1993–2006 „Newsletter“ vom Bücherfrauen e.V. – 10 Jahre danach, Teil 1

Am 5. Juli 2006 war Redaktionsschluss für die letzte Ausgabe, 14. Jahrgang, 28. Heft des Newsletter. Ein unauffälliges Jubiläum, das mich veranlasst, die Geschichte dieses Vereinsmediums und seines Endes zu erzählen.

Ich erfuhr 1991 in der Vorbereitungsphase meiner Selbstständigkeit von Dietrich zu Klampen, damals Buchhändler, heute Verleger, vom Bücherfrauen e.V. – Der Verein wurde Ende 1990 nach dem Vorbild von Women in Publishing in England von 17 Frauen auf Initiative von Andrea Schaeffler in München gegründet. Die herausragende Qualität der Arbeit von Frauen in Verlagen und ihre Ungleichbehandlung sichtbar zu machen war der Motor. Frauen sind zwar zahlenmäßig weit überlegen, doch schlechter bezahlt als Männer und in Führungspositionen kaum vertreten.

Dem Verein gehören also beruflich mit Büchern befasste Frauen aus dem Buchhandel, Verlagen, Agenturen und angrenzenden Arbeitsbereichen an. Vertreten sind mittlerweile über 50 Professionen!

Ich war begeistert von der Hamburger Regionalgruppe, von dem von Offenheit getragenen Austausch und Informationsfluss. Ich lernte Doris Janhsen, Heike Wilhelmi, Karen Nölle (mehrfache Gastautorin auf diesem Blog) und viele andere kennen und trat bei.

1992 gab es 6 Regional- und Städtegruppen im Westen Deutschlands, 1993 schon 8 (plus Dresden in Gründung), bis 2006 bestanden mit der Städtegruppe Dresden und einem Stammtisch in Leipzig bereits 17 allein in Deutschland. Hinzu kamen von Anfang an vermehrt internationale Anbindungen (England, Frankreich, Österreich, Schweiz, Ungarn u.a.).

Ehrenämter

Ich wurde vom Ehrenamt-Virus infiziert. Ab 1992 trat ich das Amt der Finanzfrau im Vorstand an, Erste Vorsitzende war Heike Wilhelmi. Ich machte eine erste Bestandaufnahme der Mitgliedschaften, reine Detektivarbeit mit viel Korrespondenz und Telefonaten Ich trieb Beitrittserklärungen und Beiträge ein und erarbeitete Budgets für die Regional- und Städtegruppen. Von 340 irgendwie registrierten Frauen blieben rund 150 übrig. Nahezu 40 Stunden im Monat wandte ich für meine Ehrenämter auf, zu denen die ersten Newsletter-Ausgaben und eine Kassenfrau-Position in einem Lüneburger Verein gehörten. – Wie ich das neben dem Aufbau meiner Selbstständigkeit bewältigte, ist mir heute schleierhaft. Doch es hat mir viel Freude gemacht.

Das Amt der Finanzfrau übergab ich Ende 1995 nach den Vorstandswahlen in Stuttgart an Kathrin Bietz, in dem Jahr, in dem die Geschäftsstelle von Ingrid Daniel betreut in Hamburg ins Leben gerufen wurde. Wir waren inzwischen über 500 rührige Frauen im Verein und hatten mit unseren Veranstaltungen einiges an medialer Aufmerksamkeit bewirkt. Die Adressverwaltung, die ich aufbaute, übernahm 1994 die neue Schriftführerin im Vorstand Dagmar Schadenberg, mit Andrea Krug Gründerin vom Verlag Krug und Schadenberg.

1998 – Evelyn Kuttig überreicht eine Zigarre an Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke für Ministerpräsident Gerhard Schröder
1998 – Evelyn Kuttig überreicht eine Zigarre an Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke für Ministerpräsident Gerhard Schröder
1998 – Evelyn Kuttig hält eine Ansprache zum Sinn und Zweck des Bücherfrauen e.V.
1998 – Evelyn Kuttig hält eine Ansprache zum Sinn und Zweck des Bücherfrauen e.V.

