von Bayer, BASF und Co. nach – und könnte die Bienenkiller schon in den nächsten Tagen wieder erlauben.“

SumOfUs startet den Appell „Bayer: Lassen Sie Ihre Klage gegen die EU fallen“, die bis zum Oktober 2016 beinahe 1,5 millionenmal unterschrieben wurde.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will ein Glyhposat-Materialpaket mit Poster, Aufkleber und Unterschriftenliste herstellen und sucht Unterstützung für die Verteilung. Hier kann Interesse bekundet werden.

April 2016: EU Parlament stimmt für eine verkürzte Zulassungsdauer

… nur noch 7 statt 15 Jahre. Darüber hinaus sollten Beistoffe überprüft werden. – In diesem Verfahren hat das Parlament allerdings kein Mitbestimmungsrecht bei dem, was die EU-Kommission entscheidet. Aus der ZEIT: „Anfang März hatten die Mitgliedsländer und die EU-Kommission eine Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat vertagt, da keine Mehrheit für den Beschluss zustande kam. Dies soll spätestens im Mai nachgeholt werden.“ Das deutsche Argrarministerium steht der Neuzulassung nach wie vor positiv gegenüber.

Mitte April 2016: „Wir lassen uns nicht den Mund verbieten“

… titelt Campact eine Rundmail und schreibt weiter: „,Herr Minister Schmidt, keine Erlaubnis für Bienenkiller!‘ Diese Überschrift im ,Bayernkurier‘ sollte die CSU-Anhänger/innen aufrütteln. Doch das CSU-Blatt lehnte unsere Anzeige ab. Jetzt erst recht! Nächste Woche veröffentlichen wir unseren Appell in drei großen bayrischen Zeitungen – wenn Sie helfen.“ Hier der Spendenaufruf für die farbige Anzeige.

20. April 2016: Das Bundeslandwirtschaftsministerium sendet mir eine Mail

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund der aktuellen Berichterstattung zum Thema Bienenschutz und Neonikotinoide möchten wir Ihnen gerne folgende Informationen mitteilen.

Wichtig ist: Das BMEL plant keine Wiederzulassung Neonikotinoid-haltiger Beizmittel.
Ohne die geplante Verordnung Deutschlands könnte aber mit Neonikotionid-haltiger Beize im Ausland behandeltes Saatgut ungehindert nach Deutschland verbracht und hier ausgesät werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erklärte hierzu:
„Mir ist der Schutz der für die Natur und für uns Menschen so wichtigen Bienen ein sehr großes Anliegen. Deshalb hatte ich im Juli 2015 eine Eilverordnung erlassen, die den Handel und das Aussäen von Wintergetreide-Saatgut in Deutschland verbot. Nach dem Pflanzenschutzgesetz darf eine solche Eilverordnung längstens für sechs Monate gelten. Außerdem gab es Beanstandungen der EU-Kommission, dass der Verkehrsfreiheit von Pflanzenschutzmitteln stattgegeben werden müsse.
Damit der Schutz der Bienen dauerhaft gilt, ist die jetzige Verordnung Deutschland notwendig und zielführend.
Die Verordnung Deutschlands schreibt das Anliegen der Eilverordnung fort und ist eine Verschärfung der gültigen EU-Regeln: Mit der Verordnung stärkt das BMEL den Bienenschutz durch anspruchsvolle Anforderungen beim Saatgut von Wintergetreide, das außerhalb von Deutschland mit Neonikotinoiden behandelt wurde. Gleichzeitig entspricht die Verordnung den EU-rechtlichen Rahmenbedingungen.“

