Franz Grieser: „Nachhaltiges Leben bedeutet auch, verantwortungsvoll und achtsam mit mir selbst umzugehen“ – Interview von Evelyn Kuttig

Franz Grieser – Foto © Christian Weber

Franz Grieser habe ich vor drei Jahren über gemeinsame Freunde kennengelernt, seither sind wir in Kontakt. Franz arbeitet als Buchautor, Journalist, Schreib-Coach und Gestalttherapeut.

Gerade ist sein neuestes Buch beim oekom Verlag erschienen: Meine Reise nach Utopia. Es ist als Journal gedacht, das die LeserInnen durch ein ganzes Jahr begleitet. Für jede Woche gibt es zwei Doppelseiten: Eine Doppelseite mit Anregungen für umweltbewusstes Verhalten; hinzu kommt einmal im Monat ein Impuls zur persönlichen Entwicklung. Plus eine Doppelseite mit viel Platz zum Reinschreiben oder Zeichnen, auf der man Reflexionen zu einem Thema, Erfahrungen und Notizen festhalten kann.

Das Erscheinen dieses Buchs trifft einerseits zusammen mit „Fridays for Future“ und den daraufhin noch unzulänglich gründenden Maßnahmen zum Klimaschutz seitens der Bundesregierung, andererseits mit dem Nachhaltigkeitsbestreben und der therapeutischen Praxis von Franz. Deshalb interessiert mich die Wechselbeziehung zwischen der Idee zum Buch und dem Prozess seiner Umsetzung.

Du hast das Buch ja zusammen mit Utopia.de geschrieben. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Und wie ist das abgelaufen?

Die ursprüngliche Idee – ein Journal mit Fokus auf Nachhaltigkeit – hatten der oekom Verlag und Utopia.de. Utopia hat mich Autor dazugeholt, die kannten mich, weil ich in den letzten Jahren öfter Beiträge für sie geschrieben bzw. redigiert hatte. In den Gesprächen mit dem Lektorat und Utopia habe ich dann das Thema „persönliches Wachstum“ als roten Faden durch das Journal vorgeschlagen und das Buchkonzept entsprechend erweitert.

Nachdem alle Seiten damit einverstanden waren, habe ich zusammen mit Utopia Nachhaltigkeitsbeiträge aus dem riesigen Fundus von Utopia ausgewählt. Die Utopia-Beiträge habe ich für das Buch, wo nötig, aktualisiert und überarbeitet. Parallel dazu habe ich die Wachstumsimpulse sowie die Texte für die Mitmachseiten geschrieben. Mitmachseiten sind die Journalseiten, auf denen die LeserInnen Reflexionen, Erfahrungen mit den Impulsen, Gedanken und mehr festhalten können.

Wieso verknüpfst du in dem Buch Nachhaltigkeit und persönliches Wachstum?

Das Thema des Buches ist nachhaltiges Leben. Und zwar ganzheitlich gedacht: Nachhaltiges Leben bedeutet zum einen, verantwortungsvoll und achtsam mit der Welt umzugehen, in der wir leben. Zum anderen bedeutet es, verantwortungsvoll und achtsam mit uns selbst umzugehen. Auf uns und unsere Bedürfnisse zu achten und diese in Einklang mit den Bedürfnissen unserer Umwelt zu leben. Für mich geht das eine nicht ohne das andere.

Was genau meinst du denn mit persönlichem Wachstum? Das klingt irgendwie auch nach Selbstoptimierung. Wie passt das zu nachhaltigem Leben?

Persönliche Weiterentwicklung bedeutet für mich nicht Selbstoptimierung. Ganz im Gegenteil: Ziel der Wachstumsimpulse in meinem Buch ist Selbstakzeptanz. Mich so sein lassen, wie ich bin, mich so akzeptieren, wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen. Und genau dadurch wachsen, zu mir stehen, mit mir ins Reine kommen.

Auf dem Weg dahin geht es im Buch darum,

  • loszulassen, was mir nicht guttut;
  • zu erkennen, wie ich mich und meine Handlungsmöglichkeiten einschränke;
  • einschränkende Überzeugungen loszulassen und neue, stärkende Überzeugungen entwickeln;
  • meine Wünsche und Bedürfnisse ernst nehmen;
  • neue Gewohnheiten (Habits) entwickeln, die mich dabei unterstützen, im Alltag meinen Werten entsprechend zu handeln.

Du schlägst in dem Buch ganz viele Dinge vor, die man tun kann, um nachhaltiger zu leben. Lebst Du das alles selbst schon?

Nein, nicht alles. Das Journal ist auch nicht als Liste gedacht: „So wirst Du nachhaltig von A bis Z“. Und es ist auch nicht als Liste gedacht, die man komplett abarbeiten muss, um nachhaltig zu leben. Es sind Vorschläge, es sind Schritte hin zu einem nachhaltigeren Leben.

Bei mir konkret sieht es so aus, dass ich Schwierigkeiten habe, meinen Plastikverbrauch spürbar einzuschränken. Ich versuche, so weit es geht, Produkte zu kaufen, die nicht aus Plastik bestehen bzw. keine Plastikverpackung haben. Aber da gibt es einfach Grenzen in normalen Läden und auch in Bioläden: Kauf mal Kekse ein, die nicht verpackt sind, oder Eiscreme.

Auch beim Thema Minimalismus und Loslassen komme ich an meine Grenzen. Zumindest was Bücher und Musik-CDs anlangt. Die werden bei mir immer mehr statt weniger.

Dieses Buch gibt also eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen und seine Verbundenheit mit der Umwelt wieder und zeigt Wege auf, sich beim Ausprobieren des nachhaltigen Lebens ernst zu nehmen und weiterzuentwickeln. – Danke für Deine Offenheit beim Blick auf Dich selbst, Franz! So kenne ich Dich: nichts beschönigend 😉

Ein Beitrag zum Thema „Buchherstellung“, Schwarzaufweiss Evelyn Kuttig

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag weitersagen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.