Büroumzug: Minijob-Vergabe und Telefonie – Digitale Revolution in der Arbeitswelt

Mein Büroumzug fand zum 1.11.2015 statt. Ich löste mein Büro auf, um im Homeoffice weiterzuarbeiten. Damit vollzog ich meine dem Internet angemessene Arbeitsplatzrevolution. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist dieser Teil der digitalen Revolution seit der Entwicklung des Computers im Vergleich mit anderen europäischen Ländern nur langsam im Gang.
Die Abwicklungen von Behördenvorgängen und Telefonie sind hingegen schon recht lange auf Internetportalen gang und gäbe. (Ob wohl die Social Media-Portale und Telefonzentralen mit MitarbeiterInnen in Homeoffices verbunden sind?) Nach meinen noch frischen Erfahrungen mit der Minijob-Zentrale gehen Antrags- und Kündigungsverfahren mit nahezu grauenhafter Unübersichtlichkeit und Undurchschaubarkeit einher. Allein die Sprache! Liegt es an der Komplexität der Regeln und Ausnahmen? Kann doch wohl nicht gewollt sein? Vielleicht hat jemand andere Erfahrungen?

Minijobvergabe – Die „undurchsichtige“ Minijob-Zentrale

IMG_8320Noch ein Nachklapp zur komplizierten bürokratischen Abwicklung wegen der Beschäftigung eines Malers als Minijobber für die Auszugsrenovierung Ende Oktober, wovon ich in der Schlussbilanz schon einen Eindruck vermittelte.

Ich hatte also die Anmeldung bei allen Behörden wie Arbeitsamt, Minijob-Zentrale und Berufsgenossenschaft (hier: Verwaltungs-Berufsgenossenschaft VBG) unter der alten Anschrift vollzogen und vom Arbeitsamt und von der Berufsgenossenschaft Betriebsnummern erhalten. Es folgte die Meldung der neuen Anschrift beim Arbeitsamt, die von dort an die Minijob-Zentrale weitergeleitet wird, und zum Schluss noch die Meldung des Jobendes an die Minijob-Zentrale wegen der Beitragszahlung in die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See. Wieder konnte ich nur mittels telefonischer Unterstützung durchsteigen. Zu meinem großen Erstaunen wurden sehr geringe Beträge für „Umlage Mutterschutz“ und „Insolvenzumlage“ erhoben, insgesamt 1,35 € für den gezahlten Lohn von 300 €. Und so soll sich die Rente für Minijobber erhöhen? Das Ende der Formalitäten stellte die Abmeldung des Minijobs bei der Berufsgenossenschaft dar.

Weil ich bereits meine freiwillige Mitgliedschaft in der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft zum 30.10. gekündigt hatte, fragte ich nach, wie es sich nun mit der zweiten, neu entstandenen Mitgliedschaft als Arbeitgeberin verhält. Die ruht, bis ich wieder einen Minijob melde, und erst im April erhalte ich noch die Rechnung für den vergebenen Job im Oktober. Also ist immer noch was offen …

Telefonie – Unberechenbare Folgen von Accountänderungen

wire-163985_1280Mit der Kündigung des geschäftlichen Telefonanschlusses bei Arcor / Vodafone befasste ich mich schon ab August. Erst nach zeitaufwändigen Anrufen (Warteschleifen), Mails (nahezu immer automatisierte Antworten) und Faxversand schaffte ich es aus dem tagelangen fruchtlosen Teufelskreis zur Wahrnehmung meines Anliegens („Wir sind hier über 10.000 Mitarbeiter, da können sie nicht denselben erreichen!“). Ich wurde zu verabredeten Zeiten von derselben Person angerufen, um endlich im Laufe einer Woche die notwendigen Schritte zu vollziehen: Portierung der Geschäftsnummern auf den privaten Anschluss im zukünftigen Homeoffice, Einrichtung eines neuen Routers und Rufumleitung ins Büro. Die endgültige Abschaltung war erst Mitte Dezember.

