Wie eine Geschichte sich zu einem Roman in zwei Bänden entwickelte: Benedetto – von Antje Caic

Antje Caic auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Die Geschichte schwärte schon lange in mir und irgendwann fing ich einfach an, sie in die Tasten zu hauen. Dabei stellte ich fest, dass es mit dem reinen Schreiben nicht getan war und ich begann zu recherchieren, um den historischen Hintergrund so genau wie möglich darstellen zu können. Bücher zu meinem Thema fand ich unter anderem in der Geschichtswerkstatt Lüneburg, in der Leuphana-Universität – und der Ratsbücherei, aber einige Titel musste ich auch aus ganz Niedersachsen bestellen und manchmal so oft verlängern lassen, dass die Bibliotheksmitarbeiter ungeduldig wurden.

Während des Schreibens machte ich eine interessante Erfahrung:

Meine Figuren begannen ein Eigenleben zu entwickeln, sie trafen Entscheidungen, die ich ihnen eigentlich nicht zugedacht hatte und handelten anders, als ich im Konzept geplant hatte. So hatte ich mir Benedetto ursprünglich als italienischen Soldaten gedacht, der in Kriegsgefangenschaft gerät. Dass er sich gleich am Anfang der Resistenza anschließt und Anschläge auf die deutschen Besatzer verübt, war so nicht geplant. Geblieben ist bei der Transformation sein sanfter, wenig heldenhafter Charakter.

Immer wieder litt ich mit meinen Charakteren, wenn die Handlung des Romans es erforderlich machte, sie leiden zu lassen:

Ob nun der verzweifelte Benedetto im Kerker nicht weiß, ob er den nächsten Morgen noch erleben wird, oder es notwendig war, Marek ermorden zu lassen, waren Momente, an denen ich lange zu knapsen hatte.

Jetzt ist sie endlich erschienen – die Geschichte des italienischen Militärinternierten Benedetto Natisone, der während des 2. Weltkriegs als Zwangsarbeiter auf einem Bauernhof im Alten Land gestrandet ist, wo er nicht der Einzige ist, der unter der Nazi-Diktatur leidet und sehnsüchtig auf die Befreiung wartet. Außer Benedetto besteht die Hofgemeinschaft aus zwei weiteren Zwangsarbeitern und der dreiköpfigen Bauernfamilie, von denen jeder seine eigenen Gründe hat, mit der Situation zu hadern und auf bessere Zeiten zu hoffen. Der Held im eigentlichen Wortsinn in meinem Roman ist aber ohnehin nicht Benedetto, aus dessen Sicht nahezu der ganze Roman erzählt wird, sondern Bauer Timmermann, der in seinem winzigen Einflussbereich tut, was er kann, um den Menschen, über die er nach dem Verständnis des Systems herrschen soll und für die er nach seinem eigenen Verständnis verantwortlich ist, das Leben so wenig beschwerlich wie möglich zu machen.

Auf das Erscheinen meines Buches habe ich lange gewartet. Schließlich gab der Novum Verlag meinem Manuskript ein Zuhause. Mit einem behutsamen Lektorat, einem schönen Layout und Cover sowie zügiger Bearbeitung hat mich die Arbeit des Verlags überzeugt.

Leseproben Band I und II

Marketing und Verkauf sind dagegen nicht gerade die besonderen Stärken des Novum Verlags. Das Werbematerial, welches der Verlag zur Verfügung stellte, entsprach nicht immer meinen Erwartungen, so dass wir zum Beispiel auf eigene Faust eine neue Leseprobe entwarfen. Auch die Kommunikation zwischen dem Verlag auf der einen und Buchhandlungen sowie Journalisten auf der anderen Seite lässt zu wünschen übrig.

Zum Schluss eine kurze Erinnerung an den Beginn der Zusammenarbeit mit dem Novum Verlag:

Nachdem ich die Nachricht erhalten hatte, dass der Novum Verlag meinen Roman verlegen würde, reiste ich mit meinem Mann Branko zur Vertragsunterzeichnung nach München. Dort erzählte uns Frau Krüger, wie die Entscheidung für (oder gegen) ein Manuskript fällt: Zuerst lese sie den Anfang, dann ein paar Seiten am Ende eines eingereichten Manuskriptes. Wenn ihr das Gelesene gefällt, schlägt sie noch einmal irgendwo in der Mitte auf und liest noch einmal ein paar Seiten. Nachdem sie Anfang und Ende des Benedetto-Manuskriptes gelesen hatte, „musste“ sie auf der Stelle das gesamte Manuskript durchlesen …

Benedetto kann in allen Buchhandlungen sowie bei Amazon bestellt werden und ist auch als E-Book erhältlich:
Antje Caic, Benedetto, Bd. 1 „Jenseits des Stacheldrahts“
Antje Caic, Benedetto, Bd. 2 „Hoffnung auf Freiheit“

Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, SCHWARZaufweiss Evelyn Kuttig

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