Am 23. Mai 1998, mit 49 Jahren, wurde ich in Celle auf dem „Tag der Ehrenamtlichen im Regierungsbezirk Lüneburg“ mit einer Ehrenurkunde für meine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich Kulturabeit vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder ausgezeichnet. Der Grund war zu meiner Überraschung mein Wirken für den Bücherfrauen e.V.: die dreijährige Vorstandsarbeit, die Präsentation des Vereins auf der Frauenmesse F.A.M.E ’96 in Hannover zusammen mit Martina Rußmann und Brigitte Mauch, die Erstellung des Newsletter und erfolgreiches Netzwerken. Ich informierte Gertrud Lehnert, Erste Vorsitzende, diese den Erweiterten Vorstand und die Pressefrau Claudia Kramatschek, diese wiederum weitere Pressefrauen … Es gab Resonanz in der Branchenpresse und in niedersächischen Tageszeitungen. Im Heft 2/1998 berichtete ich über mein Abenteuer.

8. März 1999, Internationaler Frauentag im Lüneburger Glockenhaus – v.l.n.r. Kerstin Fischer, Evelyn Kuttig, Henrike Gundlach und weitere Standbesucherinnen
1996 – Präsentation des Bücherfrauen e.V. auf der F.A.M.E. in Hannover – v.l.n.r. Brigitte Mauch, Martina Rußmann, Evelyn Kuttig, im Hintergrund Angelika Beck vom Postskriptum Verlag
1996 – Präsentation des Bücherfrauen e.V. auf der F.A.M.E. in Hannover – v.l.n.r. Brigitte Mauch, Martina Rußmann, Evelyn Kuttig, im Hintergrund Angelika Beck vom Postskriptum Verlag

Das war mein Initiationsritus für mehr öffentliche Auftritte in Lüneburg, auf denen ich mit Erfolg für den Verein warb. Zum Beispiel 1999 auf dem Internationalen Frauentag mit Prospektmaterial von 30 Verlagen und anderen Dienstleisterinnen des Vereins. Ich hielt Vorträge zum Verein an der Universität Lüneburg und in Frauennetzwerken … Bereits 1996 veranlasste ich nach dem Besuch eines Schwarzkünstlertreffens (Druckmaschinen-Ausstellung im Hans-Hergot-Turm in Uelzen) eine Ausstellung von Bartkowiaks forum book art aus Hamburg im Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg, auch Wibke Bartkowiak wurde Bücherfrau …

Vereinsmedien der ersten Stunde

Die Vereinszeitschrift wurde ins Leben gerufen, um „die überregionalen Aktivitäten intensiver zu vernetzen und einen effektiveren Informationsaustausch zu gewährleisten“, so Heike Wilhelmi, Erste Vorsitzende, im Editorial des ersten „Newsletter“ im April 1993. Das Konzept hatten Heike und ich erarbeitet. Zuvor war nach einer Fragebogenakten das erste „Blaue Buch“ 1992/93, das Who’s Who der BücherFrauen, erschienen, hergestellt von den Berlinerinnen Andrea Krug, Dagmar Schadenberg und Gabrielle Pfaff.

„Chat“ von Dagmar Geisler (?)
„Chat“ von Dagmar Geisler (?)

Die Herbstausgabe 1993 krönte die Zeichnung „Chat“ (die sog. „tratschenden Weiber“ von Dagmar Geisler?) und blieb da 7 Jahre lang bis zur zweiten Ausgabe 2000. Ab 2001 wurden alle Vereinsmedien mit dem schwungvollen Logo, das Dagmar Schadenberg entwickelte und das das Zeichensignet mit dem großen „F“ von Marlis Killermann ablöste, versehen. Ab 2003 erhielt der Newsletter einen zweifarbigen Umschlag mit dem Bücherfrauen-Blau.

Die Erscheinungsweise der Hefte passten wir den Buchmessen im Frühjahr in Leipzig und im Herbst in Frankfurt an, damit eine Fülle an Informationen alle Mitglieder vorher erreichte. Zudem lag der Newsletter auf den Messen aus.

Die Rubriken vermehrten sich und der Umfang wuchs (1993: 14 kopierte lose Seiten, ab 1995 gedruckt und geheftet: 32 Seiten, 2005: über 60 Seiten, womit die rasant zunehmende Beteiligung aus allen Regionalgruppen, auch die Beteiligung von Korrespondentinnen ab 2/2005 sichtbar war). 1994 wurde Christiane Filius-Jehne die erste Pressefrau des Vereins, und allmählich entlasteten regionale Pressefrauen die Arbeit der Regionalfrauen.

