Wie ich zum Buchthema EIGENSINN kam, 3: Wie aus der Buchidee eine Trilogie wird – von Maria Al-Mana

Maria Al-Mana – Foto: © privat

Ich habe mich mein ganzes Leben lang auf den Eigensinn zubewegt. Und hatte es kaum bemerkt. Man kann auch sagen: Erst, als ich wirklich „reif“ dafür war, konnte MEIN Thema – also der Eigensinn – mich finden, wie ich es in den vorhergehenden Teilen 1 und 2 schon beschrieben habe. So weit, so gut. Doch: Was kommt dann?! Wie setze ich das um, wie mache ich ein Buch daraus?!

Der ursprüngliche Plan war, mit einem Buch klarer zu machen, was ich alles anzubieten habe – als Texthandwerkerin, als Buchhebamme, als (Schreib-)Coach. Da wusste ich leider noch gar nicht, was mein Thema denn nun ist. Und dann kam es: ausgerechnet der Eigensinn?! Das, was viele Menschen für eine Beschimpfung halten?! Für egoistisch, ein bisschen verrückt, starrsinnig …

Doch es half nichts. Nachdem es mich erwischt hatte, nachdem klar war: Mein Thema hat mich gefunden, gab es schlicht kein Zurück mehr. Der Eigensinn ist und bleibt MEIN Thema.

Ein weiterer Punkt kam dazu: Ich habe Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert. Keineswegs zufällig, sondern aus voller Überzeugung. Und ich halte das noch immer für eine ziemlich gute und spannende Kombination. Doch ich hatte mich damals schnell entmutigen lassen: Frauen im Universitätsbetrieb der 80er Jahre?! Vergiss es! Fachidiotentum einschließlich Fachidiotensprache waren noch nie mein Ding … Und so verlor sich im Lauf der Zeit vieles, was mich als Geisteswissenschaftlerin hätte erkennbar werden lassen. Ich wollte außerdem auch kein geisteswissenschaftlicher „Nerd“ sein. Erst mit dem Älterwerden merkte ich: „Doch, manchmal bin ich es. Und bin es gern. Das macht für mich sehr viel Sinn.“ Das war wichtig, denn auf einmal hatte ich (wieder) meinen vollen Zugang zu Literatur, Philosophie und Co. Ich las wie wild – rund 20 Bücher pro Woche. Verpasste den armen Büchern Eselsohren, kritzelte rein, baute eine riesige Zettelwirtschaft neben noch riesigeren Bücherbergen auf … Es hatte mich gepackt. Zum Glück zweifelte ich keine Sekunde lang daran, dass ich MEIN Thema gefunden hatte. Pech allerdings war: Das wuchs und wuchs …

Ich bin kein großer Fan von Ratgeberliteratur. Schon gleich gar nicht, wenn es um das Schreiben geht. Wunderbare und absolut notwendige Dinge wie beispielsweise das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ aus dem Uschtrin-Verlag natürlich ausgenommen … Meistens aber ist mir vor allem die Überzeugung wichtig, dass wir alle eine eigene Stimme haben. Der wir folgen sollten. Die wir oft erst noch entdecken müssen. Wozu wir uns selbst so gut wie möglich kennen sollten. Das ist und bleibt hoch individuell. Also müssen wir erst mal an den Punkt kommen, von dem aus wir sehen können: „Wie denke, wie ‚ticke‘ ich? Wie nehme ich die Welt wahr, wo liegt mein Fokus?“ Das alles wollte ich meine Leserinnen und Lesern von Anfang an vermitteln. Für mich war und ist das gleichbedeutend mit der Erkenntnis, was für ein wunderbares Instrument der Eigensinn – gern auch für das Schreiben – sein kann.

Schon hatte ich neben allen Notizen eine riesige Liste mit Fragen. Die immer länger wurde. Ich verteilte die Fragen auf farblich unterschiedlichem Papier. Half auch nichts. Ich wachte frühmorgens bereits mit neuen Fragen auf, verpasste fast zwei Termine, weil ich die Listen unbedingt noch ergänzen musste. Dann zog ich die Reißleine. Nur eine einzige Frage war noch zugelassen: „Was willst DU?!“ Besser: „Was will dein Eigensinn?“

Antwort: Ich will mit Menschen ins Gespräch kommen. In ein Gespräch über ihren Eigensinn. Und darüber, was sie mit ihm anfangen könnten …

Dazu sollten wir aber bitte erst mal klären, was Eigensinn eigentlich ist. Warum er noch so oft einen so schlechten Ruf hat. Ich hatte jetzt wirklich viel gelesen. So ziemlich alles, was irgendwie „Eigensinn“ im Titel hat. Was ich allerdings nirgendwo fand, war eine belastbare Definition: Was genau ist Eigensinn?! Viele Menschen und Bücher nehmen das Wort auf. Alle verstehen es anders. Definiert wird es nirgends. Also war mein erstes Ziel: definiere Eigensinn!

Und dann: Menschen wollen sich natürlich nur dann länger mit anderen unterhalten, wenn sie wissen – oder wenigstens ahnen – wozu das gut sein könnte. Also: Wobei hilft Eigensinn? Beim Schreiben vielleicht? Wer hat das wie schon unter Beweis gestellt? Gibt es eigensinnige Bücher? Wie sehen die aus? Welche Autor/innen waren oder sind eigensinnig? Und: „Hallo, liebe LeserInnen, wie steht es eigentlich um IHREN Eigensinn?“

Dritter Punkt: Eigensinn bleibt eine blutleere Angelegenheit, wenn er keine Konsequenzen hat. Eigensinn bedeutet nämlich auch Lebendigkeit – das weise ich anhand eines Märchens der Brüder Grimm tatsächlich nach. Eigensinn will aktiv werden, braucht eine Art Ventil. Für mich sind das Kreativität, Flow und Spiel. Okay. Noch ein paar Punkte mehr auf meinen Listen …

Das sind die wesentlichen Inhalte von Buch eins: „Mein Kompass ist der Eigensinn“.