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt unterzeichnete am 21. Juli 2015 zum Schutz vor massenhaftem Bienensterben eine Eilverordnung. Die Verordnung verbot den Handel mit und das Aussäen von Wintergetreide-Saatgut, das mit Pflanzenschutzmitteln mit bestimmten Neonikotinoiden behandelt wurde.
Die Eilverordnung lief nach sechs Monaten im Januar 2015 aus.
Zum dauerhaften Schutz der Bienen ist die jetzige Verordnung Deutschlands notwendig.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen Julius Kühn-Institut (JKI) führen Abriebwerte unterhalb eines bestimmten Grenzwertes je Hektar nicht zu Bienenschäden. Dem wurde durch sehr anspruchsvolle Anforderungen vor dem Hintergrund des freien Warenverkehrs in der EU im Verordnungsentwurf Deutschlands berücksichtigt.
Der Entwurf zur Verordnung befindet sich zurzeit zur Notifizierung bei der EU-Kommission. Die Mitgliedstaaten haben dabei die Möglichkeit, den Entwurf zu kommentieren. Nach Abschluss der Notifizierung wird der Entwurf ggf. angepasst und dann dem Bundesrat zur Zustimmung zugeleitet. Geplant ist, dass die Verordnung im Laufe des Jahres in Kraft tritt.

Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Steffen Heinzelmann
Pressereferent

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Dienstsitz Berlin
Wilhelmstr. 54, 10117 Berlin
Fon: +49 30 / 18 529 31 99
Mobil: +49 160 90 48 34 34
Fax: +49 30 / 18 529 31 79
Steffen.Heinzelmann@bmel.bund.de
http://www.bmel.de

21. April 2016: Pressekonferenz in Berlin

… vom Umweltinstitut München, auf der neue Belege zum systematischen Aussortieren oder Abqualifizieren relevanter Studien sowohl vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als auch von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA vorgelegt wurden. „Deshalb schließt sich das Umweltinstitut einer Strafanzeige der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 gegen den Glyphosat-Hersteller Monsanto und die federführenden Zulassungsbehörden an.“

BUND zeigt mit schwarzem Humor sehr anschaulich in einem Cartoon-Video, „wie man ein gemeingefährliches Gift in Europa auf den Markt bringt“.

29. April 2016: EU-Kommission zieht 10 Jahre Verlängerung in Erwägung

Aufgrund dessen sammelt Avaaz Stimmen gegen Monsanto verbunden mit dem Versand Eilnachrichten an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Landwirschaftsminister Christian Schmidt und Umweltministerin Barbara Hendricks.

Das Umweltinstitut erinnert die Umweltministerin mit einer E-Mail-Aktion an ihr Versprechen, mit „Nein“ gegen eine Verlängerung zu stimmen.

11./12. Mai 2016: Neuer Kommissions-Entwurf sieht 9 Jahre vor

Das Umweltinstitut analysiert diese Beschlussvorlage und gibt (wie viele andere Mitstreiter) in derselben Meldung die überraschende Twitter-Nachricht von Umweltministerin Barbara Hendricks bekannt, die sich nun dazu entschieden hat, eine deutsche Zustimmung zur Wiederzulassung von Glyphosat zu blockieren.

19. Mai 2016: Abstimmung nochmals verschoben

BUND berichtet: „Am 19. Mai hätte in Brüssel über die Wiederzulassung von Glyphosat entschieden werden sollen. Bei der Probeabstimmung sind erneut nicht genügend Stimmen für die Wiederzulassung zusammengekommen Die Kommission wollte keine Niederlage riskieren und sagte die Entscheidung daraufhin ab …“ (weiterlesen) Auch in den folgenden Wochen kam es zu keiner qualifizierten Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten.

24. Mai 2016: Ein Mega-Deal wird bekannt

Campact startet am 24. Mai einen Aufruf zu einem brandeiligen Appell an den Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann. Die fundierte Begründung: Seit einigen Monaten ist unter den Agrochemie-Konzernen weltweit eine Fusionswelle in Gang. DuPont hat Dow geschluckt. Chem-China kauft gerade den bisherigen Pestizid-Marktführer Syngenta. Jetzt will Bayer beim Konzern-Monopoly nachziehen“ und für 62 Milliarden US-Dollar Monsanto kaufen.

Am selben Tag titelt die Welt „Monsanto lehnt Milliarden-Übernahmeangebot von Bayer ab“, das Angebot sei zu niedrig.

Sich offline engagieren … Material seit 27. Mai 2016

Beim Umweltinstitut können Bienenretter-Pakete zum Auslegen und Weitergeben bestellt werden. Sie beinhalten Faltblätter, Aufkleber und Unterschriftenlisten.

