Was ist Inspiration? Was inspiriert mich zum Schreiben? – von Karin Braun

Karin Braun
Karin Braun

Man könnte kurzer Hand sagen: Alles inspiriert! Aber das wäre doch ein wenig zu pauschal. Es kann alles sein, trifft es vielleicht eher.

Um ein Beispiel zu nennen. Mein Ex-Mann ist zu Besuch, wir reden über dies und das, auf einmal steht er auf und sagt: „Ich muss jetzt zu IKEA und noch ein bisschen in ,meinem‘ Stuhl sitzen.“ Eine wunderliche Bemerkung. Ich frage nach, was es mit „seinem“ Stuhl auf sich hat. Daraufhin erklärt er mir, dass es dort in der Gartenabteilung einen Stuhl gibt, auf dem er gerne sitzt, von dort könne er Menschen beobachten, ohne mit jemanden reden zu müssen. Fast augenblicklich beginnt es bei mir zu rattern. Auf einmal ist da ein Mann mittleren Alters, Soziophobiker, nach Wegen suchend, Menschen nahe zu sein, ohne mit ihnen wirklich in Kontakt zu treten. So kam es zu meiner Erzählung „Lebst du noch oder wohnst du nur?“, in der jemand letztendlich bei IKEA einzieht und zu einer Werbeikone wird.

Lebst_Du_noch2Oft sind eine Bemerkung, etwas was man liest, sieht oder hört auslösende Momente. Der Schriftsteller, Drehbuchautor und Professor für Kreatives Schreiben Hanns-Josef Ortheil nennt es ein Faszinosum. Es ist etwas, woran wir hängen bleiben, was weiterarbeitet, und manchmal tritt es nach außen, manchmal halt nicht.

Warum nun scheinen einige Menschen inspirierter, hören öfter als andere: „Woher nimmst du nur bloß immer deine Ideen?“ Ich weiß es nicht, glaube aber, dass es generell jeder kann, nur hat eben nicht jeder den Wunsch, Geschichten zu schreiben oder Bilder zu malen. Dann kommt natürlich mit der Zuwendung zu einem künstlerischen Beruf eine andere Offenheit für das Geschehen um einen herum.

Wenn ich an einer Geschichte schreibe, dann ist alles wichtig. Da bewegt jemand seine Hand auf eine bestimmte Weise und ich denke, genau so würde soundso winken. Mir ist es besonders aufgefallen, als ich zu fotografieren begann. Zuerst wurde mehr oder weniger nur das Offensichtliche abgelichtet, doch mit der Zeit schärfte sich der Blick und ich entdeckte mehr und mehr Details, die dem oberflächlichen Betrachter entgingen. Da ging mir auf, dass es mit dem Schreiben ähnlich ist, man entdeckt etwas und arbeitet damit.

Betrachtet man ein Detail mal aus diesem, mal aus jenem Blickwinkel, stellt es in einen anderen Zusammenhang, lässt seinen Assoziationen freien Lauf ist da plötzlich eine Geschichte. – Aktuell schreibe ich an einem Buch, der Arbeitstitel ist „Abseits“. Die Idee entstand, als ich verärgert über meine Heimatstadt ausrief: „Dieses Nest sollte man von der Landkarte radieren!“ Was daraus geworden ist, kann man im nächsten Jahr lesen, da wird der erste Teil der Geschichte erscheinen.

Also fassen wir zusammen: Inspiration kann alles sein und von überall her kommen. Jeder Mensch kann sich mit Sicherheit an irgendeine Handlung erinnern, die aus der Inspiration des Augenblicks entstanden ist, nur eben nicht jeder schreibt eine Geschichte oder malt ein Bild, um seine Eindrücke zu verarbeiten und so sind diese Inspirationen eher privat.

Karin Braun, auch Autorin im Internet

Ein Gastbeitrag zum Thema „Buchherstellung“, Evelyn Kuttig

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