Schon während ich das alles schrieb, war mir klar: Das genügt noch immer nicht! Ich möchte ja, dass die Menschen ihre eigene Stimme entdecken, ihren Eigensinn LEBEN, kreativ werden können! Und wie macht man das, wenn man eine ziemliche Abneigung gegen klassische Ratgeber hat? Lösung: Mit ganz vielen Beispielen, Übungen, Anregungen … Als ich das Manuskript der ersten Leserin meines Vertrauens gab, habe ich ihr bestimmt dreimal gesagt: „Guck bitte ganz besonders darauf, wo ich mich wie eine Oberlehrerin anhöre!“ Ich hatte nämlich das Gefühl: Das tue ich die ganze Zeit … Ich mag andere Menschen einfach nicht belehren. Darum bin ich wohl der geborene Coach. Denn da gilt ja auch die Maxime: Jeder Kunde, jede Kundin ist der jeweils kundigste Mensch in allen eigenen Belangen. Später habe ich einen „echten Coach“ beim Schreiben des eigenen Buchs begleitet. Und der staunte manchmal: „Das ist ja regelrecht magisch, was da passiert!“ Dabei hatte ich nichts anderes getan, als ihn behutsam – sehr behutsam! – zu seinen eigenen Gedanken, seiner Stimme zu führen. Das war perfekt. Denn genau das war und ist meine Intention. Allerdings: Im ständigen Dialog zwischen zwei Menschen ist das gar nicht so schwierig. In einem Buch, bei dem ich keine Ahnung davon habe, WER das später lesen wird, fand ich es ziemlich anstrengend. Ob es gelungen ist? Keine Ahnung. Dieses zweite Buch erscheint demnächst. Sein Titel: „Wer schreibt, darf eigensinnig sein.“

Genau: Wie spreche ich mit Menschen, die ich gar nicht kenne?! Für Buch eins und zwei habe ich mir Spiele ausgedacht … Sehr viele Fragen. Und ein paar überraschende Lösungen. Mir hat es Spaß gemacht. Denn die ganz passiven Leser/innen kann ich mir nur vorstellen, wenn es um Krimis geht, um Fiktion, um Abenteuer. Die so spannend sind, dass man sich keinen Millimeter mehr bewegt. Gar nicht merkt, dass einem schon seit zehn Minuten der rechte Fuß beim Lesen auf dem Sofa eingeschlafen ist. So etwas habe ich nicht zu bieten. Aber ich fand und finde das Thema Eigensinn derart spannend, dass ich seitdem mit allen Menschen darüber reden will. Genau das habe ich getan: Es kommen in Buch eins und zwei jede Menge Zitate vor, ich unterhalte mich mit den Autorinnen und Autoren, die für mich eigensinnig sind, gleiche meine Sicht auf den Eigensinn mit ihrer Sicht ab. So reduzierten sich endlich auch meine langen Listen. Viele Fragen konnten beantwortet werden.

Doch Buch drei soll meine Kür in Sachen „Gespräche über den Eigensinn“ werden. Menschen aus allen Bereichen der Buchwelt können sich mit mir über den Eigensinn unterhalten. Über eigensinnige Themen und Bücher, über ungewöhnliche Wege durch und im Buchmarkt …Wer dafür noch jemanden vorschlagen will oder sich selbst als eigensinnigen Menschen mit Bezug zu Büchern/zum Schreiben sieht: Bitte melden (maria@texthandwerkerin.de)! Noch kann die Gesprächsrunde erweitert werden. Sehr gern sogar.

Dass aus einer Buchidee eine Trilogie wurde, ist letzten Endes nur meiner Begeisterung für das Thema zu verdanken. Ich habe mich mitreißen lassen. Und zwar liebend gern.

Ein Beitrag von Maria Al-Mana zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:
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Evelyn Kuttig

Ich arbeite(te) als Grafikdesignerin, Projektmanagerin, Rechercheurin, Redakteurin und Texterin. – Das Blog enthält Berichte aus meinem Arbeitsalltag und Gastbeiträge aus vielfältigen Arbeitsfeldern, die zur Entstehung von Büchern beitragen. – Auf dem Weg in den Ruhestand, stehe ich Interessierten mit meinen vielseitigen Kenntnissen und Erfahrungen und psychologischem Gespür gerne weiterhin mit Rat und Tat und Empfehlungen zur Seite.

2 Gedanken zu „Wie ich zum Buchthema EIGENSINN kam, 3: Wie aus der Buchidee eine Trilogie wird – von Maria Al-Mana“

  1. Lese Buch 1 gerade mit Begeisterung und freue mich auf die beiden Folgebände. Einer der Standardsätze meiner Mutter war, wenn sie mit mir unzufrieden war: „Du machst nur was du willst.“ Schon als Kind dachte ich: Ja, was denn sonst?
    Danke also für diese kluge Auseinandersetzung mit dem Eigensinn.

    1. Liebe Karin,
      herzlichen Dank für diese Worte! Ich freue mich sehr darüber! Auch, wenn ich es irgendwie schon geahnt habe … Wie in meiner Widmung zu Band 1 steht: „Wir sind viele“. Ja! Und dass wir uns darüber austauschen können, macht mich glücklich.

      Ganz herzlich
      Maria

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