1. Juni 2016: EU-Kommission will Zulassung um 12 bis 18 Monate verlängern

„… und die Entscheidung über die eigentliche Wiederzulassung aufschieben“, meldet das Umweltinstitut. „Schon am 6. Juni soll über den neuen Vorschlag abgestimmt werden. Das verkündete EU-Kommissar Andriukaitis heute auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz in Brüssel … Und noch immer zeichnet sich unter den Mitgliedstaaten keine qualifizierte Mehrheit für die Wiederzulassung des Unkrautvernichters ab …“ (weiterlesen)

Europaweiter Appell gegen den Monsanto-Deal von Bayer

WeMove.EU startet die Petition „Bayers Übermacht verhindern, Monsanto-Deal stoppen!“ Sie richtet sich an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, den Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und den Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. Ein offener Brief von Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher, Sven Giegold, wirtschaftspolitischer Sprecher und Michel Reimon, wettbewerbspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Europaparlament, allesamt Organisatoren dieses Appels, wird zusammen mit dieser Petition übergeben werden.

6. Juni 2016: Glyphosat-Wiederzulassung weiter offen

Es kam wieder nicht zur Einigung in der EU-Kommission, und sofort werden Ängste geschürt: Was passiert, wenn es ohne Glyphosat gehen muss, den Bauern drohen große Probleme! In Die Welt z.B. unter der Schlagzeile „Europa blamiert sich im Streit um Glyphosat“. Meine Frage: Was passierte, als es nach Jahrzehnten ohne das sich als für Mensch und Tier schädlich erwiesene Insektengift DDT gehen musste?

Honigbienen
Honigbienen

… 29. Juni 2016 – EU-Kommission … verhaltenes UMDENKEN BEWIRKT !!!

Jubel in allen Organisationen, die die Proteste auf den Weg brachten … BUND schreibt: „Die ursprünglich geplante Wiederzulassung von Glyphosat für 15 Jahre ohne Auflagen ist geplatzt. Stattdessen gibt es eine Verlängerung der Zulassung um bis zu 18 Monate. Innerhalb dieser Zeit soll die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) die Krebsgefahr von Glyphosat neu bewerten.“

Die Partnerorganisation Corporate Europe Observatory (CEO) von Lobbycontrol entlarvt geheime, nicht in das seit Dezember 2014 verpflichtende EU-Transparenzregister eingetragene Treffen der EU-Kommission mit Chef-Lobbyisten von Google, Bayer und Co., die über die Organisation Amisa2 veranstaltet werden: „Seit 1994 ist Amisa2 bzw. ihre Vorgängerorganisationen einzig dazu da, monatlich exklusive Frühstücksdebatten für eine Liste von 18 Unternehmen zu organisieren, die sich wie ein Who is who der Weltkonzerne liest: Unter anderem Airbus, Allianz, BASF, Bayer und Google. Etwa 290 dieser Veranstaltungen gab es seit 1994. Die Öffentlichkeit hat von ihnen keinerlei Kenntnis.“

… 17. August 2016 – Ergebnisse einer Studie aus England

Unter der Überschrift Neonikotinoide: Pestizide bedrohen Wildbienen und Schmetterlinge veröffentlicht der SPIEGEL, dass eine Studie des britischen Zentrums für Ökologie und Hydrologie (NERC) diesen Zusammenhang nahelegt: „Forscher um den Insektenkundler Ben Woodcock haben untersucht, wie sich der großflächige Einsatz von Neonikotinoiden auf 62 Wildbienenarten in Großbritannien von 1994 bis 2011 ausgewirkt hat. 2002 waren die Pestizide dort erstmalig zugelassen worden.“ Weiter unten heißt es: „Nach Ansicht des Neurobiologen Randolf Menzel, der zu den führenden Bienenforschern Deutschlands zählt, zeigt die Studie, wie groß der Einfluss der Neonikotinoide wirklich ist – und das über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum.“ Es werden weitere Forschungsergebnisse aufgeführt und bedenkliche Entwicklungen benannt, darunter der dramatische Rückgang von Schmetterlingsarten.