Redaktionsteam in Lüneburg 1996 – v.l.n.r. Irina Mamula, Ira Lorf, Evelyn Kuttig, Cynthia Schwab und Silke Weniger
Redaktionstreffen in Lüneburg 1996 – v.l.n.r. Irina Mamula, Ira Lorf, Evelyn Kuttig, Cynthia Schwab und Silke Weniger

Die Redaktionssitzungen fanden zunächst in Hamburg statt, ab 1995 mit der Nachfolgerin von Christiane Filius-Jehne, Silke Weniger, in Lüneburg. Die Teilnehmenden kamen aus Bielefeld, Hamburg, Hannover, München, Münster … Als ich 1999 an Brustkrebs erkrankte und nach der OP die monatelangen Behandlungen sowie eine Kur mich einschränkten, zeigte sich, wie gut aufeinander eingespielt das Redaktionsteam war. Für zwei Hefte übernahm nach Absprache untereinander Susanne Paul-Menn die Redaktionsleitung. Ich gestaltete die beiden Ausgaben und machte nach den Korrekturdurchgängen die Produktionsabwicklungen. – Während einer kleinen Erholungsrundreise durch Deutschland besuchte ich Anke Schäfers in Charlottenberg (Feministischer Buchverlag) und Andrea C. Busch (Sister in Crime) in Groß-Zimmern. Diese beiden großartigen Bücherfrauen sind nun leider schon seit einigen Jahren verstorben.

Die Bezahlung des Aufwands für die Gestaltung des Newsletter wurde auf einer VV beschlossen, ich vermute 1995 in Stuttgart. Ehrenamt blieb mir selbst auferlegt (typisch Frau) noch einige Jahre die Weiterentwicklung der Zeitschrift, Werbung für Beteiligung, Organisation, Korrespondenz usw., eben alles, was nichts mit der Gestaltung zu tun hatte. Irgendwann wurde auf einer VV beschlossen, dass ich dafür Stunden in Rechnung stellen solle.

Imagepflege

Unsere Kommunikationsmittel waren zunächst nur das Telefon, Fax und der Postweg. Als Datenträger dienten Disketten, später auch CD’s. Vereinzelte Mailadressen tauchten erst ab 1997 im Newsletter und ab 1998 im Blauen Buch auf. Mails lösten noch nicht das Fax und die Datenträger ab, doch beschleunigten und vermehrten sie die Korrespondenz. (Kleine Anekdote: Eine schrieb mir eine Mail, ich solle sie doch bitte anrufen.) Ich hatte bei den letzten Ausgaben in Vorbereitung der Redaktionstreffen und während der Produktion neben etlichen Faxen, auch Korrekturfahnen, und Postsendungen jeweils rund vier- bis fünfhundert Mails zu bearbeiten, darunter schon einiges an Datentransfer und Austausch mit anderen Institutionen.

2000 – Redaktionsteam in Lüneburg
2000 – Redaktionstreffen in Lüneburg

Neben den vielseitigen Veranstaltungen in den Regionalgruppen und den überregionalen Angeboten zur Fortbildung mit einem immer größeren Presseecho förderte die Zeitschrift das Image des Vereins und trug mit der enthaltenen Beitrittserklärung maßgeblich zur Mitgliederwerbung bei, was ich mit Freude als damalige Finanzfrau wahrnehmen konnte.

Von 1994 bis 2000 beinhaltete der Newsletter die kostenlose Rubik „Jobbörse – Lost & Found“. Schließlich diskutierten wir im Redaktionsteam mit Ines Heinrich über ein Anzeigenkonzept, um damit die Finanzierung dieses Vereinsmediums zu stützen, und entwickelten eine Anzeigenpreisliste. Erstmals veröffentlicht im Heft 1/2002 erhielt sie schon Resonanz Ende 2002, doch ohne Vertrieb blieb diese recht gering.

Wir regten 2004 eine Namensänderung des Newsletter in WiP Journal der BücherFrauen an, weil im Medium Internet verstärkt Informationen mittels elektronischer Newsletter transportiert wurden. Doch auch erneute Aufrufe vom Vorstand nach Vorschlägen verhallten ungehört.

Zuletzt war die Einführung eines Titelthemas Auslöser für einen umfassenden und bezahlten Relaunch, mit dem altem Namen. Das erste neugestaltete Heft erschien im Frühjahr 2005. Es enthielt ein Stellenangebot, das Ines Heinrich aufgesetzt hatte: „Die Redaktion des Newsletter sucht ab der nächsten Ausgabe im September 2005 eine freie Mitarbeiterin für die Anzeigenakquisition auf Provisionsbasis.“ Diese Position übernahm Silke van der Locht … Newsletter im Zeitenwandel mit verschiedenen Umschlägen gibt es hier zum Anschauen.