Ende November wies mich ein erfahrener Telefon-Techniker darauf hin, dass die Abschaltung der Rufnummern auf meinen geschäftlichen E-Mail-Account gravierende Auswirkungen haben würde. Deshalb erkundigte ich mich nach möglichen Folgen auf dem Facebook-Portal von Vodafone. Vier (!) Tage lang drehten sich die Antworten um den heißen Brei herum, und ich blieb im Unklaren. Erst als ich schrieb: „Klipp und klar: Ich will wissen, ob ich wie bisher weiterhin Zugriff auf alle Ordner habe, empfangen, senden, suchen, löschen und Spamfilter definieren kann. Und was ich machen muss, um Hilfe in Anspruch nehmen zu können, falls es denn mal nötig sein sollte, z.B. weil an der Hardware bei Vodafone gearbeitet wird und nichts mehr geht. Bitte beantwortet mir das ganz eindeutig!“ – (Gerade eine Woche vorher war vier (!) Tage lang nichts mit Mails zu machen – kein Versand, kein Empfang, kein Zugang zu den Accounts, weder privat noch geschäftlich – und erst im Nachhinein entschuldigte sich Vodafone für Störungen im Rechenzentrum und den damit verbundenen Austausch von Hardware. Die „4“ scheint magisch zu sein.)

Dann kam endlich die Aufklärung über die wirksam werdenden Einschränkungen:
„… nach der Kündigung hast Du weiterhin Zugang zu Deinen E-Mails.
Zugang zu Deinen Rechnungen in dem Bereich ‘Kundenservice’ hast Du dann nicht mehr.
Dein E-Mail Account wird zu einem Basic-Account mit 50MB Größe herabgestuft. Solltest Du aktuell mehr Speicherplatz belegen, müssten entsprechend Mails gelöscht werden um wieder E-Mails senden und empfangen zu können.
Support erhältst Du über die kostenpflichtige Hotline: 0900 10 70 200 (1,24 EUR/Min. aus dem deutschen Festnetz)
Der E-Mail Account bleibt so lange bestehen, bis Du ihn selbst löschst oder Du Dich 100 Tage nicht in Dein Mail-Postfach einloggst.“

Folglich habe ich nun einen E-Mail-Account mit 10 GB mit einer neuen geschäftlichen E-Mail-Adresse – zugegebenermaßen ein schon lange gehegter Wunsch – bei meinem Webhoster STRATO angemeldet und nutze meinen Arcor-Account nur noch zur Weiterleitung. Vorübergehend, bis ich alle Ummeldungen bei den vielen Portalen, in denen ich mich tummele, durch habe. Die Gelegenheit, über Relevanzen nachzudenken …

Ich gab auf Facebook Vodafone auch noch ungefragt Feedback zu meiner Zufriedenheit, die sonst obligatorisch beim Mailen abgefragt wird:
„Zufrieden bin ich mit der Herabstufung nicht, denn es betrifft hier die geschäftliche Mail-Adresse, mit der viele Daten ausgetauscht werden. Deshalb bedaure ich, dass die technischen Möglichkeiten bei der Zusammenführung zweier Konten doch (noch) recht beschränkt sind, halt nur die Rufnummern betraf.“
Antwort: „… vielen Dank. Wir nehmen das gerne einmal mit auf.“

Digitale Revolution und gesellschaftlicher Wandel

image-94225_1280Muss die Digitalisierung der Arbeit solch ein Chaos zeitigen? Befinden wir uns in einer „asozialen“ Phase des gesellschaftlichen Wandels, undurchsichtig manövrierend und Unsicherheit erzeugend? Der PR-Fachmann Guido Augustin schreibt mir aus der Seele: „Soll doch jeder arbeiten, wann und wo er will. Ich habe seit Jahren einen freien Mitarbeiter, den habe ich noch nie gesehen. Wir haben auch noch nie telefoniert. Er ist zuverlässig, kompetent und loyal, mehr brauche ich nicht. Den Rest stellen unsere Kommunikationstechnologie und mein Vertrauen.“ Das heißt, gegenseitiges Vertrauen ist die Basis für gemeinsames erfolgreiches Tun!

Rund um den Minijob wurde ich immer sofort von allen Angefragten kompetent beraten, sogar zu Anrufen gedrängt. Diese Menschen lassen sich auf andere Menschen ein.

Beim Telefonanbieter hingegen kam ich mir meistens lästig vor, als arbeiteten hier überwiegend Menschen, die kein Interesse an ihrer Arbeit haben, schon gar nicht auf Augenhöhe kommunizieren wollen. Fehlt Gestaltungsspielraum für deren Arbeit? Fehlt Anerkennung seitens des Arbeitgebers für kreative Lösungen, weil zuviel Kontrolle herrscht? Ist das Verweigern des Verständnisses von Fragen eine Art von Arbeitsboykott seitens dieser Mitarbeiter?

Andere Telefonanbieter sind nach meiner Erfahrung in der Beratung auch nicht besser. Und ich bin keine Tarifwechslerin. Also bleibe ich vorerst Kundin – vertraue!?

Fotos: pixabay – Lucida (oben), PublicDomainPictures und geralt (Mitte und unten)

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.