Global 2000 lädt zum Herunterladen der kostenlosen „Schmetterlinge Österreichs“ App ein – als Initiative zum Schutz der heimischen Falter.

… August/September 2016

Frankreich hat bisher als einziges Land in der EU Neonikotinoiden ein Totalverbot erteilt, berichtet das Bienenjournal am 24. August. SumOfUs, eine international tätige Verbraucherbewegung, meldete, dass von ihrer Seite mit 700.000 Stimmen erfolgreich Druck für das Verbot gemacht wurde. „SumOfUs kämpft bei der weltweiten Kampagne zur Rettung der Bienen an vorderster Front. Der Einsatz von zehntausenden SumOfUs-Mitgliedern hat zu dem öffentlichen Druck beigetragen, der die Baumarktkette Lowe’s zu einem Verkaufsstopp bienengefährdender Pestizide bewegt hat. Und Bayer haben wir mit den Unterschriften von mehr als einer Million SumOfUs-Mitgliedern auf der eigenen Hauptversammlung die Hölle heiß gemacht.“ Diese neue Petition von SumOfUs richtet sich an die EU-Kommission: Verbieten Sie alle bienentödlichen Neonikotinoide.

Das Umweltinstitut München meldet Anfang September „Neues Bienengift: Geheimsache Sulfoxaflor“, von Dow Chemical für den Einsatz in Deutschland beantragt beim Bundesant für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es handelt sich um ein Pestizid, das bei der Schädlingsbekämpfung die Artenvielfalt bedroht, eben auch Honigbienen. Das Genehmigungsverfahren unterliegt dem Geschäftsgeheimnis und wurde dem Umweltinstitut nur zufällig bekannt.

… im September 2016 kaufte Bayer Leverkusen Monsanto

Der Kaufpreis nach Verhandlungen seit Mai: 66 Milliarden Dollar. Der Kauf ist unter verschiedenen Aspekten umstritten, denn Bayer avanciert damit zum größtem Agrarchemie-Konzern der Welt. Bisher war Bayer bei der Produktion von Pflanzenschutzmitteln die Nummer zwei, Monsanto bei der Produktion von Saatgut die Nummer eins. Es gibt noch eine kartellrechtliche Prüfung, die allerdings nach Expertenmeinungen nur auf einige Produkte beschränkt bleiben dürfte, wie es z.B. das Handelsblatt ausführt.
Investoren sind skeptisch und vermuten, dass Bayer die Pharmasparte wegen der hohen Investitionen in die Agroindustrie vernachlässigen wird. Umweltorganisationen und kritischeVerbraucher sind beunruhigt, dass Markt- und Lobbymacht zur Zulassung von noch mehr Neonikotinoiden und genetisch veränderten Lebensmitteln führen könnten. Landwirte befürchten eine Auswahlbeschränkung an Saatgut und steigende Preise, insbesondere in Indien und Afrika
Die Welternährung vor Augen – von heute 7,3 Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen bis 2050 (UNO-Prognose) – wird die Notwendigkeit einer fortschreitenden Industrialisierung der Agrarproduktion im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft als unabdingbar angesehen. Im Zuge dessen findet das von Monsanto entwickelte Digital Farming, das nun von Bayer eingekauft ist, auf breiter Basis Fürsprecher. Gleichermaßen wird allen Kritikern, die sich gegen Umweltgifte und die Genmanipulation von Pflanzen wenden, Fortschrittsskeptizismus unterstellt, der auf Ängsten und Dummheit gründet. Ist das nicht zum Lachen? Hingegen hat die ETH Zürich ein allgemein ansprechendes „Leitbild für die digitale Landwirtschaft“ entworfen.