Das Interesse an Veröffentlichungen wuchs mit dem Spektrum der Berichterstattung, damit auch das Umfang der Hefte, die zuletzt im Frühjahr 56 Seiten und im Herbst 68 Seiten umfassten.

Fortsetzung folgt … Seid ihr gespannt darauf, wie es weitergeht bzw. welches Ende der Newsletter als ein frühes „Opfer“ der Digitalisierung genommen hat?

Fotos: Tag der Ehrenamtlichen Celle 1998 / © Frank Schumacher – Redaktionstreffen Lüneburg 1996 und 2000 / © Bernd Milla – F.A.M.E. Hannover 1996 / © Monika Gödecke – Internationaler Frauentag Lüneburg 1999 / © privat

Redaktionsteams (Aufzählung in Klammern, 1 = Frühjahrsausgabe, 2 = Herbstausgabe)
(1) 1/1993 … Konzeptentwicklung von Heike Wilhelmi und Evelyn Kuttig
(2+3) 2/1993–1/1994 … Doris Janhsen, Evelyn Kuttig, Heike Wilhelmi
(4) 2/1994 … Doris Janhsen, Evelyn Kuttig, Ira Lorf, Tania Schlie, Heike Wilhelmi
(5) 1/1995 … Doris Janhsen, Iris Konopik, Evelyn Kuttig, Cynthia Schwab, Heike Wilhelmi
(6) 2/1995 … Anne Buhrfeind, Doris Janhsen, Evelyn Kuttig, Ira Lorf, Irina Mamula, Cynthia Schwab, Heike Wilhelmi
(7) 1/1996 … Doris Janhsen, Evelyn Kuttig, Ira Lorf, Irina Mamula, Cynthia Schwab
(8) 2/1996 … Doris Janhsen, Evelyn Kuttig, Ira Lorf, Irina Mamula, Cynthia Schwab, Silke Weniger, Elvira Willems
(9) 1/1997 … Evelyn Kuttig, Irina Mamula, Cynthia Schwab, Silke Weniger, Elvira Willems
(10) 2/1997 … Evelyn Kuttig, Irina Mamula, Ina Schaper, Silke Weniger, Elvira Willems
(11) 1/1998 … Evelyn Kuttig, Ira Lorf, Irina Mamula, Ina Schaper, Silke Weniger, Elvira Willems
(12) 2/1998 … Dr. Monika Gödecke, Evelyn Kuttig, Dr. Ira Lorf, Ina Schaper, Silke Weniger, Elvira Willems
(13) 1/1999 … Christa Dommel, Dr. Monika Gödecke, Evelyn Kuttig, Dr. Ira Lorf, Irina Mamula, Silke Weniger
(14) 2/1999 … Vera A. Boiter, Christa Dommel, Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Evelyn Kuttig, Dr. Ira Lorf, Susanne Paul-Menn
(15–18) 1/2000–2/2001 … Vera A. Boiter, Christa Dommel, Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Heike Herrberg, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn
(19) 1/2002 … Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Dagmar Schemske
(20) 2/2002 … Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Heike Herrberg, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Iris Seyband
(21-24) 1/2003–2 2004 Heike Brillmann-Ede, Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Heike Herrberg, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Iris Seyband
(25) 1/2005 … Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Iris Seyband
(26) 2/2005 … Kerstin Fischer, Dr. Monika Gödecke, Heike Herrberg, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Iris Seyband
(27) 1/2006 … Dr. Monika Gödecke, Heike Herrberg, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Iris Seyband
(28) 2/2006 … Dr. Monika Gödecke, Evelyn Kuttig, Susanne Paul-Menn, Iris Seyband

Weitere Zusammenarbeit
Austausch mit den Regionalfrauen der Regionalgruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und mit Women in Publishing (WiP) in England, sofern vorhanden Austausch mit den Pressefrauen
Illustrationen: Stephanie Hanel, Isabelle Dinter, Dagmar Geisler
Bildredaktion: Monika Bergmann
Korrespondentinnen: Dr. Stephanie Kramer, Monika Kopyczinsky, Veronika Licher, Ellen von Maercker, Ingeborg Mues, Christiana Puschak
Anzeigen-Konzept: Ines Heinrich
Anzeigen-Akquise: Silke van der Locht

P.S.: Weil es um die Geschichte des Newsletter geht, finden nicht alle im Laufe der Zeit entstandenen Gremien, AG’s und Aktivitäten Erwähnung.

Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, Evelyn Kuttig

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