… Oktober 2016  – „Maulkorb“ für einen namhaften amerikanischen Bienenforscher … Bitte um Spende

Dr. Jonathan Lundgren – Agrarökologe, Insektenforscher (Entomologe) und langjähriger leitender Forschungsmitarbeiter beim Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA) –, wurde zunächst vom Dienst suspendiert und dann gefeuert, weil er in seinen Forschungen die nachteiligen Auswirkungen von weit verbreiteten Pestiziden insbesondere auf die Bienen nachgewiesen und mehrfach veröffentlicht hat (s. auch Washington Post, 28.10.2016, schon seit Oktober 2015 gibt es Aufruhr wegen Whistleblowing in den Medien und im Internet). Er will nun seine Forschungen unabhängig fortsetzen und wird schikaniert, wogegen er sich anwaltlich zur Wehr setzt.
SumOfUs: „Diesen Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft dürfen wir nicht hinnehmen. Wir wollen Dr. Lundgren dabei unterstützen, die Ursachen für das Bienensterben weiter zu erforschen — helfen Sie uns dabei mit einer Spende? Ein Teil des Geldes finanziert die Anwaltskosten von Dr. Lundgren, mit dem Rest wollen wir Unterstützung vor Ort organisieren …“

SumOfUs teilt in einer E-Mail vom 28.12. mit: Tausende SumOfUs-Mitglieder haben gespendet, damit Jonathan Lundgren dem weltweiten Sterben der Bienen dennoch weiter auf den Grund gehen kann. Jonathan Lundgren ist dankbar für diese Unterstützung, die es ihm ermöglicht, seine Arbeit fortzusetzen. Es war ihm wichtig, Ihnen selbst eine Nachricht zu schreiben: ,Dank der großzügigen Unterstützung der SumOfUs-Mitglieder konnten wir Ausrüstung und Instrumente für unser neues, unabhängiges Forschungslabor kaufen. Außerdem fließt ein Teil des Geldes in unsere Demo-Farm, auf der wir bereits hunderten von Farmern und Interessierten aus aller Welt die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft näher gebracht haben. Wir können uns gar nicht genug dafür bedanken, dass Sie uns das ermöglicht haben!“

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Ökozidkonzept für Europa … MONSANTO-TRIBUNAL: 14.–16. Oktober 2016 in Den Haag

Beim Europäischen Umweltbüro wurde am 1. Dezember 2014 das Ökozidkonzept von Prisca Merz, Initiatorin der Europäischen Bürgerinitiative (ECI), vorgestellt, und am 26. Februar 2015 gab es zwei Anhörungen im Europaparlament. Die Petition End Ecocide in Europe“ ist seit September 2014 von über 200.000 Menschen unterzeichnet worden.

Bekanntgabe März 2016: End Ecocide arbeitet mit einer Reihe von Partnern an einem Tribunal gegen Monsanto, das vom 14. bis 16. Oktober diesen Jahres in Den Haag, Niederlanden, stattfinden wird: Informationen zum Tribunal

Neueste und umfassende Informationen in zehn Sprachen erreichten mich per Mail am 8. Oktober 2016, kurz vorm Tribunal.

Monsanto nahm die Einladung zum Tribunal nicht an, sah darin einen Scheinprozess. Hier ein Bericht vom 15. Oktober von tagesschau.de. „Das Urteil – rechtlich nicht bindend – soll im Dezember veröffentlicht werden.“ Auf YouTube gibt es einige Videos zum Tribunal.

Ein weiteres Beispiel für das umwelt- und menschenmissachtende Handeln von Biotech-Firmen ist das Versuchsfeld für Genpflanzen, das Syngenta auf der entlegenen hawaiianischen Insel Kauai betreibt. Hier kommen seit Jahren Unmengen von anderswo auf der Welt verbotenen Pestiziden zum Einsatz: eine Reportage vom November 2014 beleuchtet die Zeit seit 2006. „Bei Kauais Bevölkerung häufen sich Berichte über merkwürdige Krankheiten.“ Wie massive Proteste aus der Bevölkerung und Gesetzesänderungen mit Lobbyisten unterwandert werden, wird ausführlich beschrieben. Eben googelte ich eine Meldung aus dem Januar 2016, in der über einen jüngeren Unfall berichtet wird.

Mehr Informationen zur Situation der Honigbiene

In der Broschüre „Bienen – Unverzichtbar für Natur und Erzeugung“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die für den Imker-Beruf wirbt, finden die Chemikalien keine Erwähnung. Der Rückgang an Bienenvölkern wird zwar festgehalten, doch eine Beziehung zu den Chemikalien nicht hergestellt.

Als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit im Januar 2013 feststellte, dass drei Pestizide ein unzumutbares Risiko für Bienen darstellen, kam es zu EU-weiten Protesten mit zig Petitionen. Von Avaaz wurde in Brüssel eine 2,6 Millionen Unterschriften umfassende Petition überreicht … Erfolg! – Greenpeace informierte am 1. Dezember 2014 darüber, dass BASF zusammen mit Kartoffelerzeugern nach dem Verbot von vier Pestiziden einen Antrag auf Sonderzulassung von Fipronil stellte.

Avaaz aktualisierte Ende 2014 eine Petition, um das angestrebte Verbot von Pestiziden der „Pollinators Health Task Force“ vom Weißen Haus zu unterstützen. Bis August 2015 unterschrieben schon beinahe 3,4 Millionen Menschen. Am 14. Oktober 2017 sehe ich 4.444.372 Unterschriften.

In Österreich wurde schon vor 25 Jahren der Verein ARCHE NOAH gegründet, der sich inzwischen als Gesellschaft mit über 11.000 Mitgliedern der Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt widmet und auch politisch engagiert. – Saatgut von 6.000 Pflanzen befindet sich im Pflanzenarchiv. „Im Juni 2014 erklärte die UNESCO auf Antrag von ARCHE NOAH das Wissen um den traditionellen Samenbau zum schützenswerten Kulturerbe.“

Neuigkeiten zu Saatgut und Bienen, u.a. auch zum Monsanto-Tribunal, gibt es bei der Zukunftsstiftung Landwirtschaft unter dem Dach der GLS Treuhand.

Als „Botschafter der Bienen“ sieht sich u.a. der Imker Klaus Ahrens, in dritter Generation Inhaber der seit 1910 in der Lüneburger Heide bestehenden Traditionsimkerei Ahrens. Er wurde im Juni 2014 vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil als „Kulinarischer Botschafter Niedersachsens“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung nutzt er nun in seiner Funktion als Geschäftsführer Niedersachsen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes, um mehr Gehör beim Einsatz zum Schutz der Bienen zu finden. (Übrigens mag ich seinen Honig sehr!)

Wollen wir wirklich einen „Bienen-Ersatz“? An Roboter-Bienen wird schon seit mehreren Jahren getüftelt, wie u.a. auf YouTube zu sehen ist. – Bienen stehen vermutlich noch nicht auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenartender der Weltnaturschutzunion (IUCN). Doch ist schon rund ein Drittel aller 82.945 untersuchten Arten gefährdet, nämlich 23.928, so der WWF im September 2016.

Abbildungen: pixabay.com

aktualisiert: 07. Dezember 2019

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:

4 Gedanken zu „Petitionen für das Bewahren der Honigbiene und einer gesunden Umwelt – mit Hintergrundinformationen

  1. Liebe Sandra,
    viel Erfolg mit der Imkerei wünsche ich Euch!
    Vor kurzem entdeckte ich die Bienenhaltung in der Stadt – mal Stadtbienen, mal Balkonbienen genannt. Bei YouTube gibt es einige Beiträge dazu. Streit um sich daraus möglicherweise ergebende Gefahren für die Mitmenschen gibt es auch schon.
    Liebe Grüße, Evelyn

  2. Hallo Evelyn,
    schön, dass Du Dich auch mit Bienen befasst. David, mein Lebensgefährte, ist genau aus diesem Grund seit 2 Monaten Bienenhalter. Bei uns stehen jetzt 2 Bienenstöcke direkt vor unserem Wohnzimmerfenster mitten in unserem Garten. Leider wird auch in unserer Umgebung die Landwirtschaft nicht nur ökologisch betrieben, so dass Davids Bienchen wohl auch mit der harten, pestizidbelasteten Wirklichkeit konfrontiert werden. Wir hoffen, dass es Ihnen trotzdem gut geht und wir mit unseren Bienen, den Eulen- und Fledermauskästen, einen kleinen Beitrag leisten können, der die Natur unterstützt.
    LG
    Sandra

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